Krankenhausessen | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Bundesbehörde warnt Riskantes Essen in Heimen und Kliniken

Stand: 06.12.2018 16:11 Uhr

Wer krank oder alt ist, hat oft ein geschwächtes Immunsystem. Doch in Kliniken und Heimen wird laut Lebensmittelkontrolleuren zu häufig Essen serviert, in dem Keime oder Bakterien stecken könnten.

Viele Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime setzen laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ihre Patienten und Heimbewohner beim Essen unnötigen gesundheitlichen Risiken aus. Auf den Speiseplänen der Einrichtungen stünden oft risikobehaftete Lebensmittel wie Feinkostsalate, Rohwürste oder Räucherfisch, kritisierte der Präsident des Bundesamtes, Helmut Tschiersky, in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse zur Lebensmittelüberwachung 2017.

Bakterien und Krankheitsausbrüche 2017

Lebensmittelkontrolleure der Länder haben 2017 in jeder achten Probe streichfähiger Rohwurst (12,2 Prozent) Listerien-Bakterien gefunden, die schwere Erkrankungen auslösen können. In den Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heißt es weiter, dass 389 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche an das Robert-Koch-Institut und das Bundesamt gemeldet wurden, darunter 49 Ausbrüche, deren Ursache sicher bestimmt werden konnte. Neun dieser Ausbrüche (18,4 Prozent) betrafen demnach Schulen, Kantinen und Pflegeheime.

Listerien, E.coli und Salmonellen lauern in bestimmten Speisen

Patienten und Bewohner bekamen zum Beispiel häufig Harzer und Limburger Käse sowie ungekochten Fisch serviert. Rotschmierkäse, Räucherfisch können wie Rohwürste, Feinkostsalate und Tiefkühlbeeren nach BVL-Angaben jedoch leichter mit Keimen wie zum Beispiel Listerien, E.coli oder Salmonellen belastet sein. Sie können damit kranken oder alten Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem schaden - häufig durch Brechdurchfall.

Bei gesunden Menschen seien solche Lebensmittel in der Regel nicht problematisch, sagte Tschiersky. Bei Vorerkrankungen könnten Lebensmittel-Infektionen aber dramatische Verläufe nehmen - bis hin zu Todesfällen.

Nur in jeder zehnten Einrichtung kein Risikoessen

Nur zehn Prozent der im vergangenen Jahr untersuchten Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhaus- und Kureinrichtungen verzichteten bei der Essensversorgung ihrer Patienten und Heimbewohner komplett auf solche Risikolebensmittel. Über die Gründe könne man nur spekulieren. Nur knapp die Hälfte der 1880 kontrollierten Einrichtungen (45 Prozent) kannten Handlungsempfehlungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung zu dem Thema. Diese waren bereits im Jahr 2011 veröffentlicht worden. "Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken", sagte Tschiersky. Hier müsse das Bewusstsein für risikobehaftete Lebensmittel deutlich zunehmen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Dezember 2018 um 16:15 Uhr.

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