Schüler und Schülerinnen einer 4. Klasse sitzen im Unterricht an der Grundschule Russee in Kiel. | picture alliance/dpa

Studie der KMK Grundschüler lesen und rechnen immer schlechter

Stand: 01.07.2022 16:28 Uhr

Das Leistungsniveau von Viertklässlern ist laut einer Studie spürbar gesunken. Sie lesen, rechnen und schreiben signifikant schlechter als ihre Altersgenossen vor zehn Jahren. Die Corona-Pandemie ist ein Grund dafür - aber nicht der einzige.

Viertklässler in Deutschland haben einer Studie zufolge zunehmende Rechtschreib-, Lese- und Matheprobleme und sind im Vergleich zu Viertklässlern vor zehn Jahren deutlich zurückgefallen. Das zeigt eine von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellte Studie, die im Abstand von fünf Jahren den Stand bei Viertklässlern untersucht.

An fast 1500 Schulen in ganz Deutschland wurden zwischen April und August 2021 etwa 27.000 Viertklässler getestet - in den Bereichen Lesen, Zuhören, Rechtschreibung und Mathematik. Im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2016 entsprachen die Kompetenzrückgänge im Lesen etwa einem Drittel, in Rechtschreibung und Mathematik einem Viertel eines Schuljahres. Verglichen mit 2011 liegen die Rückstände sogar bei rund einem halben Schuljahr.

Jeder Dritte kann nicht korrekt schreiben

Überall haben sich die Ergebnisse verschlechtert. Besonders auffällig ist es bei der Rechtschreibung: Weniger als die Hälfte der Viertklässler (44 Prozent) erreichte hier den "Regelstandard", also das, was im Schnitt von Schülerinnen und Schülern in diesem Alter erwartet wird und fast ein Drittel (30 Prozent) verfehlte den "Mindeststandard" - heißt: Fast jeder dritte Grundschüler in der vierten Klasse macht so viele Rechtschreibfehler, dass er die definierten Mindestanforderungen nicht erreicht. Beim Lesen, Zuhören und in Mathematik erreichte etwa jeder Fünfte nicht die Mindeststandards.

Die KMK sieht einen Grund für die Entwicklung in der Pandemie: "Die Schulschließungen und Unterrichtseinschränkungen in der Corona-Zeit haben die Schülerinnen und Schüler in Deutschland in ihrer sozialen Entwicklung und in ihrem Lernerfolg erheblich zurückgeworfen." KMK-Präsidentin Karin Prien wies darauf hin, dass die Tests direkt nach dem langen Schullockdown im vergangenen Frühjahr und Sommer gemacht wurden.

Lockdowns als Grund?

Die Autoren der Studie vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gehen davon aus, dass die Corona-Einschränkungen "zumindest teilweise" für die Ergebnisse verantwortlich sind. Vor allem Kinder, die bereits mit Lernproblemen kämpfen, hätten unter dem Unterrichtsausfall besonders stark gelitten. Allerdings ließen sich Entwicklungen nicht eindeutig und ausschließlich darauf zurückführen, da es auch schon zwischen 2011 und 2016 einen negativen Trend gab.

Als mögliche Ursachen neben Corona werden Veränderungen in der Zusammensetzung der Schülerschaft, neue schulische Vorgaben und organisatorische Veränderungen in den Schulen genannt.

Zugewanderte haben die größten Probleme

Die Studie bestätigt nicht nur, dass Erfolg in der Schule stark vom Elternhaus abhängt, sondern kommt zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhang zwischen Kompetenzen und "sozioökonomischem Status" der Familie sogar in allen Bereichen "signifikant" zugenommen hat. Verwiesen wird auch darauf, dass sich die "zuwanderungsbezogene Heterogenität" der Schülerschaft zwischen 2016 und 2021 weiter erhöht habe. Die stärksten Kompetenzrückgänge seien fast durchgängig für Schüler zu verzeichnen, die im Ausland geboren sind. Bei Schülern ohne Zuwanderungshintergrund fielen sie geringer aus.

Langfristige Probleme

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte, die Studie stelle der Bildungspolitik in Deutschland ein "miserables Zeugnis" aus. Besorgniserregend seien die Ergebnisse auch, weil in der Grundschule die Fundamente für den weiteren Bildungserfolg gelegt werden. Die wissenschaftliche Leiterin des IQB, Petra Stanat, sagte: "Fast 20 Prozent der Kinder können nicht gut lesen - das ist ein Problem und es wird schwierig, das aufzuholen."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. Juni 2022 um 17:03 Uhr.