Polizisten vor einem Haus in Meldorf, Schleswig-Holstein | Bildquelle: FOCKE STRANGMANN/EPA-EFE/REX

Terrorverdacht gegen Iraker "Überlegung, viele Menschen zu töten"

Stand: 30.01.2019 18:05 Uhr

Sie wollten offenbar Bomben bauen und eine Pistole kaufen: Die Polizei hat in Schleswig-Holstein drei Terrorverdächtige festgenommen. Ihre Pläne sollen auch am Geld gescheitert sein.

Von Holger Schmidt, SWR, und Michael Götschenberg, RBB

Alles begann mit einem Hinweis aus Großbritannien. Ermittlungen in einem anderen Terrorfall führten zur Spur von Shahin und Hersh F., beide sind 23 Jahre alt und stammen aus dem Irak.

Als sich Ermittler des Bundeskriminalamts die beiden näher ansahen, konnten sie konkrete Überlegungen zu einem islamistischen Terroranschlag feststellen. Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft, erklärte: "Das sah dahingehend so aus, dass Shahin F. sich zunächst aus dem Internet eine Anleitung zum Bau einer Sprengvorrichtung verschaffte und sich dann zusätzlich bei einer Kontaktperson in Großbritannien eine Zündvorrichtung bestellte."

Frank Bräutigam, SWR, zu den vereitelten terroristischen Anschlagsplänen
Mittagsmagazin, 30.01.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Lieferung flog auf

Die Zündvorrichtung habe ihn aber nie erreicht, weil die britischen Strafverfolgungsbehörden die Lieferung abgefangen hätten. Auch ohne Zünder sollen die beiden Männer weiter überlegt haben, einen Anschlag zu planen. Sie kauften Silvesterfeuerwerk. "Aus diesen Silvesterböllern extrahierten sie das Schwarzpulver, dadurch gewannen sie so rund 250 Gramm Schwarzpulver. Mit diesen 250 Gramm machten sie erste Sprengversuche."

Parallel hätten die beiden Männer auch überlegt, sich eine Schusswaffe zu besorgen, sagen die Ermittler. Dazu wurde ein dritter Iraker angesprochen, der nun als mutmaßlicher Unterstützer zu den Beschuldigten gehört.

Tatsächlich soll der Mann auch einen Verkäufer in Mecklenburg-Vorpommern gefunden haben, doch der habe 1500 Euro für eine Pistole "Makarov 9mm" gefordert, so Oberstaatsanwältin Köhler: "Das war aber unseren beiden Hauptbeschuldigten zu teuer. Der potentielle Verkäufer Walid Khaled ist dann noch mal mit dem Preis runtergegangen - auf 1200 Euro -, aber auch das war unseren beiden Hauptbeschuldigten im Preis noch zu hoch, so dass sie sich schlussendlich nicht handelseinig wurden."

Polizeifahrzeuge stehen vor dem Haus, in dem die Terrorverdächtigen wohnen. | Bildquelle: FOCKE STRANGMANN/EPA-EFE/REX
galerie

Polizeifahrzeuge stehen vor dem Haus, in dem die Terrorverdächtigen wohnen.

Es scheiterte auch am Geld

Dass eine Anschlagsplanung von wohl entschlossenen Islamisten durch Preisverhandlungen über eine Waffe ins Stocken kommt, klingt zunächst ungewöhnlich. Offenbar haben die Beschuldigten, die alle drei als Flüchtlinge im Kreis Dithmarschen lebten, aber tatsächlich nicht ausreichend Geld zur Verfügung gehabt.

Zur Tat entschlossen seien sie gewesen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, auch wenn noch Fragen offen seien: "Wir haben in den Ermittlungen bislang kein konkretes Anschlagsziel feststellen können, sehr wohl aber die Überlegung, möglichst viele Menschen dabei zu töten."

Viele Ermittler im Einsatz

Die Ermittlungen seien sehr aufwendig gewesen und von bis zu 200 Beamten des BKA, der Bundespolizei und der Landespolizei geführt worden, so Münch. "Und dabei war uns natürlich bei so einer Sachlage wichtig, dass wir die Gefahr eines möglichen Anschlags richtig einschätzen und auch genügend Beweise sammeln, die dann eine Anklage und eine spätere Verurteilung auch möglich machen."

Die drei Beschuldigten werden einzeln dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt, der dann über den Vollzug der U-Haft entscheidet. Ein weiteres Strafverfahren läuft in Mecklenburg-Vorpommern auf Landesebene gegen den Mann, der den Verdächtigen wohl die Schusswaffe verkaufen wollte.

Schließlich wurde noch die Wohnung einer Frau in Forst im Landkreis Karlsruhe durchsucht, die einen radikalen Internetbeitrag der Terrorverdächtigen positiv kommentiert hatte. Die Frau gilt derzeit aber nicht als Beschuldigte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Januar 2019 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

Holger Schmidt Logo SWR

Holger Schmidt, SWR

Korrespondent

Michael Götschenberg Logo RBB

Michael Götschenberg, RBB

Darstellung: