Karl Lauterbach | dpa

Corona in Deutschland Omikron-Impfstoff im Herbst erwartet

Stand: 09.06.2022 11:35 Uhr

Für den weiteren Verlauf der Pandemie braucht es genügend Impfstoff und ein Impf- und Testkonzept, sagt Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Das Pharmaunternehmen Moderna stellt erste Daten für einen angepassten Impfstoff vor.

Frühestens im September erwartet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Corona-Impfstoffe, die an die Omikron-Varianten angepasst sind. Das sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk.

Er sei zuversichtlich, dass es sehr gute angepasste Impfstoffe geben werde, so Lauterbach. Moderna habe bereits vielversprechende Daten vorgelegt, aber auch mit Biontech gebe es Gespräche.

Moderna stellt erste Daten vor

Das Pharmaunternehmen Moderna hatte am Mittwoch erste Daten zur Wirksamkeit seines angepassten Boosters vorgestellt. Demnach hatten insgesamt 437 Probanden den neuen Impfstoff als zweiten Booster erhalten. Nach einem Monat waren bei ihnen deutlich mehr neutralisierende Antikörper nachweisbar als nach einer herkömmlichen Booster-Impfung.

Der neue Impfstoff ist eine Kombination aus dem bisherigen Moderna-Präparat Spikevax und einem für Omikron angepassten Impfstoff. Die Nebenwirkungen entsprechen dem Hersteller zufolge denen eines herkömmlichen Boosters.

Moderna kündigte an, die Daten in den kommenden Wochen den Zulassungsbehörden vorzulegen. Der neue Booster sei dann hoffentlich im Spätsommer verfügbar.

Infektionsschutzgesetz soll verlängert werden

In Deutschland ist im Moment die Omikron-Untervariante BA.2 dominant. Der Anteil der ansteckenderen Variante BA.5 wächst, aber bisher nur langsam. Lauterbach nannte BA.5 "keine besonders gefährliche Variante".

Mit Blick auf eine neue Coronawelle im Herbst sagte der Gesundheitsminister, das Infektionsschutzgesetz müsse auf jeden Fall geändert und verlängert werden. Die Politik müsse sich auf neue, gefährlichere Virusvarianten vorbereiten, auch wenn es bislang keine Anzeichen dafür gebe. Das aktuelle Gesetz läuft am 23. September aus.

Gutachten am 30. Juni

Die FDP will zunächst ein Gutachten des Sachverständigenausschusses abwarten, der die bisherigen Schutzmaßnahmen bewertet. Es wird am 30. Juni erwartet.

"Dem kann ich auch ohne Wenn und Aber folgen", sagte Lauterbach dazu. Alle hätten das Ziel, mit möglichst wenigen Freiheitsbeschränkungen der Lage angepasst schnell reagieren zu können. "Da sind wir in der Pflicht, und so wird es auch kommen."

Drei Szenarien für den Herbst

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hatte am Mittwoch drei Szenarien für die Entwicklung der Pandemie vorgestellt. Der "günstigste" Fall geht von einer im Vergleich zu Omikron harmloseren Variante aus. Dann wären keine stärker eingreifenden Schutzmechanismen notwendig.

Das sogenannte "Basisszenario" geht von gleichbleibender Corona-Krankheitslast und gehäuften Infektionen und Arbeitsausfällen aus. Das "ungünstigste Szenario" ist eines, in dem eine neue Virusvariante dominiert, die sowohl ansteckender als auch krankmachender ist.

Lauterbach sagte, er gehe vom mittleren Szenario aus. Man müsse jedoch auch auf schwerwiegendere Fälle vorbereitet sein. Dafür müssten Impfstoffe beschafft werden und ein Impf- und ein Testkonzept ausgearbeitet werden. Außerdem brauche es schnellere Daten aus Krankenhäusern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Juni 2022 um 11:13 Uhr.