Eine Mitarbeiterin untersucht in einem Labor Lebensmittel | picture alliance / dpa

Lebensmittelkontrollen Eine unappetitliche Bilanz

Stand: 24.11.2020 15:10 Uhr

Desinfektionsmittel in Sahne und Fisch, Bakterien im Hackfleisch, Holz in Gewürzen: 2019 haben Lebensmittelkontrolleure wieder etliche Missstände in der Branche festgestellt.

Bei Lebensmittelkontrollen wurden im vergangenen Jahr verschiedene Missstände festgestellt. Das teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Die Mängel in der Lebensmittelbranche umfassten Verunreinigungen von Lebensmitteln durch mangelnde Hygiene im Umgang, aber auch Lebensmittelbetrug.

Rückstände von Desinfektionsmitteln

Laut BVL vergaßen Mitarbeiter in 41 Prozent der kontrollierten Eisdielen und Cafés, Geräte zum Aufschlagen der Sahne nach der Desinfektion mit Wasser nachzuspülen. "Die Gefahr besteht, dass sich in der Maschine noch Reste von Desinfektionsmittel befinden, die beim nächsten Betrieb in die Sahne übergehen können", sagte Michael Kühne von der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz.

Rückstände von Desinfektionsmittel findet sich auch im Pangasius-Filet: Bei der Verarbeitung des Fisches werden oftmals nicht nur desinfizierte Geräte, sondern auch mit Desinfektionsmittel versetztes Wasser genutzt. Der Fisch müsse eigentlich am Ende mit heißem Wasser nachgespült werden, um zu verhindern, dass Rückstände bleiben, sagte Georg Schreiber, Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im BVL. Er forderte Importeure auf, die Eigenkontrollen hochzufahren und nur noch sichere Lebensmittel auf den Markt zu bringen.

Desinfektionsmittel enthalten unter anderem Chlorat und Benzalkoniumchlorid (BAC). Chlorat hemmt die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse. Dies kann laut BVL besonders bei empfindlichen Personen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen unerwünschte gesundheitliche Effekte verursachen. BAC kann zu Reizungen im Magen-Darm-Trakt führen.

Rohes Hackfleisch stärker belastet

Auch vor rohem Hackfleisch warnen die Experten. In rund sieben Prozent der untersuchten 420 Proben fanden sie E.-coli-Bakterien. Bei der letzten vergleichbaren Untersuchung zehn Jahre zuvor seien nur 0,8 Prozent der Proben positiv getestet worden.

Die Keime können akute Darmentzündungen hervorrufen. "Kleinkinder, ältere und immungeschwächte Menschen sowie Schwangere sollten am besten ganz auf den Verzehr von rohem Hackfleisch verzichten", sagte Friedel Cramer, der Präsident des BVL.

Nicht drin, was draufsteht

Zwar nicht gefährlich, aber auch nicht appetitlich ist der von Lebensmittelkontrolleuren überprüfte Oregano: In 13 Prozent der Proben fanden sich Reste von Olivenblättern. Insgesamt wurden in jedem fünften Gewürz pflanzliche Fremdbestandteile nachgewiesen, darunter auch Holzteile. Ein möglicher Grund für die Verfälschung seien gestiegene Großhandelspreise für Gewürze, hieß es vom BVL. Um Oregano dennoch preiswert anbieten zu können, werde es mit Fremdbestandteilen gestreckt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. September 2020 um 06:37 Uhr.

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KOMMENTARE

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friedrich peter peeters 24.11.2020 • 21:34 Uhr

Der hilflose Verbraucher.

Die fehlende Lebensmittelkontrollen sind ein europäisches Problem, wo Brüssel total versagt hat, wo Brüssel diktiert wird von der Lebensmittelindustrie und Handel. Die Landwirtschaft fungiert dabei weitestgehend als ahnungsloser Gehilfen, feststellbar in der Benutzung von schadhafte Mitteln zwecks Gewinnoptimierung (u.a. Hormonen, Anti Biotica ) Zum andern ist es die Lebensmittelindustrie die in den letzten 20-30 Jahre eine gewaltige technologische Entwicklung hat vollzogen bei der Entwicklung und Einsatz von Zusatzstoffen deren Wirkung oder potenzierte Wirkung durch mehrerenStoffen in einem Produkt es zum kaum kontrollierbare und nachvollziehbare Auswirkungen kommen kann. Der Verbraucher ist beim Einkauf bei der Kontrolle der Zusatzstoffen hilflos. Genauso die Ämter. Zu allem Überfluss erfüllt der Handel nicht seine vorgeschriebene Aufgabe. Ihm interessiert nur der Preis. Dabei ist es seine Aufgabe die Qualität zu kontrollieren , auch Zusatzstoffe und den Verbraucher zu informiere