Karl Lauterbach | dpa

Bericht der Funke Mediengruppe Lauterbach legt Gesetzentwurf zu Triage vor

Stand: 14.06.2022 15:13 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach hat einem Medienbericht zufolge einen Gesetzentwurf für die Triage vorgelegt. Demnach soll nur die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten darüber entscheiden, wer zuerst medizinisch versorgt wird.

Alter, Gebrechlichkeit, ethnische Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder eine Behinderung sollen im Fall einer Triage nicht zu einer Schlechterstellung beim Zugang zu einer Intensivbehandlung führen dürfen. Dies seien "keine geeigneten Kriterien" zur Beurteilung der Überlebenswahrscheinlichkeit, heißt es einem Entwurf zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), über den die Funke Mediengruppe berichtet.

Falls es in einer akuten Pandemie-Lage mehr Corona-Intensivpatienten als Behandlungsplätze geben sollte, dürfe die Entscheidung darüber, welcher Erkrankte behandelt wird, "nur aufgrund der aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit der betroffenen Patientinnen und Patienten getroffen werden", heißt in dem Entwurf.

Triage

Als Triage wird in der Medizin eine Methode bezeichnet, nach der in Notlagen oder Pandemien ausgewählt wird, wer zuerst versorgt wird. Dabei kann zum Beispiel die Überlebenschance eine Rolle spielen. Das Wort Triage stammt vom französischen Verb "trier", das "sortieren" oder "aussuchen" bedeutet.

Der Begriff wurde ursprünglich von der Militärmedizin geprägt, wird inzwischen aber auch in der Notfallmedizin oder dem Zivilschutz verwendet. Im militärischen Kontext ging es auch darum, die Soldaten zuerst zu behandeln, die man schnell wieder kampffähig machen konnte.

Zwei Intensivmediziner sollen pro Fall entscheiden

Sollte doch eine Triage-Entscheidung notwendig werden, sei sie "von zwei mehrjährig intensivmedizinisch erfahrenen praktizierenden Fachärztinnen oder Fachärzten mit der Zusatzweiterbildung Intensivmedizin einvernehmlich zu treffen". Beide müssen laut dem Gesetzentwurf die Patienten unabhängig voneinander begutachten.

Seien Menschen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen von der Zuteilungsentscheidung betroffen, müsse "die Einschätzung einer weiteren hinzugezogenen Person mit entsprechender Fachexpertise für die Behinderung oder die Vorerkrankung" hinzugezogen werden.

Dem Entwurf zufolge dürfe zudem eine bereits laufende intensivmedizinische Versorgung von Corona-Patienten nicht abgebrochen werden, selbst wenn die Überlebenschancen eines anderen Covid-Erkrankten als besser eingestuft werden. Die Kliniken seien außerdem dazu aufgerufen, wie bislang alle anderen Möglichkeiten zu prüfen, um Platz auf den Intensivstationen zu schaffen, etwa durch Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser oder "durch die Verschiebung planbarer, nicht zeitkritischer Operationen".

Lauterbach: Folgen Bundesverfassungsgericht

Lauterbach sagte den Funke-Zeitungen zufolge, mit dem Entwurf folge die Bundesregierung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Er habe zugleich betont, dass in Deutschland bislang in allen Corona-Wellen verhindert worden sei, "dass die Triage Praxis-Alltag wurde. Das soll auch im dritten Corona-Herbst so bleiben".

Über dieses Thema berichtete MDR FERNSEHEN am 14. Februar 2022 um 08:00 Uhr in der Sendung "Selbstbestimmt".