Schild an einem geschlossenen Geschäft | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Coronavirus "Lockdown muss wohl verlängert werden"

Stand: 31.12.2020 11:11 Uhr

Bis zum 10. Januar läuft der Lockdown noch - und dann? Angesichts der aktuellen Zahlen sprechen sich immer mehr Politiker für eine Verlängerung aus. Über Details wird aber offenbar noch verhandelt.

Weitere Politiker und Experten haben sich für einen Lockdown über den 10. Januar hinaus ausgesprochen. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans geht nach eigenen Worten von einer Verlängerung aus. "Der Lockdown ist und war notwendig, und er muss wohl auch Anfang Januar verlängert werden", sagte er der "Rheinischen Post". 

Man solle sich zudem nicht von den aktuellen Corona-Zahlen täuschen zu lassen. Diese hätten "Feiertagssymptome", weil sich über Weihnachten und Silvester weniger Menschen testen ließen. Mitte Januar müssen wir nochmal überprüfen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, um dann weiter zu planen", kündigte Hans an.

Lockdown seit 16. Dezember

Seit dem 16. Dezember gilt in ganz Deutschland ein Lockdown. Ein Großteil der Geschäfte ist geschlossen. Auch die Schulen und Kitas machten weitgehend dicht. Die Maßnahmen sind bis zum 10. Januar befristet. Am 5. Januar wollen Bund und Länder über das Vorgehen nach diesem Datum beraten. Aus rechtlichen Gründen können einschneidende Corona-Einschränkungen nur für vier Wochen verhängt werden.

"Zweite Welle unterschätzt"

Auch die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, wandte sich gegen eine Rücknahme ab dem 10. Januar. "Ich glaube nicht, dass wir Zahlen haben werden, die uns Lockerungen im Januar erlauben", sagte sie der Funke Mediengruppe. "Wir haben fast alle die zweite Infektionswelle unterschätzt", sagte Esken weiter und kritisierte: "Es hat zu lange gedauert, bis sich die Ministerpräsidentenkonferenz zu dem Wellenbrecher-Shutdown entschlossen hat, und der war dann nicht stark genug."

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hält Lockerungen der strengen Corona-Schutzvorkehrungen erst nach einer deutlichen Reduzierung der Infektionszahlen für möglich und verantwortbar. "Wir können erst dann größere Lockerungen vornehmen, wenn wir auch über einen längeren Zeitraum wieder Inzidenzwerte von deutlich unter 50 haben", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, erklärte bei RTL/n-tv mit Blick auf die anstehende Sitzung der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Januar: "Wenn die Infektionszahlen so hoch bleiben, dann gehe ich davon aus, dass wir mindestens diese Maßnahmen, die wir jetzt haben, auch verlängern werden."

Krankenhausgesellschaft warnt vor Überlastung

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sprach sich angesichts der drohenden Überlastung von Krankenhäusern ebenfalls für eine Verlängerung aus. "Wir verzeichnen weiterhin eine steigende Belegung der Krankenhäuser mit Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind. Mittlerweile sind es etwa doppelt so viele wie in der ersten Welle", sagte DKG-Präsident Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Hinzu kämen bis zu 25.000 Patienten mit Covid-19 auf den Infektionsstationen.

Die Zahlen würden frühestens ab Mitte Januar zurückgehen, "wenn denn der Lockdown wirkt", warnte der DKG-Chef.

Bund und Ländern klären Vorstellungen ab

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters gab es gestern in einer Schalte zwischen Kanzleramtschef Helge Braun und den Staatskanzleichefs der Länder zwar grundsätzlich Einigkeit hinsichtlich einer Verlängerung, aber auch sehr unterschiedliche Vorstellungen, welche der Beschränkungen fortgesetzt werden müssten.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass es eine Verlängerung bis zum 24. oder 31. Januar geben solle. Aus mehreren Quellen hieß es dazu laut Reuters, dass die Schalte vor allem vorklären sollte, worüber Merkel und die Ministerpräsidenten am 5. Januar reden müssten.

Zunehmend Stimmen für Verlängerung des Corona-Lockdowns
Kai Clement, ARD Berlin
31.12.2020 10:59 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. Dezember 2020 um 23:35 Uhr sowie Deutschlandfunk am 31. Dezember 2020 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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