Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz. | dpa

Tödliche Schüsse auf Polizisten Haftbefehle wegen Mordverdachts

Stand: 01.02.2022 18:44 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten befinden sich die beiden Verdächtigen in Untersuchungshaft. Ein Richter habe einen Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes erlassen, so die Ermittler. Sie gehen von Wilderei als Motiv aus.

Im Fall der beiden erschossenen Polizisten in der Pfalz gehen die Ermittler davon aus, dass die mutmaßlichen Täter eine vorherige Wilderei verdecken wollten. Gegen die beiden 32 und 38 Jahre alten Verdächtigen erging Haftbefehl wegen Mordes, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Sie befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Offenbar haben beide geschossen

Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Tatverdächtige Schüsse abgefeuert haben. Bei der Kontrolle hätten beide Polizisten eine große Anzahl Wildtiere in dem Fahrzeug gefunden. Die Ermittler stellten eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr sicher.

Die 24 Jahre alte Polizistin sei mit einem Schuss in den Kopf getötet worden, teilten die Ermittler weiter mit. Der 29 Jahre alte Oberkommissar sei mit vier Schüssen getroffen worden, davon einer in den Kopf. Er selbst habe 14 Mal geschossen. Die 24-Jährige Polizeianwärterin, die am Ende ihrer Ausbildung stand, sei arglos gewesen, sie habe womöglich eine Taschenlampe und die Papiere in der Hand gehalten und nicht geschossen. Das Zivilfahrzeug, mit dem sie und ihr Kollege unterwegs gewesen seien, werde üblicherweise nicht für Verkehrskontrollen eingesetzt.

Teilgeständnis: Wilderei eingeräumt

Am frühen Montagmorgen waren die Polizeianwärterin und der Oberkommissar bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Pfalz in der Nähe der Kreisstadt Kusel erschossen worden. Die Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor per Funk gemeldet, in einem Fahrzeug sei totes Wild gefunden worden. Später meldeten sie "Die schießen".

Der 32 Jahre alte Tatverdächtige hat nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Wilderei eingeräumt und die Polizeikontrolle sowie die Schüsse geschildert. Er habe aber bestritten, selbst geschossen zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. Er ist der Polizei wegen Betrugsdelikten bereits bekannt.

Der 38-jährige - offenbar befreundete - Beschuldigte sei bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht polizeilich bekannt. Er machte bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Waffenarsenal beschlagnahmt

Den Festnahmen der Verdächtigen folgten Hausdurchsuchungen, bei denen ein großes Waffenarsenal sichergestellt wurde. Wie es hieß, wurden im saarländischen Spiesen-Elversberg fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie ein Schalldämpfer und Munition gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 38-jährige Tatverdächtige Zugang zu den Waffen hatte.

Der Deutsche Jagdverband erklärte, der 38-Jährige sei nicht im Besitz eines gültigen Jagdscheins gewesen. Nach derzeitigem Kenntnisstand habe die zuständige Behörde im Saarland seinen Antrag, erneut einen Jagdschein zu lösen, wegen fehlender Zuverlässigkeit abgelehnt. Der Verband zeigte sich entsetzt über den "kaltblütigen Polizistenmord" und forderte die Behörden auf, rasch zu klären, woher die Tatwaffen stammen und wie sie in den Besitz des Tatverdächtigen gelangen konnten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2022 um 15:00 Uhr.