Der Roboter Pepper kommuniziert mit einem Tablet mit den Menschen. | Bildquelle: dpa

KI-Strategie der Regierung Große Versprechen, wenig Substanz?

Stand: 23.09.2019 04:27 Uhr

Beim Thema Künstliche Intelligenz setzt sich die Bundesregierung ehrgeizige Ziele. Nicht weniger als "weltweit führender KI-Standort" soll Deutschland laut Bildungsministerin Karliczek werden. Doch ist das realistisch?

Von David Zajonz, ARD-Hauptstadtstudio

Viel höher hätte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek die Messlatte nicht hängen können: Ihr Ziel sei es, Deutschland zum "weltweit führenden KI-Standort zu machen", sagte Karliczek Mitte Februar, als sie im Bundestag ihre Strategie für Künstliche Intelligenz vorstellte. Gemeint sind zum Beispiel digitale Systeme, die selbst "lernen" können und riesige Datenmengen verarbeiten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek | Bildquelle: dpa
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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will Deutschland zum "weltweit führenden KI-Standort" machen.

US-Giganten wie Google oder Amazon sind in diesem Bereich weltweit führend, chinesische Unternehmen sind ihnen auf den Fersen. Und in Deutschland? Hier bringt zum Beispiel der Berliner Unternehmer Rasmus Rothe KI-Anwendungen auf den Markt. Die ehrgeizigen Ziele von Karliczek kommentiert er etwas süffisant:

"Ich begrüße auf jeden Fall den sehr amerikanischen Optimismus der Ministerin."

Deutlich ernster fügt er hinzu: "Jetzt müssen auch Taten folgen, und das muss definitiv in den nächsten ein bis zwei Jahren passieren, sonst werden wir abgehängt." Neben seiner Unternehmertätigkeit ist Rothe auch Vorstand im KI-Bundesverband.

Kritik an niedrigen Investitionen

Drei Milliarden Euro stellt die Bundesregierung in den kommenden sechs Jahren für Künstliche Intelligenz zur Verfügung. Zu wenig, finden Kritiker und verweisen auf China, wo viel mehr investiert werde. Hinzu kommen Vorwürfe, dass ein Teil des Geldes überhaupt nicht neu ist, sondern nur im Bundeshaushalt umgeschichtet wird. Führende KI-Forscher sprechen von einem "Jahrhundertfehler", sollte Deutschland nicht genug investieren.

In der Forschung ist die Bundesrepublik bereits ziemlich gut aufgestellt, beim Transfer von KI-Technologien in die Wirtschaft sieht es aber sehr viel schlechter aus, so die allgemeine Auffassung.

Überzeugungsarbeit bei Unternehmen notwendig

CDU-Politiker Thomas Jarzombek ist der Beauftragte für Digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium. Vor seiner Zeit als Berufspolitiker hat er selbst eine IT-Firma gegründet und jahrelang geleitet. China und Deutschland seien nur bedingt vergleichbar, sagt Jarzombek, und verweist auf die wichtige Rolle von Privatunternehmen in Deutschland. Eine KI-Strategie, durch die nur noch staatliche Investitionen stattfinden, könne nicht funktionieren: "Wir erwarten natürlich, dass auch in den Unternehmen viel passiert. Die drei Milliarden werden für Projekte eingesetzt, um auch Unternehmen zu ertüchtigen", sagt der CDU-Politiker. Dafür will die Bundesregierung beispielsweise sogenannte "KI-Trainer" einsetzen. Experten, die gezielt kleine und mittlere Unternehmen zum Thema Künstliche Intelligenz beraten sollen.

Geplanter Digitalfonds lässt auf sich warten

Einen Hinweis darauf, warum das notwendig ist, gibt die Erfahrung von Rasmus Rothe. Er erzählt von einem Maschinenbau-Unternehmen, das er erst mühevoll überzeugen musste, in KI zu investieren:

"Es vergehen Monate bis das Unternehmen verstanden hat, was für ein Potential dahintersteckt. Das ist natürlich ein riesiger Aufwand, den wir da betreiben müssen."

Ein weiteres Problem für deutsche Start-Ups ist die Finanzierung. In den USA sei es viel leichter an Geld zu kommen. In Deutschland ist sogenanntes Wagniskapital hingegen knapp.

Ein Roboter während der Vorbereitungen auf die CeBIT. | Bildquelle: REUTERS
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Die Bundesregierung will mit einem Digitalfonds Start-Ups bei der Finanzierung helfen.

Die Bundesregierung will das vereinfachen - mit einem Digitalfonds. Großen Anlegern, wie beispielsweise Rentenfonds, soll es mit staatlicher Hilfe einfacher gemacht werden in Start-Ups zu investieren. Das ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die konkrete Umsetzung der Bundesregierung lässt aber noch auf sich warten.

Deutsch-französische Zusammenarbeit

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner findet, die Bundesregierung tue zu wenig in Sachen KI. Brantner hat vor allem gemeinsame europäische Projekte im Sinn. Neue EU-Kommission, neuer EU-Haushalt, das sei eine Chance "es mit allem Elan anzugehen und nicht im nationalen Klein-Klein zu verharren". Dafür müsse die Bundesregierung aber bereit sein, genug finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Einen ersten Schritt will Brantner zusammen mit anderen Abgeordneten im Rahmen eines deutsch-französischen Parlamentariertreffens machen. Dort soll eine Arbeitsgruppe mit Experten aus beiden Parlamenten das Thema KI bearbeiten. Einer der ersten Aufträge: klären, was Künstliche Intelligenz eigentlich genau ist.

„Weltweit führend“? - Die KI-Strategie der Bundesregierung
David Zajonz, ARD Berlin
22.09.2019 15:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. September 2019 um 06:48 Uhr.

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