Ein Abstrichstäbchen für einen Corona-Schnelltest  | Bildquelle: dpa

Corona-Tests in Eigenregie Diskussion über Selbsttests bei Lehrern

Stand: 03.12.2020 16:47 Uhr

Um Corona-Infektionen an Schulen und Kitas schneller zu erkennen, sind dort künftig auch Schnelltests in Eigenregie möglich - ohne Gesundheitspersonal. Doch viele Fragen sind noch offen, und es gibt Widerstand.

Lehrer und Erzieher sollen sich nach einer entsprechenden Schulung jetzt auch selbst auf das Coronavirus testen dürfen. "Kitas und Schulen beziehungsweise ihre Träger können von Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Möglich wird das nach Angaben seines Ministeriums durch die kürzlich beschlossenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes und durch eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung, die an diesem Freitag in Kraft tritt. Bildungsgewerkschaften und der Deutsche Lehrerverband begrüßen die Möglichkeit zwar grundsätzlich, zeigen sich aber skeptisch, denn noch weiß niemand, wie das eigentlich praktisch umgesetzt werden soll und ob es überhaupt genügend Tests dafür gibt.

Jens Spahn | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/Shutterstoc
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Gesundheitsminister Spahn befürwortet eigenständige Schnelltests an Kitas und Schulen.

Wichtige Fragen sind noch unbeantwortet

Aufgrund der neuen Regelungen können die sogenannten Antigenschnelltests nun auch an Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kitas abgegeben werden. Außerdem wurde der Arztvorbehalt für Corona-Schnelltests gestrichen. Grundsätzlich könne so jeder diese Tests anwenden, so das Gesundheitsministerium, allerdings müssten sie durch entsprechend geschultes Personal erfolgen.

Hier stellen sich nun wichtige Fragen: Wer soll Lehrer oder Kita-Personal dafür eigentlich schulen? Wann könnte es damit losgehen? Und wie kommen die Schulen und Kitas überhaupt an die Tests, wer soll diese wo bestellen? Bisher sind diese Fragen unbeantwortet. Die konkrete Umsetzung liege in der Zuständigkeit der Bundesländer, erklärte das Bundesgesundheitsministerium.

Gewerkschaft mit gemischten Gefühlen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich grundsätzlich aufgeschlossen für die Testpläne. Man unterstütze das Vorhaben des Ministers. "Allerdings mit zwei Einschränkungen: nur für Selbsttests, kein Einsatz von Lehrkräften bei Schnelltestungen von Schülern und zweitens bei Beachtung des Freiwilligkeitsprinzips."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betrachtet das Ganze mit gemischten Gefühlen. Spahns Vorschläge könnten helfen, die Corona-Testung zu vereinfachen, sagten die für Schule und Kita zuständigen GEW-Vorstandsmitglieder Ilka Hoffmann und Björn Köhler. "Der freie Zugang zu den Tests ist aber kein Ersatz für die Hygiene- und Gesundheitsschutzregeln, die das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt", fügten sie hinzu. Tests schützten nicht vor Infektionen.

RKI-Empfehlung wird an Schulen nicht befolgt

Die Gewerkschaft fordert seit langem, dass an den Schulen die RKI-Empfehlungen befolgt werden, wonach bei einer sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz von 50 - also bei 50 und mehr nachgewiesenen Neuansteckungen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche in einer Region - auf geteilte Klassen und Wechselunterricht umgestellt wird. Die Bundesländer sehen das nach einem gemeinsamen Beschluss von Ende November erst ab einer Inzidenz von 200 als Möglichkeit vor.

RKI-Präsident Lothar Wieler schlug nun vor, Hygienebeauftragte an den Schulen zu benennen, die sich dann um solche Selbsttests kümmern könnten. "Es wäre am besten, wenn ein bestimmter Lehrer zum Hygienebeauftragten ernannt würde, dieser natürlich auch entsprechend weitergebildet wird von den lokalen Behörden, um dann diese Tests sinnvoll einzusetzen." Dazu bedürfe es einer gewissen Kenntnis, aber das sei wirklich machbar, fügte Wieler hinzu.

Eine Frau tropft am Flughafen München eine Probe auf einen Antigen-Schnelltest zum Covid-19-Antikörper-Nachweis. | Bildquelle: dpa
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Die Corona-Schnelltests sehen ähnlich aus wie Schwangerschaftstests.

Schnelltests haben mehrere Nachteile

Fakt ist: Auch Corona-Schnelltests sind nicht einfach zu handhaben. Genau wie bei den herkömmlichen PCR-Tests muss für einen aussagefähigen Abstrich ein Wattestäbchen tief in die Nase eingeführt werden. Anschließend wird die Probe in ein Röhrchen mit einer Lösung gesteckt. Die Flüssigkeit wird dann auf ein Testkit getropft, das ähnlich aussieht wie ein Schwangerschaftstest. Ein Ergebnis liegt je nach Hersteller in 15 bis 30 Minuten vor.

Die Schnelltests sind auch nicht so genau wie PCR-Tests, sondern sind nach RKI-Angaben vor allem dann zuverlässig, wenn Menschen in einer sogenannten infektiösen Phase sind, also viele Viren ausscheiden und damit ansteckend sind. Für die Phase davor und danach, in denen zwar eine Corona-Infektion besteht, aber kaum Viren ausgeschieden werden, eignen sie sich demnach weniger. Ein positiver Schnelltest muss zudem immer noch durch einen PCR-Test bestätigt werden.

VBE erwartet "massiven Widerstand"

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der nach eigenen Angaben als Gewerkschaft mehr als 160.000 Pädagogen vertritt, kritisierte, dass durch die Politik Erwartungen geweckt würden, die von den Schulen nicht eingelöst werden könnten, weil die notwendigen Ressourcen nicht vorhanden seien. Auch Tests bei Schülerinnen und Schülern zu machen, dürfe keine Aufgabe von Lehrkräften werden. "Das wird auf unseren massiven Widerstand stoßen."

Corona-Schnelltests für Lehrer und Erzieher an Schulen
Angela Tesch, ARD Berlin
03.12.2020 11:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.

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