Polizei im Einsatz in Connewitz | Bildquelle: dpa

Gewalt in Leipzig-Connewitz Polizeieinsatz soll aufgearbeitet werden

Stand: 03.01.2020 14:45 Uhr

Der Polizeieinsatz in der Silvesternacht in Leipzig soll kritisch aufgearbeitet werden. Das kündigte Innenminister Wöller an. Die Polizei stellte klar, dass der attackierte Polizist nicht notoperiert wurde.

Die Debatten um die Silvesternacht in Leipzig-Connewitz gehen weiter: Nun soll der Polizeieinsatz aufgearbeitet werden. Das kündigte Sachsens Innenminister Roland Wöller an. "Jeder Polizeieinsatz wird kritisch ausgewertet und aufgearbeitet. Das wird auch mit diesem geschehen", so der CDU-Politiker.

Die SPD-Chefin Saskia Esken hatte gefordert, den Polizeieinsatz zu überprüfen. "Im Sinne der Polizeibeamten muss jetzt schnell geklärt werden, ob die Einsatztaktik angemessen war", sagte Esken den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Sollte eine falsche Einsatztaktik Polizistinnen und Polizisten unnötig in Gefahr gebracht haben, liegt die Verantwortung dafür beim sächsischen Innenminister."

Kritik an Esken

Wöller entgegnete: "Zur Äußerung auf Bundesebene kann man sagen, dass, je weiter man weg ist vom Einsatzgeschehen, scheint die Expertise zu steigen." Der Innenminister traf sich heute mit beteiligten Beamten.

Kritik an der Aussage von Esken kam auch von dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner: "Wer für uns die Knochen hinhält, sollte den Rücken gestärkt bekommen. Hier werden Täter und Opfer vertauscht", twitterte er.

Auch aus Eskens eigener Partei kam Kritik. Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel schlug auf Twitter vor, angesichts der massiven Silvestergewalt besser über die Gewalttäter zu reden.

Die Ermittler vermuten Linksextremisten hinter dem Angriff in der Silvesternacht im alternativen Stadtteil Connewitz, ermittelt wird wegen versuchten Mordes. Bei dem Einsatz wurde ein 38 Jahre alter Beamter nach Angaben der Polizei schwer verletzt. Ihm sei der Helm vom Kopf gerissen worden, so Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar. Der Polizist sei bewusstlos gewesen und wurde in der Nacht operiert, wie Wöller sagte.

Polizei muss Aussage zur Not-Op zurücknehmen

Erste Angaben, wonach das Opfer notoperiert werden musste, relativierte die Polizei. Es habe keine Not-Operation gegeben, sagte Polizeisprecher Andreas Loepki MDR Aktuell. Zunächst hatte es in einer Polizeimeldung vom Neujahrstag geheißen, dass ein schwer verletzter Polizist im Krankenhaus notoperiert werden musste. In der Silvesternacht sei dies der Kenntnisstand gewesen, so Loepki. Eine lebensbedrohliche Verletzung habe aber nicht vorgelegen.

Die Polizei müsse sich den "Schuh anziehen, dass es sicherlich besser gewesen wäre von einer operativen Maßnahme zu sprechen statt von Not-OP", so Loepki.

Dem 38-Jährigen geht es nach Angaben von Innenminister Wöller besser. Er habe heute das Krankenhaus verlassen.

Vier Haftbefehle erlassen

Gegen die vier mutmaßlichen Täter erließ das Leipziger Amtsgericht inzwischen Haftbefehl. Den vier Beschuldigten im Alter zwischen 27 und 32 Jahren, die sich alle bereits in Polizeigewahrsam befinden, werden unter anderem tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung vorgeworfen, nicht jedoch versuchter Mord. Als Mordversuch stuft die Staatsanwaltschaft allerdings eine weitere Attacke auf einen Polizisten ein, der bei den Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz nach Behördenangaben schwer verletzt wurde. Insgesamt ermitteln Staatsanwaltschaft und LKA derzeit gegen 13 Verdächtige.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2020 um 12:00 Uhr.

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