Blick in den leeren Zuschauersaal eines Theaters. | dpa

Kultur in der Energiekrise "Schließungen sind keine Antwort"

Stand: 04.08.2022 15:37 Uhr

Kinos, Theater, Museen: Diese Räume sind selten klein - aber wollen beheizt und beleuchtet werden. Wie das trotz der hohen Energiepreise künftig weiter gehen kann, soll nun eine Arbeitsgruppe planen.

Bund, Länder und Kommunen wollen Kultureinrichtungen wie Museen oder Theater auch in Zeiten stark steigender Energiepreise offen halten. "Schließungen sind ganz sicher keine Antwort", sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Zuvor war sie in einer Videokonferenz mit ihren Amtskolleginnen und -kollegen aus den Ländern sowie Vertretern aus Kommunen zusammengekommen, bei der auch Klaus Müller dabei war, der Präsident der Bundesnetzagentur.

Roth: "Die Lage ist dramatisch"

"Die Lage ist dramatisch", sagte die Grünen-Politikerin mit Blick auf die Energiekrise. Die Folgen des russischen Angriffskrieges mit der Gasverknappung träfen "uns alle", so Roth - "eben auch die Kulturbranche, durch massive Verteuerungen." Kultureinrichtungen könnten allerdings eine Vorbildfunktion übernehmen und sagen: "Ja, wir haben verstanden, wir müssen einen Beitrag leisten".

Oberstes Ziel sei es, dass alle Kultureinrichtungen geöffnet bleiben, sagte auch Ina Brandes (CDU), Kulturministerin Nordrhein-Westfalens und Vorsitzende der Kulturministerkonferenz. „Kulturangebote sollen trotz der großen Herausforderungen der Energiekrise für das Publikum da sein.“

Claudia Roth | dpa

Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, will die Energieversorgung von Kultureinrichtungen wie Theatern, Museen oder Kinos sicherstellen. (Archiv) Bild: dpa

"So viel Energie sparen, wie es geht"

Die Kulturministerinnen und -minister appellierten an Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen, ihren Energieverbrauch zu reduzieren. „Das heißt ganz zuvorderst: Energie überall dort einsparen, soweit es möglich ist, ohne die Funktionsfähigkeit von Kultureinrichtungen zu gefährden“, sagte Kulturstaatsministerin Roth.

Archive, Museen und Bibliotheken, die bedeutsames Kulturgut aufbewahren, müssten zudem als Teil der kritischen Infrastruktur bei der Energieversorgung im Notfallplan Gas auch bei der höchsten Alarmstufe priorisiert werden, forderte CDU-Politikerin Brandes. „Gleichzeitig sind alle Kultureinrichtungen aufgefordert, so viel Energie zu sparen, wie es geht.“

Für Einsparpotenziale sollen Stufenpläne ausgearbeitet werden, um Grenzwerte zu bestimmen und "möglicherweise auch zu definieren, was besonders schützenswerte Kulturgüter sind. Dabei soll die kulturelle Infrastruktur insgesamt erhalten bleiben. Sie hat jetzt gerade in diesen schweren Zeiten eine ganz besondere Bedeutung."

Eine Option: weniger Heizen

Eine Arbeitsgruppe solle den Austausch intensiv vorantreiben. Die Kulturminister und -ministerinnen wollen dabei gemeinsam vorgehen. "Es ist wichtig, bei möglichen Einsparungen an einem Strang zu ziehen", sagte Roth. "In den Bundesländern sind schon sehr unterschiedliche Maßnahmen überlegt, Untersuchungen angestellt und Vorschläge erarbeitet worden. Die wollen wir miteinander austauschen, um dann im September eine gemeinsame Linie zu verabreden."

Die Museen und Einrichtungen ermittelten derzeit ihre Potenziale. "Es ist noch verfrüht, Prozentzahlen für Einsparungen zu nennen", sagte Roth. "Es sind sehr unterschiedliche Kultureinrichtungen, das muss man sich jetzt zusammen mit den Verbänden anschauen. Aber es gibt eine große Bereitschaft einzusparen und etwa zu überlegen, wie man mit den Temperaturen umgehen kann".

Über dieses Thema berichtete NDR Kultur am 21. Juli 2022 um 18:15 Uhr und Bayern 2 am 25. Juli 2022 um 08:15 Uhr.