Kommando Spezialkräfte | Bildquelle: picture alliance / Franziska Kra

Brief an Kramp-Karrenbauer Rechtsextreme Tendenzen beim KSK?

Stand: 12.06.2020 18:39 Uhr

Ein Offizier der KSK hat einen dramatischen Hilferuf an die Verteidigungsministerin gesendet. Laut "Spiegel" berichtet der Soldat von eklatanten rechtsextremen Tendenzen in der Einheit. Kramp-Karrenbauer kündigte Konsequenzen an.

Ein Offizier der Kommando Spezialkräfte (KSK) hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer laut einem "Spiegel"-Bericht auf eklatante Missstände in der Eliteeinheit hingewiesen. In einem zwölfseitigen Brief schildere der Soldat, dass innerhalb des KSK rechtsextreme Tendenzen geduldet und teilweise vertuscht würden. Den Mitgliedern der Einheit werde eingebläut, keine Vorkommnisse zu melden. Der Offizier gehört demnach seit 2018 dem KSK an. Das Verteidigungsministerium bestätigte der Nachrichtenagentur dpa den Eingang eines Briefes.

"Sumpf" innerhalb des KSK

Der Soldat schreibt laut "Spiegel", dass Hinweise auf rechtsextreme Kameraden innerhalb des rund 1000 Mann starken KSK "intern zwar wahrgenommen, aber aus unterschiedlicher Motivlage kollektiv ignoriert oder gar toleriert" würden.

Der Soldat bitte die Ministerin, persönlich das Thema an sich zu ziehen, heißt es weiter. Den Missständen sei nur "durch eine vollständige externe Untersuchung und anschließende Reformierung Herr zu werden". Es habe sich ein nicht austrockenbarer Sumpf innerhalb des KSK entwickelt, dieser sei "tiefgreifender und struktureller als derzeit im Ministerium bekannt sein dürfte". Die Führung des KSK sei mit der Aufklärung "offenbar überfordert".

Chiffre für Hitlergruß, Strafen und "Kadavergehorsam"

Als Beispiel nennt der Offizier einen Ausbilder, der als Identifizierungscode "Y-88" benutze. Die Zahl gilt als Chiffre für den Hitlergruß. Die Rekruten hätten diese Anspielung auf den Hitlergruß zwar wahrgenommen, aus Angst vor Repressalien aber habe niemand etwas gesagt. Erst 2019 sei der Ausbilder wegen seiner Nähe zur rechtsextremen Identitären Bewegung aus dem KSK entlassen worden.

Der Offizier schildert laut "Spiegel" auch, wie die Ausbilder ihre Rekruten mundtot machten. Es werde eine Hörigkeit anerzogen, "die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten" seien. Strafen würden genutzt, "um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen". Die Folgen seien "eine Art Kadavergehorsam", eine "Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens" und eine "toxische Verbandskultur".

"Mauer des Schweigens durchbrochen"

"Endlich konnte die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Darauf haben wir mit harter Linie lange hingearbeitet", erklärte Kramp-Karrenbauer. Der betreffende Brief sei bereits in der ersten Sitzung der von ihr einberufenen AG KSK besprochen worden. "Jetzt geht es darum, die notwendigen Konsequenzen daraus zu erarbeiten." Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, die AG KSK habe von der Ministerin bereits den Auftrag bekommen, insbesondere auch Werdegänge und Auswahl von Ausbildern im KSK zu beleuchten.

Schon früher rechtsextreme Vorfälle

Die Ministerin hatte die Arbeitsgruppe eingesetzt, nachdem rechtsextreme Vorfälle wiederholt zu Vorwürfen gegen das KSK geführt hatten. Vor einigen Wochen war ein KSK-Soldat festgenommen worden, der ein Waffenlager angelegt und rechtsextreme Symbole gezeigt haben soll. Auch gab es Berichte über ein mögliches rechtsextremes Netzwerk in der Elitetruppe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juni 2020 um 18:00 Uhr.

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