Laschet fordert Brückenlockdown | dpa

CDU-Chef zur Corona-Pandemie Laschets "Brücken-Lockdown" wird konkreter

Stand: 06.04.2021 10:59 Uhr

Der "Brücken-Lockdown" soll laut NRW-Ministerpräsident Laschet für zwei bis drei Wochen gelten und die Inzidenz unter 100 drücken. Politik und Experten stimmen in der Sache zu - vermissen jedoch Details.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat seinen Vorschlag für einen "Brücken-Lockdown" konkretisiert. Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF nannte Laschet einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen und als Zielmarke eine bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100.

"Mein Vorschlag war einfach, nochmal mit einer Kraftanstrengung die Inzidenz runter zu bringen", sagte Laschet, "um dann die neuen Möglichkeiten zu haben, auf die die Bürgerinnen und Bürger so hoffen".

Im "letzten Stück der Pandemie"

Jetzt sei absehbar, "dass schon in ganz kurzer Zeit 20 Prozent, danach 30, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft sind", sagte der CDU-Chef. Deutschland sei im letzten Stück der Pandemie. "Für diesen Zeitpunkt, sagen uns die Experten, sollten wir noch einmal eine Anstrengung unternehmen und das öffentliche Leben reduzieren."

Sollte es gelingen, die Inzidenz so zu reduzieren, seien auch neue Lockerungen denkbar, sagte Laschet weiter. Dabei verwies er auch auf neue Möglichkeiten des Testens sowie der digitalen Nachverfolgung von Kontakten. Um allerdings mit diesen Hilfsmitteln Lockerungen zu ermöglichen, müsse zuerst die Zahl der Neuansteckungen sinken. "Dann kann man hineingehen in die neue Zeit, wo man behutsam wieder öffnen kann", sagte der Ministerpräsident.

Kritik an Zeitplan

Laschet hatte sich am Ostermontag zur Eindämmung der Corona-Pandemie für einen schnellstmöglichen "Brücken-Lockdown" ausgesprochen, bis "das Impfen in großer Breite wirkt". Es seien schnelle und klare Entscheidungen nötig, die alle Bundesländer mittragen. Deshalb solle die für den 12. April geplante Ministerpräsidenten-Konferenz vorgezogen werden und so schnell wie möglich in Präsenz tagen.

Laschets Vorstoß hatte unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte in der ARD, noch sei sehr viel unklar, was Laschet mit einem "Brücken-Lockdown" meine. Daher mache es keinen Sinn, jetzt vorzeitig zu einer Ministerpräsidentenkonferenz zusammenzukommen. Ähnlich zurückhaltend äußerten sich der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und CSU-Generalsekretär Markus Blume.

Ablehnend reagiert auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund. "Wenn sie eine Brücke bauen, müssen sie wissen, sehe ich das andere Ufer und wie weit ist es weg", sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im ZDF. "Wir wissen ja gar nicht, wie lange es dauern wird, bis die Impfungen den Erfolg haben, dass die Infektionen zurückgehen." Viel mehr müssten sich Bund und Länder darauf konzentrieren, das zu schärfen, was sie bereits vereinbart hätten, wie etwa die Notbremse bei einer Inzidenz ab 100.

Zuspruch für Lockdown

Es gab aber auch Zustimmung zur Idee eines weiteren Lockdowns. Laschets Forderung sei im Prinzip richtig, sagte etwa Ifo-Präsident Clemens Fuest in den tagesthemen. Aber es sei "schon ironisch, dass die Ministerpräsidenten vor den Osterferien zusammengekommen sind und sich nicht für einen Lockdown entscheiden konnten (...). Und jetzt kommt Herr Laschet und sagt, er habe über Ostern überlegt: wir müssen in den Lockdown." Hier werde deutlich, dass die Strategie, die in Sachen Corona verfolgt werde, vollkommen unzureichend sei. "Das Ganze wirkt wirklich planlos."

Bund und Länder hatten bei ihrem vorletzten virtuellen Treffen Anfang März Lockerungen beschlossen - trotz relativ hoher Infektionszahlen. Vor Ostern fand dann das bislang letzte Bund-Länder-Treffen statt, das im Desaster der "Osterruhe" endete, die nach wenigen Stunden wieder zurückgenommen werden musste, weil sie nicht durchdacht war.

Ärzte für "knackigen und harten" Lockdown

Auch Ärzte-Vertreter unterstützen einen Lockdown - hätten sich diese Entscheidung jedoch schon eher gewünscht. Diese Chance hätte schon in den Osterferien genutzt werden sollen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dirk Spelmeyer, im WDR. Er würde sich einen Lockdown "knackig und hart" wünschen.

Auch Intensivmediziner sprechen sich seit längerem für einen Lockdown aus. Sonst drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems. Auch die Zahl der Intensivbetten könnte ohne Gegenmaßnahmen nicht mehr ausreichen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. April 2021 um 23:10 Uhr.

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KOMMENTARE

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saschamaus75 06.04.2021 • 11:40 Uhr

@10:26 von Esel_85

>> nach dem Scheitern der "Mit-dem-Virus- >> Leben-Strategie" Was bitteschön soll die "Mit-dem-Virus-Leben-Strategie" sein UND wie soll etwas scheitern können, das bisher nicht existiert? oO