Blick auf den Leopoldsplatz von Baden-Baden | dpa

UNESCO-Auszeichnung Vier deutsche Stätten sind Welterbe

Stand: 24.07.2021 16:04 Uhr

Die UNESCO hat die drei deutschen Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen als neues Welterbe ausgezeichnet - ebenso wie die Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Sie würdigt damit einen herausragenden universellen Wert.

Deutschland kann sich mit vier neuen Welterbestätten schmücken. Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) zeichnete Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen zusammen mit acht anderen europäischen Kurorten als "Große Bäder Europas" als Welterbe aus. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt wurde als Welterbe gewürdigt. Das zuständige Komitee der UNESCO traf die Entscheidung auf seiner 44. Sitzung in der chinesischen Stadt Fuzhou.

Mit dem Titel werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet. Die "Großen Bäder Europas" sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Natürliche Thermalwasser sind Grundlage einer Epochen übergreifenden Tradition der europäischen Badekultur.

Elf Städte in sieben Ländern gewürdigt

Insgesamt wurden elf Städte in sieben Ländern ausgezeichnet, in denen geschlossene architektonische Ensembles bis heute von der Bäderkultur zeugen. Der Antrag wurde von Deutschland gemeinsam mit Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien erarbeitet. Zu Kurstädten, die den Welterbetitel erhielten, zählen auch Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad in Tschechien. Im Stadtbild zeichnen sich die Kurorte bis heute mit Bauten aus, die auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichtet sind.

"In diesen mondänen Stätten der Gesundheitspflege, der Muße und des geselligen Umgangs bildeten sich architektonische Prototypen und eine städtebauliche Typologie heraus, für die es keine frühere Parallele gibt", teilte die Stadt Baden-Baden mit.

Tradition der Kur in Europa

Die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, begrüßte die Entscheidung. Mit ihrer Kurtradition und ihren städtebaulichen Besonderheiten brächten die ausgezeichneten Orte "auf einzigartige Weise das Phänomen der europäischen Kurstadt zum Ausdruck". Sie freue sich sehr über den Erfolg der elf europäischen Kurstädte.

Maria Böhmer, Präsidentin der Deutsche UNESCO-Kommission (DUK), erklärte: "Die Tradition der Kurbäder und ihre besondere Architektur, ihre Gemeinsamkeiten und Eigenheiten offenbaren sich hier wie nirgendwo sonst." Die Tradition der Kur hat sich demnach in Europa auf besondere Art herausgebildet.

Bad Ems an der Lahn mit Kurhotel und Staatlichem Kurhaus | picture alliance / blickwinkel/W

Neues UNESCO-Welterbe: Bad Ems an der Lahn mit seinem Kurhotel und Staatlichem Kurhaus Bild: picture alliance / blickwinkel/W

Bad Kissingen mit der Oberen Marktstraße | dpa

Auch das bayerische Bad Kissingen wurde ausgezeichnet. Bild: dpa

Begeisterung in Bayern über Titel für Bad Kissingen

"Das sind großartige Nachrichten für Bad Kissingen und für das gesamte Kulturland Bayern", sagte der Kunstminister Bernd Sibler in München. "Bad Kissingen als Kurort von unglaublicher Vielfalt hat mit einer Mischung aus gelebter Tradition und Moderne überzeugt." Die unterfränkische Stadt sei Teil der bedeutenden Kurstädte Europas und versinnbildliche den europäischen Gedanken der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. "Ich bin stolz, dass wir mit Bad Kissingen nun insgesamt neun Welterbestätten im Freistaat haben."

"Mit seiner mondänen Architektur von Max Littmann und von Friedrich von Gärtner gehört Bad Kissingen eindeutig zu diesen klangvollen Namen", sagte der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil. "Die Idee, die die Menschen im späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert von Wellness und Spa hatten, ist in Bad Kissingen noch heute erlebbar."

Bad Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel sah den Welterbetitel für die unterfränkische Kleinstadt als große Chance. Nun sei es leichter möglich, Unternehmen und Bürger für die Stadt zu gewinnen, "weil wir mit der Anerkennung nun in der Champions League in der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Städte sind", sagte er in einem Videoclip, der auf der Webseite der Kommune zu sehen war. "Wir wollen kein Museum werden, sondern wir wollen gelebte Geschichte mit Anspruch hier in Bad Kissingen haben."

Darmstädter Mathildenhöhe ausgezeichnet

Auch wurde das Jugendstilensemble der Künsterlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die Mathildenhöhe aus der Wende zum 20. Jahrhundert besteht aus dem Hochzeitsturm, einer russischen Kapelle, Gebäuden, Parkanlage und Skulpturen. Die Künstlerkolonie gilt als Schnittpunkt zur Moderne der Architektur - nicht einfach ein Jugendstil-Ensemble, sondern ein Schritt zum Bauhaus.

Peter Behrens als einer der ersten Künstler war später Lehrer des Bauhausbegründers Walter Gropius. Die Intention zum Bau der Kolonie war im ausgehenden 19. Jahrhundert keineswegs nur kultureller, sondern handfester ökonomischer Natur. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig sah mangels Bodenschätzen einen Wirtschaftsaufschwung nur durch mehr Qualität in den Manufakturen gewährleistet und holte Künstler aller Couleur nach Darmstadt.

Die Mathildenhöhe in Darmstadt | dpa

Mathildenhöhe in Darmstadt: Das Ensemble aus Hochzeitsturm, russischer Kapelle, Parkanlage und Skulpturen gilt fortan als UNESCO-Welterbe. Bild: dpa

Mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern

Das Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten.

Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland hat jetzt 47 Welterbestätten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juli 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 24.07.2021 • 23:49 Uhr

22:55 von Leipzigerin59

«Und das ganz Moderne dürfte den wenigsten gefallen, ich denke da gerade an das Guggenheim-Museum Bilbao.» Doch … das gefällt. Nicht allen, aber vielen. Den Eiffelturm in Paris wollten die Verantwortlichen der Stadt wieder abreißen lassen, sobald die Weltaustellung vorbei war. Was wäre Paris heute ohne Tour Eiffel …? Die Glaspyramide vor dem Louvre wollte Jacques Chirac unbedingt. Schande … scheußlich und hässlich hieß es erst. Heute gar nicht mehr weg zu denken als Kontrast zum Alten Gebäude … Das minimalistisch-formell-strenge Wikingerschiff aus Stahlbeton und Glas am Hafen in Oslo. Eines der Highlights von Stadtarchitektur weltweit. In Deutschland traut man sich nicht, so was zu bauen. Aber gerade "Bauhaus" und Le Corbusier waren die Architektonischen Helden der Moderne. Es gibt noch eine (Papier) Fabrik im Bauhausstil. Grandios. Das Porsche-Museum in Stuttgart ist auch großartig … weil "gewagt". In Urban-Jungle Tokyo / Asien gibt es Wolkenratzer in den Formen … just wow.