Christian Lindner im ARD-Sommerinterview | dpa

Lindner im ARD-Interview "Keine Konjunktur für FDP-Grundwerte"

Stand: 12.07.2020 19:41 Uhr

Schlechte Umfragewerte und Kritik am Führungsstil: Der FDP-Vorsitzende Lindner gibt sich im ARD-Sommerinterview kämpferisch. Er will für eine Trendwende kämpfen - auch wenn die Werte seiner Partei derzeit keine Konjunktur hätten.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sich im Sommerinterview der ARD optimistisch gezeigt, aus den schlechten Umfragewerten wieder herauszukommen. Es sei eine harte Zeit, die auch an ihm persönlich nicht vorbeigegangen sei. Es gehe jetzt aber darum zu kämpfen, so Lindner.

Im ARD-Deutschlandtrend lag die FDP zuletzt bei fünf Prozent. Das liege auch daran, dass die "Grundüberzeugung" seiner Partei derzeit "keine große Konjunktur" habe. Viele Menschen wünschten sich in der Corona-Pandemie einen starken Staat. Der sei in der Krise zwar auch nötig. Die FDP müsse aber weiter für ihr Ideal der Eigenverantwortung werben.

"Mondfahrprojekt" Bildung

Lindner verwies zudem darauf, dass es eine wachsende Gruppe an Menschen gebe, die besorgt sei, dass Grundrechte während der Pandemie ohne breite Debatte eingeschränkt worden seien. Viele hätten auch Sorgen wegen der wirtschaftlichen Entwicklung. "Man kann nicht auf Dauer eine Volkswirtschaft unserer Größe mit Staatsverschuldung am Leben halten."

Als zentrale Botschaft seiner Partei stellte Lindner das gesellschaftliche Aufstiegsversprechen heraus und forderte, dass mehr für die Qualität der Bildung getan werden müsse. Noch immer präge das Elternhaus den Werdegang, kritisierte Lindner. Das müsse sich ändern. Bildung müsse zum "Mondfahrtprojekt" werden.

Wahl Kemmerichs - ein "schmerzhaftes Ereignis"

Die Wahl des Thüringer FDP-Vorsitzenden Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten des Freistaates - auch mit Stimmen der AfD - bezeichnete Lindner als "schmerzhaftes Ereignis". Der Vorgang habe Zweifel an der Seriosität der Partei geweckt. Ein Gutes habe der Vorfall aber: "Wir haben klargestellt: Die FDP wirkt nirgendwo mit der AfD zusammen." Auch inhaltliche gebe es keine Gemeinsamkeit.

Im Hinblick auf Kemmerichs Rolle in Thüringen, der weiter für seine Partei kandidieren will, sagte Lindner, dass er als Bundesvorsitzender keinen Einfluss auf die Landesverbände habe. Er selbst würde sich eine erneute Kandidatur an Kemmerichs Stelle aber "nicht ein weiteres Mal antun".

Kein klares Bekenntnis zu Teuteberg

Zur politischen Zukunft von FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg sagte Lindner, Teuteberg sei eine starke Persönlichkeit und "ein starker Teil unseres Teams". Er bitte aber um Verständnis, dass er sich "an Personalspekulationen, die von außen an unsere Partei herangetragen werden" nicht beteiligen wolle. Er war nach der Kritik gefragt worden, Teuteberg setze zu wenig eigene Akzente.

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 12. Juli 2020 um 18:05 Uhr.