Küken | dpa

Ministerin Klöckner Kükentöten bald gesetzlich verboten?

Stand: 14.07.2020 07:50 Uhr

Da die Branche "bestehende Alternativen" nicht nutze, will Bundesagrarministerin Klöckner das Töten männlicher Küken nun per Gesetz verbieten. Die Geflügelwirtschaft reagiert empört.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner will das Töten männlicher Küken, genannt "Kükenschreddern", gesetzlich verbieten.

"Da ich bislang nicht erkennen konnte, dass die Branche die bestehenden Alternativen auch nutzt, um das Kükentöten bis Ende 2021 flächendeckend zu beenden, lege ich ein Gesetz vor", teilte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf Anfrage mit.

Mehr als 45 Millionen Küken jährlich

Als Alternativen zur Tötung wies Klöckner beispielsweise auf die von ihrem Ministerium geförderte Geschlechtsbestimmung im Ei oder das sogenannte Zweinutzungshuhn hin: Hier werden die Hähne für den Fleischverzehr gemästet.

Jährlich werden Millionen männlicher Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil nur die eierlegenden Hennen der Industrie Nutzen bringen. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden allein 2019 mehr als 45 Millionen Küken geschreddert oder vergast. Tierschützer kritisieren diese Praxis seit Jahren.

"Kükentöten geht im Ausland weiter"

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG), stellte sich hingegen gegen das Tötungsverbot: Klöckner würde mit einem Gesetz "falsche Tatsachen vortäuschen, und das Kükentöten für in Deutschland genutzte Jung- und Legehennen würde im Ausland weitergehen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Zudem sei ein Verbot rechtlich nur mit einer Übergangsfrist möglich, in der das Kükentöten weitergehen dürfe.

"Wir schaffen es damit bis Ende 2021, den Brüdern der dann in Deutschland geschlüpften rund 30 Millionen Junghennenküken das Leben zu retten", meinte er. Im Jahr 2023 würden demnach nur noch Legehennen in Ställen leben, bei deren Aufzucht keine männlichen Tiere getötet wurden. Statt eines Verbots warb er für eine "Branchenvereinbarung".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juli 2020 um 06:45 Uhr.

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KOMMENTARE

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Fools Büttel 14.07.2020 • 13:57 Uhr

In der Landwirtschaft...

und in der Industrie macht auf freiwilliger Basis keiner irgendwas, was kein Geld bringt oder am Ende noch was kostet. Ausbeutung von Mensch und Tier zu Niedriglöhnen,Billigpreisen und Billigqualität: das nennt sich Kapitalismus und dabei handelt es sich um die von uns gewählte Gesellschaftsform. Wer gegen die Prinzipien der Gewinnmaximierung für Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit handelt, bzw. entsprechende Gesetze macht, wird nicht wiedergewählt, weshalb auch von Frau Klöckners Gesetz nicht viel Wirkung zu erwarten ist. Die sägt doch nicht den Ast ab auf dem ihr Stuhl steht. Die Lobbys beherrschen das Land und die Regierung. Tierschutz ist doch in D bloß ein Hobby mit dem man keine Wahlen gewinnt.