Karl Lauterbach | REUTERS

Lauterbach und Impfkampagne Viele Forderungen an den Neuen

Stand: 07.12.2021 07:46 Uhr

Zwar wird Karl Lauterbach erst morgen als Gesundheitsminister vereidigt - aber Verbände und Experten sagen jetzt schon klar, was sie von ihm erwarten: eine viel besser organisierte Impfkampagne.

Der Sozialverband VdK hat vom designierten Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine bessere Organisation der Auffrischungsimpfungen in Deutschland gefordert. "Wir brauchen endlich ein bundeseinheitliches Verfahren", sagte die VdK-Präsidentin Verena Bentele den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. In einigen Bundesländern warten ältere Menschen und Risikopatienten vergeblich auf Termine und kämen telefonisch bei Ärzten oder Zentren nicht durch.

Vielerorts hake es bei der Impfstofflieferung, kritisierte sie weiter. "Es ist erschreckend, dass es nach fast zwei Jahren Pandemie noch immer keine zentrale Information, Koordination und Steuerung gibt. Das muss nun schleunigst geändert werden."

Mit Stand gestern waren in Deutschland 69 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, ein Wert nur knapp über dem EU-Durchschnitt. Nach Angaben des RKI sind zudem 16,7 Prozent der Bevölkerung geboostert, was im EU-Vergleich ein überdurchschnittlicher Wert ist.

"Ansonsten läuft uns die Pandemie davon"

Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes äußerte den Wunsch, dass Lauterbach "jetzt sehr schnell alle nötigen Maßnahmen für eine Ausweitung der Impfungen voranbringt". "Das ist im Moment das Wichtigste", sagte die Vorsitzende Ute Teichert den Funke-Zeitungen. "Ansonsten läuft uns die Pandemie davon."

Man könne gern über eine Impfpflicht reden. "Aber davor muss sichergestellt sein, dass wir dieses Vorhaben logistisch überhaupt stemmen können." Perspektivisch forderte Teichert eine Weiterentwicklung des öffentlichen Gesundheitsdienstes für die Zeit nach der Pandemie. "Corona hat gezeigt, dass es hier viel zu tun gibt", sagte sie. Man brauche "eine dauerhafte Aufstockung beim Personal", zudem müsse die Digitalisierung vorangehen.

Tierärzte haben Fragen

Die Tierärzte forderten angesichts ihrer geplanten Einbindung in die Corona-Impfkampagne eine rechtliche Absicherung. "Wenn wir künftig auch impfen sollen, tun wir das im Rahmen der Möglichkeiten gerne als Beitrag für die Corona-Bekämpfung", sagte der Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte, Siegfried Moder, der "Rheinischen Post". "Mich verwundert aber, dass bislang niemand auf uns zugekommen ist." Am schnellsten könnten Tierärzte Moder zufolge in Impfzentren oder mobilen Impfteams mithelfen.

Um die Impfkampagne zu beschleunigen, sollen auch Zahnärzte und Zahnärztinnen sowie Apotheker und Apothekerinnen künftig Corona-Impfungen verabreichen dürfen. Die Ampel-Parteien wollen eine entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes noch diese Woche verabschieden lassen. Der Bundesrat kommt deshalb am Freitag zu einer Sondersitzung zusammen.

"Unabhängigkeit wahren"

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, rief Lauterbach zu einem kritischen Umgang mit Lobby-Gruppen etwa aus der Gesundheits- und Pflegebranche auf. Zwar gehöre die Zusammenarbeit mit Lobbyverbänden zu den zukünftigen Aufgaben des Ministers, "aber die größte Herausforderung für Karl Lauterbach wird es sein, sich Unabhängigkeit zu bewahren", sagte er ebenfalls den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

In der Altenpflege und Patientenversorgung seien Autonomie, Zukunftsfähigkeit, Generationengerechtigkeit und Qualität gefordert. Dies müssten die Maßstäbe der künftigen Gesundheitspolitik sein, betonte Brysch.

Über dieses Thema berichtete am 07. Dezember 2021 das Erste um 05:37 Uhr im ARD-Morgenmagazin, die tagesschau um 07:00 Uhr und BR24 um 08:33 Uhr.