Mehrere Küken dicht aneinander gedrängt | dpa

Tierschutzbund zum Kükentöten Neues Gesetz "nicht konsequent genug"

Stand: 29.12.2021 10:59 Uhr

Mehr als 40 Millionen männliche Küken sind im vergangenen Jahr getötet worden, weil ihre Aufzucht unrentabel ist. Das neue Tierschutzgesetz soll das verhindern - geht dem Tierschutzbund jedoch nicht weit genug.

Der Deutsche Tierschutzbund hält das ab 1. Januar 2022 gültige neue Tierschutzgesetz und das darin enthaltene Tötungsverbot für männliche Eintagsküken für unzureichend. "Das ist ein lange überfälliger Schritt, aber aus Tierschutzsicht nicht konsequent genug", sagte Verbandspräsident Thomas Schröder dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Zwar wird kein geschlüpftes männliches Küken mehr getötet, aber die Legehenne bleibt eine Eierproduktionsmaschine, mit bitteren Folgen für das Tier. Der Kükenmord ist eine Systemfrage."

Die Tierschutzorganisation kritisiert, dass die Hochleistungszucht "ungehemmt" weiterlaufe sowie für die Aufzucht und Schlachtung der Bruderhähne nach wie vor gesetzliche Vorgaben fehlten. "Statt einem süßen, geschlüpften Küken wird als eine sogenannte Alternative ein schmerzempfindlicher Embryo getötet. Laut neuem Gesetz sollen solche Methoden noch bis 2024 erlaubt sein", sagte der Tierschutzbund-Präsident. 

Mehr als 40 Millionen Küken getötet

Der Bundesrat hatte im Mai eine vom Bundestag beschlossene Änderung des Tierschutzgesetzes gebilligt, mit der das Kükentöten ab dem 1. Januar 2022 beendet werden soll. Im vergangenen Jahr waren mehr als 40 Millionen männliche Eintagsküken geschreddert oder erstickt worden, weil ihre Aufzucht unrentabel ist. 

Schröder kritisierte das neue Gesetz jedoch als intransparent: "Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, dass auch für Eier, die der Handel bereits mit der Angabe 'ohne Kükentöten' vermarktet, schmerzempfindliche Embryonen oder sogar Küken getötet wurden. Zudem gibt es für verarbeitete Eier keine Kennzeichnungspflicht." 

"Statt wie die ehemalige Ministerin Klöckner nur Fassaden aufzuhübschen, muss die neue Regierung schnellstmöglich eine politische Gesamtstrategie erarbeiten und die Förderung von gesünderen und robusteren Hühnerrassen - sogenannten Zweinutzungshühnern - vorantreiben", forderte Schröder.

Neue Technologie notwendig

Die Legehennenhalter sehen andere Probleme beim Verbot des Kükentötens. "Das Gesetz verbietet nicht nur das Töten männlicher Küken, sondern schränkt ab 2024 auch den Zeitpunkt ein, bis wann eine Geschlechtsbestimmung im Ei vorgenommen werden darf", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Henner Schönecke, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Anforderungen erfülle aber noch keine jetzt eingesetzte Technologie.

Die Verschärfung sei daher ein "Geburtsfehler" des Gesetzes. "Es investiert doch jetzt keine Brüterei Millionenbeträge in ein System, das ab 2024 nicht mehr verwendet werden darf", so Schönecke.

Künftig sollen Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht schon im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Zum 1. Januar 2024 folgt eine Verschärfung bei der Geschlechtsbestimmung. Dann sollen nur noch Methoden erlaubt sein, die frühzeitiger funktionieren - ab dem 7. Tag des Bebrütens sollen Eingriffe tabu sein. Hintergrund ist, dass Embryos ab dann ein Schmerzempfinden haben, wie das Landwirtschaftsministerium erläuterte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2021 um 08:35 Uhr in den Nachrichten.