Karl Lauterbach | dpa

Lauterbach wirbt für Corona-Impfungen "Ich appelliere an Ihre Vernunft!"

Stand: 13.01.2022 13:48 Uhr

Eindringlich hat Gesundheitsminister Lauterbach im Bundestag für Corona-Impfungen und eine allgemeine Impfpflicht geworben. Nur wenn genügend Menschen geschützt seien, lasse sich die Pandemie überwinden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat angesichts stark steigender Corona-Fallzahlen eindringlich für Impfungen geworben. Jeder, der eine Booster-Impfung bekommen wolle, könne eine erhalten, sagte der SPD-Politiker im Bundestag. Mit der Booster-Kampagne könne es gelingen, "aus der Wand der Omikron-Welle einen steilen Hügel zu machen oder zumindest die Höhe der Wand zu begrenzen". Jetzt gehe es darum, sich selbst und andere zu schützen, die Kliniken zu entlasten und damit etwa auch Krebs- und Herzpatienten eine Behandlung zu sichern.

An die bislang Ungeimpften appellierte Lauterbach, wenigstens eine Erstimpfung in Betracht zu ziehen, denn schon eine erste Impfung könne wirksam vor einem schweren Verlauf und Tod schützen. "Ich appelliere daher an Ihre Vernunft, an alle Ungeimpften, an Ihre Solidarität. Schon mit einer einzigen Impfung sinkt Ihr Risiko, tödlich zu erkranken, deutlich", sagte der Minister. "Viele von uns erbringen große Opfer, um Sie zu schützen. Bitte ergreifen Sie die Gelegenheit zumindest zur ersten Impfung!"

Impfpflicht "schnellster Weg aus der Pandemie"

Lauterbach bedauerte, dass es in Deutschland vor allem unter älteren Menschen noch immer viele Ungeimpfte gebe. "Gerade sie können in den nächsten Wochen durch die anschwellende Omikron-Welle besonders gefährdet sein", sagte er. "Ihre Gefährdung zu leugnen, ist auf der Grundlage der vorliegenden Studien fahrlässig."

Lauterbach betonte, langfristig lasse sich die Pandemie nur überwinden, wenn genügend Menschen so geimpft sind, dass sie auch einen Schutz vor neuen Virusvarianten haben. "Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur kaum Spezialisten, die davon ausgehen, dass die Omikron-Variante die letzte Variante gewesen sein wird." Durch die Anpassung der Impfstoffe sei auch in Zukunft zu erwarten, dass die Vakzine zuverlässig gegen schwere Krankheitsverläufe schützen. "Daher ist für mich der sicherste und schnellste Weg heraus aus der Pandemie die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht." Der Bundestag soll über die Einführung einer Impfpflicht entscheiden - damit wird allerdings nicht vor März gerechnet.

Deutschland sei bislang besser als andere Länder durch die Pandemie gekommen, so Lauterbach, und diesen Erfolg gelte es nun auch in der Omikron-Welle fortzusetzen. Hierfür seien auch die geltenden Kontaktbeschränkungen wichtig. "Das ist eine Maßnahme, die den Bürgerinnen und Bürgern zahlreiche Opfer abverlangt hat und weiter abverlangt", räumte Lauterbach ein. "Aber mit ihr ist es uns gelungen, sowohl die Delta- als auch die Omikron-Welle zu verlangsamen, sodass wir die hohen Fallzahlen unserer Nachbarländer noch nicht beklagen müssen." Dadurch seien zahlreiche Todesfälle verhindert worden.

Kritik von der Opposition

Mehrere Oppositionspolitiker kritisierten Lauterbach für den Corona-Kurs der Regierung. Diese mache keine Politik der ruhigen Hand, sondern eine "Politik der eingeschlafenen Füße", sagte der CDU-Abgeordnete Tino Sorge. Er warf Lauterbach "dröhnendes Schweigen" bei wichtigen Fragen vor, etwa dazu, welches primäre Ziel mit einer Impfpflicht erreicht werden solle oder wie die angestrebten weiteren 30 Millionen Impfungen bis Ende Januar geschafft werden sollen.

Die AfD erneuerte ihre grundsätzliche Kritik an den bestehenden Corona-Maßnahmen und den neuen Corona-Regeln im Bundestag. Die Gesundheitspolitik müsse endlich wieder die Gesundheit der Menschen im Fokus haben, sagte der Abgeordnete Martin Sichert. "Mit 2G-Plus setzen sie den Bundestag mit einer Kneipe gleich und sagen zugleich, dass er kein Arbeitsplatz ist, denn am Arbeitsplatz gilt 3G."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2022 um 14:00 Uhr.