Ein Schmetterling der Art Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) sitzt an einem Feldrand auf einer Roggenähre. | dpa

"Bericht zur Lage der Natur" Schwere Zeiten für Schmetterlinge

Stand: 19.05.2020 12:10 Uhr

Die industrielle Landwirtschaft bedroht natürliche Lebensräume - und damit auch immer mehr Tierarten. Laut einem Regierungsbericht leidet die Natur in Agrarregionen besonders stark. Betroffen sind vor allem Insekten und Vögel.

In Agrarregionen in Deutschland haben es bedrohte Tiere besonders schwer. Das geht aus dem "Bericht zur Lage der Natur" hervor, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) heute vorstellte.

Demnach gibt es etwa große Probleme für Schmetterlinge und andere Insektenarten, die auf blütenreiche Wiesen und Weiden angewiesen sind. Starke Verluste sind auch bei Vogelarten zu verzeichnen - so ist der Bestand von Rebhühnern und Kiebitzen auf ein Zehntel des Bestandes vor 25 Jahren gesunken. "Etwa ein Drittel der Brutvogelarten sind in den letzten 12 Jahren in ihrem Bestand zurückgegangen, wobei insbesondere Arten des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes betroffen sind", heißt es in dem Bericht.

Auch insgesamt gehe es der Natur in Deutschland nicht gut genug. In anderen Lebensräumen sind dem Bericht zufolge aber auch Erfolge zu verzeichnen: Buchenwälder erholten sich, in Wäldern und Siedlungen gebe es wieder mehr Vögel, und auch die Renaturierung von Flüssen und Auen trage zur Erholung der Natur bei, erklärte Schulze.

Dünger, Pestizide, Tourismus

Insgesamt befinden sich fast 70 Prozent der Lebensräume aus Sicht des Artenschutzes in einem unzureichenden (32 Prozent) oder schlechten Zustand (37 Prozent), vor allem die landwirtschaftlich genutzten Grünland-Flächen, aber auch Seen und Moore. Bei 33 Prozent aller Tierarten stehe die Ampel auf Rot, sagte Schulze - das betrifft laut dem Bericht vor allem Schmetterlinge, Käfer und Libellen. Nur für ein Viertel besteht demnach keine Gefahr: Gut geht es etwa der Kegelrobbe an der Nordsee und dem Steinbock in den Alpen.

Als wesentliche Ursachen für die Probleme nennen die Autoren Dünger und Pestizide, intensive Nutzung der Flächen, Entwässerung, Veränderungen an Gewässern, aber teils auch Sport, Tourismus und Freizeitaktivitäten.

Alle sechs Jahre bewerten Bund und Länder, wie gut der Erhaltungszustand der Natur ist und in welche Richtung er sich entwickelt - sie müssen der EU über die Umsetzung von Naturschutz-Richtlinien Rechenschaft ablegen. Dafür werden Daten von Behörden verwendet, aber auch Informationen, die ehrenamtliche Naturschützer sammeln.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Mai 2020 um 12:00 Uhr.