Ein Bauer bewässert seine Felder | dpa

Empfehlung an die Bundesregierung Gremium für neuen Kurs der Landwirtschaft

Stand: 06.07.2021 05:51 Uhr

Die Zukunftskommission Landwirtschaft legt ihren Abschlussbericht vor. Das Gremium empfiehlt einen massiven Umbau des Agrar- und Ernährungssektors - und fordert Milliardeninvestitionen.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Es sind Empfehlungen, die die Zukunftskommission Landwirtschaft auf rund 170 Seiten niedergeschrieben hat. Wie können Landwirtschaft und Ernährung nachhaltiger werden? Das war die Frage, auf die das breit aufgestellte Team aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, Verbraucherschutz, Handel und Wissenschaft Antworten formuliert hat.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Unter der Leitung des Germanisten Peter Strohschneider - fachfremd, aber vielleicht auch deshalb nach Einschätzung von Kommissionsmitgliedern ein guter Vermittler.

Strohschneider war eine sachliche Herangehensweise wichtig: "Es ist kein Weg, der Interessensgegensätze, objektive Auffassungsunterschiede zukleistert mit irgendwelchen Kompromissformeln, sondern ein Weg, der sich in der Sache konzentriert." Und der drei Ziele vereine: betriebswirtschaftlich machbar, ökologisch verantwortlich und sozial akzeptabel.

Vermeiden von "Kampfbegriffen"

Strohschneider betonte vorab, die Kommission habe "Kampfbegriffe" vermieden. Das lobt auch Kai Niebert, der Präsident des Deutschen Naturschutzrings im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Also keine Reizwörter wie "Ordnungsrecht" im Text oder "Abstockung", also Abbau von Tierbeständen. Stattdessen habe man das Ziel formuliert: weniger tierische Produkte essen und trinken.

"Zum Beispiel über Mehrwertsteuerspreizungen, zum Beispiel dass wir pflanzliche Produkte günstiger machen. Und wenn dann damit einhergehend auch die Tierbestände sinken, haben wir das Ziel erreicht, eine klimafreundlichere Landwirtschaft in Deutschland zu haben", so Niebert.

Die Zukunftskommission geht davon aus, dass durch ihre Vorschläge die Produktivität der Landwirtschaft sinkt und die Kosten steigen. Das bringt die Frage auf, wie das ausgeglichen werden soll.

Verbraucherpreise würden steigen

Im Bericht ist von staatlicher Förderung die Rede aber auch davon, dass der Bedarf die zur Verfügung stehenden Mittel übersteige. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sprich: Auch die Verbraucher müssen ihren Teil beitragen, indem sie mehr Geld für Lebensmittel bezahlen. In diesem Zusammenhang fällt auch das Wort "Wertschätzung".

Der Bericht, den Strohschneider Bundeskanzlerin Angela Merkel am späten Vormittag übergibt, ist nicht rechtsverbindlich. Dazu kommt, dass es nach der Bundestagswahl im Herbst eine neu zusammengesetzte Regierung geben wird.

Einstimmiges Ergebnis formuliert

Aber auch sie wird sich, so hofft Niebert, dem Papier nicht wirklich verschließen können: "Das ist aus meiner Sicht auch ein ganz wichtiger, ich will fast sagen historischer Punkt gewesen, dass wir ein einstimmiges Ergebnis von der Agrarchemie über die Landwirtschaft bis hin zu den Jugend- und Umweltverbänden gefunden haben."

Der Präsident des Deutschen Naturschutzrings kündigt an, dass sich Kommissionsmitglieder aktiv in den Koalitionsbildungsprozess einbringen werden, parlamentarische Frühstücke und Abende planen - um zu erreichen, dass die Grundzüge der Vereinbarung für eine nachhaltigere Landwirtschaft in den nächsten Koalitionsvertrag aufgenommen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 06. Juli 2021 um 08:00 Uhr.