Ein Schild mit der Auschrift "Völkermord verhindern" wird in Duisburg in die Luft gehalten als die Kurden demonstrieren gegen den türkischen Einmarsch in Syrien | Bildquelle: dpa

Türken und Kurden Konflikt erreicht Deutschland

Stand: 17.10.2019 14:49 Uhr

Der Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien wirkt sich auch in Deutschland aus. Immer wieder gibt es Zusammenstöße zwischen kurdisch- und türkischstämmigen Deutschen.

Von Marion Kerstholt, WDR

Rodi Begermani stammt aus dem Gebiet in Nordsyrien, wo gerade Bomben fallen und geschossen wird. Er ist Kurde und vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Doch seine Verwandten, seine 70-jährigen Eltern und der 90 Jahre alte Großvater, leben noch dort.

Täglich bekommt er neue, schlechte Nachrichten aus seiner Heimat und macht sich deshalb große Sorgen. "Wir erleben eine Katastrophe. Eine humanitäre Katastrophe. Er fühle sich hilflos, erzählt Begermani. Das einzige, was er nun tun könne, sei, zu einer Demonstration zu gehen, um zumindest auf das Leid der Kurden in Nordsyrien aufmerksam zu machen.

Kurden in Deutschland demonstrieren gegen Militäroffensive in Nordsyrien
tagesschau 16:00 Uhr, 17.10.2019

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Polizeibeamte zwischen den Fronten

Kurden-Demonstrationen wie die auf dem Kölner Heumarkt, wo Begermani gestern dabei war, gibt es derzeit an vielen Orten. In Köln wurden die Teilnehmer explizit zur Besonnenheit aufgerufen. Doch bei anderen Veranstaltungen kochten die Emotionen hoch. In Lüdenscheid erlitt bei einer Mahnwache ein 50-Jähriger türkischer Unterstützer eine Schnittwunde im Rücken. In Bottrop gab es bei einer kurdischen Demonstration Tumulte.

150 bis 200 kurdische Teilnehmer standen sich mit einer gleich großen türkischen Gruppe gegenüber. Getrennt von Polizisten. Es flogen Steine. Laut Polizei fing die türkische Gruppe damit an, anschließend warfen die Kurden zurück. Fünf Polizisten wurden dabei verletzt. Ein Beamter musste im Krankenhaus behandelt werden. Schon am Montagabend war es bei einer kurdischen Demonstration in Herne zu Auseinandersetzungen von Kurden und Türken gekommen. Dabei wurde ein türkischer Kiosk demoliert.

Verhältnis schon länger belastet

Der Auslöser für die Ausschreitungen sind häufig Provokationen von türkischen Unterstützern der türkischen Militärinvasion in Syrien. "Das wird zum Teil auch bewusst aus der Türkei und aus den Moscheen angestiftet, von denen wir hier in Deutschland 1500 haben. Die Imame beten für den Krieg. Und das heizt die Stimmung auf innerhalb der türkischen Community", sagt Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Das Verhältnis zwischen Deutsch-Kurden und Deutsch-Türken ist schon länger belastet. Einige Türken stehen ganz klar hinter der Militäroffensive. Auf der Kölner Keupstraße, Heimat vieler Türken und Kurden in Köln, sagt Anwohner Emre Kaplan: "Ich finde es schon gut, dass die da einmarschieren und sauber machen. Und die Lage da regeln, wer wo sein sollte." Andere lassen sich von der aufgeheizten Stimmung nicht beeindrucken. "Mein Nachbar ist aus dem Nordirak. Er ist Kurde. Ich habe mich heute bei ihm rasieren lassen. Das ist kein Problem", sagt Ugur Yigitbasi, der ebenfalls auf der Keupstraße lebt.

Weitere Demonstrationen erwartet

Der Politikwissenschaftler Burat Çopur von der privaten Internationalen Hochschule IUBH in Dortmund beobachtet das Verhältnis zwischen Deutsch-Türken und Deutsch-Kurden seit Längerem. "Dieser Krieg beschäftigt natürlich die Türkeistämmigen und emotionalisiert sie auch. Zugleich spalte er auch die türkeistämmige Community. "Dieser Konflikt heizt sich auf durch zwei Seiten. Einerseits durch die Kriegspropaganda des Regimes von Erdogan. Auf der anderen Seite durch Angriffe von militanten Gruppen auf türkische Supermärkte oder auch türkische Einrichtungen,", meint er.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium sagt auf Anfrage des WDR, man erwarte im Kontext der türkischen Militäroffensive zahlreiche weitere kurdische Versammlungen. Nach Einschätzung des NRW-Verfassungsschutzes befänden sich unter den Teilnehmern von Aktionen gegen kurdische Demonstrationen auch Anhänger der rechtsextremistischen "Grauen Wölfe".

Sie, aber auch nationalistische regierungstreue Türken, zeigten bei den Aktionen den so genannten "Wolfsgruß", worauf kurdische Demonstrationsteilnehmer hoch emotional reagierten. Doch der Großteil der kurdischen Demonstrationen verläuft ruhig und störungsfrei, wie das Innenministerium zusammenfasst.

In den kommenden Tagen sind weitere kurdische Demonstrationen angekündigt. Die größte mit 15.000 erwarteten Teilnehmern am Samstag in Köln. Die Polizei bereitet sich darauf vor.  

Über dieses Thema berichtete WDR aktuell am 17. Oktober 2019 um 12:45 Uhr.

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