NRW-Ministerpräsident Armin Laschet | Bildquelle: AFP

Laschet und die Corona-Krise Auf Schlingerkurs

Stand: 01.05.2020 11:45 Uhr

Mal fahrig, mal forsch, mal patzig - Armin Laschet wirkt in der Corona-Krise oft wie ein Getriebener. Die Rolle des Machers hat ein anderer übernommen. Was heißt das für Laschets Kanzler-Pläne?

Eine Analyse von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Als Angela Merkel und Markus Söder die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen verkünden, ist er nicht dabei - steht aber irgendwie doch im Raum. Als sich Kanzlerin Merkel über die Kritik an den Virologen beklagt, ist Laschet sicher nicht der Einzige, der gemeint ist. Aber wenn Söder Urlaub in "Nord oder Süd" empfiehlt und genüsslich feststellt, "der Westen ist dann nicht dabei" - dann gilt der Seitenhieb ziemlich sicher dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten.

Wenig später gibt Laschet seine eigene Pressekonferenz in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Etwas langatmig referiert er, was genau beschlossen wurde. Und muss zum Schluss auf die Frage einer Journalistin einräumen, dass ein Schreiben der Landesregierung zur Schulöffnung für Grundschulen ab dem 11. Mai wohl etwas missverständlich formuliert war. Denn dazu wollen die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin erst am 6. Mai Entscheidungen treffen.

Virologen-Schelte vor laufender Kamera

Es ist nicht das erste Mal, dass Laschet beim Thema Schule unsouverän wirkt. In der Sendung "Anne Will" vor einer Woche reagierte er patzig, als fehlende Hygienekonzepte angesprochen wurden, schob er die Verantwortung auf die Kommunen. Und er beklagte sich, dass Virologen ihre Meinungen änderten. Auch sonst wirkte er in der Sendung fahrig und gereizt, manche sagen sogar: überfordert.

Kann Laschet Krise? Kann er wirklich Kanzler? Die Zweifel in der CDU wachsen derzeit. Zum einen ob solcher Auftritte, zum anderen wegen Laschets Kurs in der Corona-Pandemie.

Bayerns Ministerpräsident Söder preschte von Anfang an mit strengem Durchgreifen vor, inszenierte sich als Macher. Laschet wirkte dagegen zögerlich beim Shutdown, forderte dafür früh wieder Lockerungen.

Vorkämpfer gegen zu harte Corona-Beschränkungen

Laschet hatte früh in der Corona-Krise durchgesetzt, dass man in den meisten Bundesländern nicht Ausgangssperren, sondern Kontaktbeschränkungen verhängte - er sorgte sich um Familien in engen Wohnungen. Er verhinderte, dass die Grenzen zu Belgien und Holland geschlossen wurden und setzte sich früh für die Belange der Wirtschaft ein. Ein politisches Risiko. Wenn die Corona-Fälle in Nordrhein-Westfalen wieder stark steigen, wird man es ihm anlasten. Wenn alles gut geht, die Rezession in NRW glimpflicher verläuft als anderswo, könnte es Laschet hingegen nutzen.

Laschet und Söder | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon
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Kollegen oder Konkurrenten: Laschet und Söder

In NRW vor Söder und Merz

Die Menschen in Nordrhein-Westfalen jedenfalls sind mit ihrem Ministerpräsidenten bislang zufrieden - im jüngsten NRW-Trend des WDR sind 70 Prozent der Befragten mit der Landesregierung und 65 Prozent mit Laschet persönlich zufrieden. Und wenigstens in Nordrhein-Westfalen führt Laschet auch in der Kanzlerkandidaten-Frage - mit 45 Prozent liegt er knapp vor Söder mit 43 Prozent.

Bei den CDU-Anhängern gibt es noch etwas mehr Heimvorteil: Laschet liegt bei 60 Prozent, Söder bei 50 Prozent, Friedrich Merz dagegen bei 43 Prozent und Jens Spahn bei 30 Prozent.

Doch das ist nur eine Momentaufnahme - sollte sich die Rezession in Deutschland im Herbst verschärfen, könnten die CDU-Delegierten auf dem Parteitag im Dezember durchaus wieder nach der Wirtschaftskompetenz eines Friedrich Merz rufen.

Für die Kanzlerkandidatur liegen Laschets Zustimmungswerte außerhalb Nordrhein-Westfalens deutlich hinter denen von Söder. Der Bayer ist in einer komfortablen Situation - er betont gerne, sein Platz sei in Bayern. Laschet hat diese Option nicht. Er kann den CDU-Vorsitz nicht erringen, ohne die Kanzlerkandidatur zumindest zu wollen.

Dazu kommt: Das Handeln im Team, das Laschet schätzt, nutzt ihm in der Corona-Krise wenig bei der Profilierung. Gesundheitsminister Spahn, der im "Team Laschet" im Rennen um den Parteivorsitz antritt, ist als Gesundheitsminister ausgelastet. Und bei der Bekämpfung des Coronavirus steht nun einmal der Ministerpräsident im Fokus. Da hilft Laschets Strategie, seine Landesregierung breit aufzustellen und etwa hartes Durchgreifen bei der inneren Sicherheit an seinen Innenminister Herbert Reul zu delegieren, nur bedingt.

Wie Nordrhein-Westfalen aus der Corona-Krise herauskommt - das wird man frühestens im Herbst sehen. Ob Laschet dann als weitsichtiger oder doch leichtsinniger Lockerer gilt, wird seine politische Zukunft entscheiden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2020 um 19:05 Uhr.

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