Ein Verbandsabzeichen ist vor dem Gebäude der 3. Kommandokompanie des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr am KSK-Standort Calw zu sehen. | dpa

Bundeswehr-Eliteeinheit Ermittlungen gegen KSK-Kommandeur Kreitmayr

Stand: 06.08.2021 16:23 Uhr

Die Bundeswehr-Eliteeinheit sorgt erneut für Schlagzeilen: KSK-Kommandeur Kreitmayr soll Ärztinnen angewiesen haben, ihn über bei Soldaten entdeckte rechtsradikale Tätowierungen zu informieren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn.

Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Kommandeur der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK, Markus Kreitmayr, eingeleitet. Er soll mehrere Feldärztinnen angewiesen haben, ihn über bei Soldaten entdeckte rechtsradikale Tätowierungen zu informieren. Man ermittle wegen des "Verleitens zu einer rechtswidrigen Tat", also der Aufforderung, die ärztliche Schweigepflicht zu brechen. 

"Die Ermittlungen sollen bis Mitte September abgeschlossen sein", sagte Staatsanwalt Nicolaus Wegele. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet. Das Verteidigungsministerium äußert sich selbst nicht und verwies auf die Staatsanwaltschaft.

Letzter Vorwurf: Seine Soldaten horteten Munition

Die Zahl rechtsextremer Verdachtsfälle in der Bundeswehr war im vergangenen Jahr auf 477 gestiegen. Vor allem das Kommando Spezialkräfte (KSK) geriet zuletzt mehrfach in die Schlagzeilen. So war bei einem Soldaten in Sachsen ein Waffenversteck gefunden worden.

Dem KSK-Kommandeur Kreitmayr wird zudem angelastet, dass seine Soldaten gehortete oder gestohlene Munition abgeben konnten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

FDP: "Niedere Spitzelmethoden"

Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner erklärte, selbstverständlich müsse man rechtsextremen Vorfällen im KSK gründlich nachgehen - aber natürlich nur mit rechtlich zulässigen Maßnahmen. Er erwarte, so Lindner gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio, dass das Ministerium jetzt die Obleute des Verteidigungsausschusses unterrichte.

Darin sitzt für die FDP unter anderem Marcus Faber. Er sprach angesichts der Vorwürfe von "niederen Spitzelmethoden". Der Zweck heilige in einem Rechtsstaat eben nicht die Mittel. Faber erinnerte an die Munitionssammelaktion, bei der Kreitmayr rechtswidrig Straffreiheit gewährt bekommen habe. 

Linke: "Mit der falschen Methode Richtiges versucht"

Tobias Pflüger von der Linkspartei sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, er erhalte auch selbst Hinweise, dass es bei einigen KSK-Soldaten auffällige Tattoos gebe. Kreitmayr habe mit der falschen Methode Richtiges versucht zu ergründen. Aber natürlich sei die ärztliche Schweigepflicht absolut bindend.

Unabhängig von den neuen Vorwürfen steht bereits fest, dass Kreitmayr zum 1. September abgelöst wird. Neuer Kommandeur des KSK wird Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kommandeur des letzten deutschen Einsatzkontingents in Afghanistan.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. August 2021 um 16:10 Uhr.