Der Eingang einer der von Drohungen betroffenen Kitas. | Bildquelle: dpa

Drohungen gegen Kita "Die Saat geht auf"

Stand: 31.07.2019 13:18 Uhr

Medienberichte über ein angebliches "Schweinefleischverbot" in zwei Leipziger Kindergärten haben eine Welle des Hasses ausgelöst. Oberbürgermeister Jung prangert nun Drohungen an und warnt, die Saat von Hetze gehe auf.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Bereits seit mehr als einer Woche erregt eine Diskussion über den Speiseplan von zwei Kindertagesstätten in Leipzig viele Gemüter. Die "Bild"-Zeitung hatte am 23. Juli als Aufmacher berichtet, in zwei Kitas sei Schweinefleisch verboten worden, das Blatt schrieb von einem "Kniefall vor den Falschen".

Die CDU in Sachsen, die CSU und die AfD griffen das Thema auf und verbreiteten in sozialen Netzwerken Beiträge dazu, die für teilweise heftige Reaktionen sorgten.

Die AfD sprach sogar von einem "tagtäglichen 'Dschihad im Kleinen'", durch den Migranten den öffentlichen Raum besetzten. Der ehemalige AfD-Politiker André Poggenburg rief zu einer Kundgebung vor einer der Kindertagesstätten in Leipzig auf.

Kein Verbot

Tatsächlich gibt es in den erwähnten Kitas kein Verbot von Schweinefleisch, sondern die Leitung hatte es nach Rücksprache mit den Eltern vom Speiseplan des Essenslieferanten genommen. Die Kinder könnten aber selbstverständlich weiter Würstchen und andere Speisen mit Schweinefleisch mitbringen und in der Kita essen, betonte die Leitung.

Kurz darauf hieß es dann, angesichts der massiven Reaktionen und Drohungen setze man die Entscheidung vorerst aus. Rechte Blogs schrieben daraufhin, die Proteste seien erfolgreich.

Polizist vor einer der von Drohungen betroffenen Kitas. | Bildquelle: dpa
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Polizist vor einer der von Drohungen betroffenen Kitas.

Anschlags- und Morddrohungen

Wie Drohungen gegen die Kita-Betreiber konkret aussehen, macht nun Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung deutlich. Auf Facebook veröffentlichte er einige Beispiele:

"An den Galgen mit dir oder standrechtlich erschießen"; "Frau …, sie führen sofort wieder Schweinefleisch ein, bis 30.7. ansonsten wird die Kita abbrennen, wenn auch zum Nachteil der Kinder. Nein, das ist kein Scherz. Und wenn sie auch die Polizei einschalten, sie wird brennen. Und sie werde ich zusammenschlagen, bis dass sie im Krankenhaus liegen und berufsunfähig sind!!! Also los oder Feuer!"; "Ich werde sie nicht nur krankenhausreif schlagen, ich werde sie töten, mit einem Messerstich ins Herz."

Dies sei lediglich "eine kleine Auswahl der Drohungen, die schriftlich oder ganz unverhohlen persönlich überbracht bei den Kitas eingingen", betont der Oberbürgermeister - und warnt, die "Gaulands, Weidels und Höckes" würden "verbal weiter auf Schwächere eindreschen". Diese Saat gehe auf, schreibt Jung weiter: "2019 werden Kindergärten bedroht, weil sie den Speiseplan so verändern, wie es nicht ein kleingeistiges Weltbild passt."

Beschwerden beim Presserat

Zur Berichterstattung der "Bild" über das angebliche Verbot gingen vier Beschwerden beim Deutschen Presserat ein. Beklagt würden Sorgfaltsmängel in der Berichterstattung sowie eine unangemessene, tendenziöse und hetzerische Darstellung, teilte das Selbstkontrollorgan der Presse auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 31. Juli 2019 um 15:18 Uhr.

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