Das Buch von Armin Laschet "Die Aufsteiger Republik-Zuwanderung eine Chance" steht in einem Regal. | dpa

Laschet-Buch Plagiatssucher sieht doch Anlass für Prüfung

Stand: 03.08.2021 13:45 Uhr

Der Plagiatssucher Weber sieht nun doch Anlass für eine weitere Prüfung des Buchs von CDU-Chef Laschet. Fast eine halbe Seite sei "mutmaßlich" unzitiert übernommen worden. Vorige Woche hatte Weber den Unions-Kanzlerkandidaten noch entlastet.

Der österreichische Plagiatssucher Stefan Weber sieht beim Buch von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet von 2009 "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" nun doch Anlass für eine weitere Prüfung. Weber hatte zunächst erklärt, er erkenne nach einer eigenen Prüfung "keine weiteren Plagiate".

Ein Leserfund habe seine erste Einschätzung aber "beträchtlich" geändert. Der Medienwissenschaftler Weber schrieb, Laschet habe "mutmaßlich" fast die halbe Seite 177 seines Buchs vom bekannten Münchner Politologen und früheren bayerischen Kultusminister Hans Maier unzitiert übernommen. In Laschets Buch findet sich ein Absatz, der stark einer Passage in einem Text Maiers ähnelt. "Herr Laschet hat nun doch ein Problem", urteilte Weber nun. Der CDU-Chef müsse "rasch beantworten", wie es zu dieser Stelle kam.

Maiers Aufsatz drei Jahre älter

Maiers Aufsatz wurde 2006 in der katholischen Zeitschrift "Communio" veröffentlicht, also rund drei Jahre bevor Laschets Buch erschien. Maier bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass der Text 2006 in der Zeitschrift erschienen war. In dem Absatz geht es um das Zusammenleben der Religionen in Deutschland. Maier schreibt in dem Aufsatz etwa:

So kann ein Jude verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung eines Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag wegen des Sabbatgebots keine Verkäufe tätigen dürfen.

In Laschets Buch heißt es:

Ein Jude kann verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung ihres Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag nicht arbeiten dürfen.

Maier erklärte dazu: "Auf der einen Seite möchte ich als Wissenschaftler nicht, dass abgeschrieben wird. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht gemein machen mit Plagiatsjägern."

"Prüfung dauert an"

Ein Sprecher Laschets verwies auf eine Erklärung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten vom vergangenen Freitag. Laschet hatte erklärt, in seinem Buch gebe es offenkundig Fehler, die er verantworte.

"Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt. Dafür möchte ich ausdrücklich um Entschuldigung bitten, denn sorgfältiges Arbeiten beim Verfassen von Werken und die Achtung des Urheberrechts sind für mich auch eine Frage des Respekts vor anderen Autoren."

Um zu klären, ob es weitere Fehler gibt, habe er unverzüglich die Prüfung des Buchs veranlasst. Dazu sagte der Sprecher heute: "Diese Prüfung dauert an."

Gegenüberstellung auf Twitter öffentlich gemacht

In der Nacht zum Freitag war auf Twitter eine Gegenüberstellung des Plagiatssuchers Martin Heidingsfelder veröffentlicht worden, die eine auffallende Ähnlichkeit zwischen einer Passage des Laschet-Buchs und einer anderen Publikation zeigte. Der betroffene Wissenschaftler Karsten Weitzenegger hatte sie öffentlich gemacht.

Weber hatte im Juni eine Reihe von Textähnlichkeiten zwischen dem Buch der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" und anderen Publikationen öffentlich gemacht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2021 um 13:49 Uhr.