Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) beim Training | dpa

Verschwundene Munition beim KSK Wehrbeauftragte fordert Aufklärung

Stand: 21.02.2021 17:25 Uhr

KSK-Soldaten durften im vergangenen Jahr unterschlagene Munition zurückgeben - ohne negative Konsequenzen. Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Högl, fordert nun eine lückenlose Aufklärung der Affäre.

Von Volkmar Kabisch, Martin Kaul und Sebastian Pittelkow, NDR/WDR

Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) durften im vergangenen Jahr unterschlagene Munition ohne Konsequenzen abgeben. Diese umstrittene "Amnestie"-Aktion bei einer Spezialeinheit der Bundeswehr beschäftigt nun auch die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl (SPD).

Volkmar Kabisch
Martin Kaul
Sebastian Pittelkow

"Der Bestand von Waffen und Munition muss lückenlos dokumentiert und nachvollziehbar sein, auch und gerade in einer Spezialeinheit wie dem KSK", sagte Högl, die über die Einhaltung der Grundsätze der "Inneren Führung" bei der Bundeswehr wacht, im Gespräch mit der ARD. Sie fordert im Hinblick auf die "Amnestie"-Affäre beim Kommmando Spezialkräfte (KSK) nun "absolute Transparenz und Aufklärung aller Sachverhalte". 

Fehlende Munition und andere Rüstungsgüter

Schon seit Jahren gibt es in der Bundeswehr Berichte über fehlende Munition und andere Rüstungsgüter. Besonders augenfällig wurde dies, als Ermittler des Landeskriminalamts Sachsen im vergangenen Mai mehrere Tausend Schuss Munition und zwei Kilogramm Plastiksprengstoff aus Bundeswehrbeständen im Garten eines Kommandosoldaten fanden.  Dieser muss sich dafür derzeit in Leipzig vor Gericht verantworten

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte daraufhin eine Kompanie des KSK aufgelöst und angekündigt, mit einem "eisernen Besen" durch die Eliteeinheit zu fegen. Zudem wurde eine Generalinventur zu fehlender Munition veranlasst.

"Buchführung" und "Zählfehler"

In einem ersten Zwischenbericht hatte daraufhin der Generalinspekteur der Bundeswehr im November 2020 mitgeteilt, ein Großteil der verlorenen Munition gehe auf "unsachgemäße Buchführung" und "Zählfehler" zurück. Die "Amnestie" beim KSK fand in dem Bericht keinerlei Erwähnung.

Högl hält den Zwischenbericht daher für "unvollständig". Wenn das Ministerium von dieser "Amnestie" nichts gewusst habe, belaste dies den gesamten Prozess von Aufklärung und Reform erheblich. Högl hegt daher inzwischen Zweifel am Aufklärungs- und Reformprozess. Diese "müssten schnell ausgeräumt werden - von Kommandeur Markus Kreitmayr und Bundesministerin Kramp-Karrenbauer."

 Rückgabe - ohne Konsequenzen

Am Freitag hatten NDR und WDR von einer wohl beispiellosen "Amnestie"-Aktion im KSK berichtet. Wochenlang durften Soldaten im Frühjahr 2020 unterschlagene Munition zurückgeben - "ohne negative Konsequenzen für die entsprechenden Soldaten" befürchten zu müssen, wie es in einem internen Protokoll hieß.

Angesichts einer bevorstehenden Munitionsüberprüfung herrschte beim KSK wohl die Sorge, nicht erklären zu können, wohin Tausende Schuss Munition verschwunden waren. Die Sammelaktion endete allerdings mit einem Problem: Es kam wohl wesentlich mehr zusammen, als zuvor überhaupt vermisst worden war. Neben Zehntausenden Schuss Munition sollen sich unter anderem auch Hand- und Nebelgranaten in den "Amnestie-Boxen" befunden haben.

Juristen sehen in der Aktion daher eine mögliche Strafvereitelung im Amt. Denn die "Amnestie"-Aktion war nach Recherchen von NDR und WDR durch die Kommandeur-Ebene der Eliteeinheit befehligt worden.

 Wer hat das angeordnet?

Neue Details zu der Affäre werden spätestens am Mittwoch erwartet. Die Linksfraktion im Bundestag hat das Thema auf die Tagesordnung des Verteidigungsausschusses setzen lassen. Tobias Pflüger, stellvertretender Parteivorsitzender der Partei Die LINKE und Mitglied im Ausschuss erwartet spätestens dann Antworten, wer die "Amnestie" angeordnet und genehmigt habe. "Sollte dies tasächlich der Kommandeur des Kommando Spezialkräfte (KSK), Kreitmayr, gewesen sein, ist nicht nur er nicht mehr haltbar“, so Pflüger. Kramp-Karrenbauer müsse den Vorgang aufklären und Konsequenzen präsentieren.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Februar 2021 um 19:05 Uhr.