Blick auf die Frauenkirche in Dresden | Bildquelle: picture alliance / Design Pics

Brandenburg und Sachsen Viele fühlen sich als Bürger zweiter Klasse

Stand: 01.09.2019 07:37 Uhr

Wirtschaftlich geht es den Menschen in Brandenburg und Sachsen nach eigener Einschätzung gut. Trotzdem fühlen sich viele gegenüber dem Westen benachteiligt. Wie ist die Stimmung zur Wahl in den beiden Ländern?

Von Holger Schwesinger, tagesschau.de, zzt. Dresden

Wenn es wirtschaftlich gut läuft, müsste die Zufriedenheit doch eigentlich insgesamt eher hoch sein - möchte man meinen. Doch in Vorwahlumfragen, die infratest dimap im Auftrag der ARD erhoben hat, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Zwar sagen 58 Prozent der Brandenburger und sogar 75 Prozent der Sachsen, dass die wirtschaftliche Lage im Land gut oder sehr gut ist. Trotzdem fühlen sich viele benachteiligt.

Ostdeutsche seien an vielen Stellen immer noch "Bürger zweiter Klasse", sagen 59 Prozent der Menschen in Brandenburg. In Sachsen, wo die Lage sogar besser bewertet wird als im Nachbarland, sind es sogar 66 Prozent. Am stärksten ausgeprägt ist dieses Gefühl bei Anhängern von AfD und Linkspartei. Das ist wenig überraschend, denn beide erfüllen seit Jahren auch stark die Funktion einer Protestpartei. Doch auch bei SPD- und FDP-Anhängern überwiegt das Gefühl der "Zweitklassigkeit".

Jörg Schönenborn, ARD Wahlstudio: Diese Themen entscheiden die Wahl
tagesthemen 23:35 Uhr, 31.08.2019

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Gefühlslage bei CDU-Anhängern unterschiedlich

Lediglich Anhänger der Grünen teilen dieses Gefühl überwiegend nicht. Hier fühlt sich nur rund ein Drittel "zweitklassig". Grünen-Wähler sind aber - im Osten genauso wie im Westen - auch eher in den boomenden Groß- und Universitätsstädten zu finden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Anhänger der CDU, denn bei ihnen unterscheidet sich die Gefühlslage in den beiden Bundesländern deutlich: In Brandenburg - wo die CDU seit mehreren Jahren in der Opposition ist - fühlen CDU-Wähler sich ebenso wie die Grünen-Anhänger eher nicht als Bürger zweiter Klasse. Anders in Sachsen, wo die CDU seit Bestehen des Bundeslandes den Regierungschef stellt: Hier empfinden sich mit 56 Prozent auch eine Mehrheit der CDU-Anhänger als Bürger zweiter Klasse.

Praktisch alle AfD-Anhänger fühlen sich mitunter ausgegrenzt

Dass sich viele Menschen im Osten auch 30 Jahre nach der Wende noch immer benachteiligt fühlen, zeigt sich noch deutlicher an einer anderen Frage, die infratest dimap in der repräsentativen Umfrage kurz vor der Wahl gestellt hat: 70 Prozent der Brandenburger und sogar 77 Prozent der Sachsen sagten, dass Politik und Wirtschaft immer noch zu stark von Westdeutschen bestimmt werden. Ähnlich hoch die Zustimmung zur Aussage, dass Kultur und Mentalität in Ost und West unterschiedlich sind und bleiben werden. Dabei spielt in beiden Fällen auch nur eine eher geringe Rolle, welcher Partei sich die Befragten zugehörig fühlen.

Viele Menschen in den beiden Bundesländern fühlen sich mit ihren Ansichten offenbar auch nicht recht wahrgenommen: Der Aussage "bei bestimmten Themen wird man heute ausgegrenzt, wenn man seine Meinung sagt" stimmen 64 Prozent der Brandenburger und 69 Prozent der Sachsen zu. Von den AfD-Anhängern sind es fast alle. Doch selbst bei Grünen-Anhängern - die sonst oft einen klaren AfD-Gegenpol bilden - sind es immer noch rund die Hälfte. Die Themen, die beide dabei im Hinterkopf haben, sind mutmaßlich andere. Doch ein so hoher Wert bei dieser Frage ist ein klares Indiz für eine verbreitete Unzufriedenheit.

Eher maue Bewertung der bisherigen Landesregierungen

Bei der Frage, wie die Menschen ihre bisherige Landesregierung bewerten, gibt sich ein gespaltenes Bild: In Brandenburg sind 46 Prozent mit der Arbeit der Koalition aus SPD und Linkspartei zufrieden oder sehr zufrieden, 51 Prozent sind das weniger oder gar nicht. Mit 55 zu 43 Prozent schneidet die CDU-SPD-Koalition in Sachsen klar besser ab. Im bundesweiten Vergleich sind beides aber eher maue Zustimmungswerte.

Viele andere Landesregierungen, die in diesem Zustimmungsbereich lagen, wurden in der Vergangenheit abgewählt - wie etwa 2017 Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen (45 Prozent Zustimmung) oder das Bündnis aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband in Schleswig-Holstein (56 Prozent).

Kretschmer gehört zur bundesweiten Spitzengruppe

Sehr unterschiedlich fällt in den beiden Ländern, in denen heute gewählt wird, die Bewertung der jeweiligen Regierungschefs aus. Mit der Arbeit von SPD-Politiker Dietmar Woidke, der seit 2013 die Regierung in Brandenburg führt, sind nur 55 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden.

Anders die Bewertung von Michael Kretschmer, der erst seit 2017 Ministerpräsident in Sachsen ist. Mit seiner Arbeit sind 71 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Damit gehört der CDU-Politiker auch im bundesweiten Vergleich zur Spitzengruppe. Ähnlich gut bewertet wie Kretschmer wurde etwa 2016 die SPD-Politikerin Malu Dreyer, die auch heute noch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz führt. Unangefochtener Spitzenreiter mit 84 Prozent ist allerdings der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann.

Doch trotz einer klar zu vernehmenden Unzufriedenheit in Brandenburg und Sachsen: Das mitunter geäußerte Klischee, wonach sich die Menschen in weiten Teilen der beiden Bundesländer zunehmend abgehängt fühlen, bestätigt die Vorwahlumfrage definitiv nicht: Nur 19 Prozent der Brandenburger und 15 Prozent der Sachsen glauben, dass sie in einer Gegend leben, in der es immer weiter bergab geht.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. August 2019 um 23:35 Uhr.

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Holger Schwesinger Logo tagesschau.de

Holger Schwesinger, tagesschau.de

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