Politologe Ghadban zu Clans "Sie dachten, sie können alles machen"

Stand: 15.05.2019 21:59 Uhr

"Clankriminalität ist mehr als normale Kriminalität, sagt der Politologe Ghadban in den tagesthemen. Die Polizei gehe inzwischen härter gegen sie vor. Dafür seien die Großfamilien zum Teil selbst verantwortlich.

Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens hat erstmals ein "Lagebild Clankriminalität" vorgestellt: Mehr als 14.200 Straftaten, begangen in den vergangenen zwei Jahren, sollen auf das Konto von 104 Großfamilien gehen - von Raub, Nötigung bis hin zur Körperverletzung. Doch durch das eigene Handeln haben die Clans auch den Umgang von Polizei und Behörden mit den Großfamilien verändert.

"Clans waren übermütig"

"Die Clans waren übermütig. Sie dachten, sie können alles machen", führt der Berliner Islamwissenschaftler und Politologe Ralph Ghadban im Interview mit den tagesthemen aus: "Sie sind so weit gegangen, dass sie die Staatsmacht angegriffen haben." Drohungen und Angriffe gegen die Polizei seien häufiger geworden - all das habe das Bild der Clans auch in der Öffentlichkeit gewandelt.

Und auch der Blick der Politik habe sich verändert. "Die Sensibilisierung ist größer geworden", sagte Ghadban weiter. Der Experte stammt selbst aus dem Libanon. Nach einem Interview mit einem libanesischen Fernsehsender zum Thema Clankriminalität vor etwa einem Monat erhielt er Morddrohungen und steht seither unter Polizeischutz.

Ralph Ghadban, Islamwissenschaftler und Politologe, zur Clankriminalität in Deutschland
tagesthemen 22:30 Uhr, 15.05.2019

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Aus 50 Clans wurden mehr als 100

In der Politik habe sich ein Bewusstsein entwickelt, so Ghadban, das nicht mehr nur darauf abziele, Minderheiten zu schützen und den Eindruck der Diskriminierung zu vermeiden, indem man diese Minderheiten mit Kriminalität in Zusammenhang bringt.

Doch das Vorgehen gegen die Clans bleibt schwierig. Nicht nur, weil Nordrhein-Westfalen erst das zweite Bundesland nach Niedersachsen ist, dass ein sogenanntes Lagebild zu der Problematik entwickelt hat - eine "kleine Revolution", wie Ghadban es ausdrückte. Denn vor diesem Lagebild seien die Behörden in NRW noch von etwa 50 Clans ausgegangen, nicht von mehr als 100. In Niedersachsen wurde laut Ghadban 2012 erstmals ein Lagebild zur Clankriminalität entwickelt. Andere Bundesländer müssten dem Beispiel folgen, so könne die Polizei viel effektiver arbeiten.

Es müssen ganze Gruppen integriert werden

Doch nicht nur die Polizei müsse handeln, auch die Politik. Denn, so betont Ghadban:

"Clankriminalität ist mehr als normale Kriminalität. An erster Stelle ist sie ein Integrationsproblem."

Was dabei so schwierig ist: Clanmitglieder fühlen sich als Teil einer größeren Gemeinschaft, führt der Experte aus. Und die Integration von Gruppen in die Gesellschaft sei schwieriger als bei Einzelpersonen.

Ein weiteres Problem: Die "Mauer des Schweigens", auf die die Polizei bei den Clans trifft. Denn es gebe durchaus "einen großen Teil" an Mitgliedern der Großfamilien, die "ein normales Leben führen wollen". Doch sie fühlen sich der Verwandtschaft verpflichtet oder werden gar bedroht.

Mehr Hilfe für Betroffene

Hier fehlt es Ghadban an Aussteigerprogrammen, vor allem für Jugendliche. Doch dafür müssten die Behörden besser zusammenarbeiten: Jugendämter, Jugendrichter, auch die Schulen. Einen weiteren Mangel sieht der Politologe der langfristigen Hilfe und Betreuung einer besonderen Opfergruppe innerhalb der Clans: Mädchen und junge Frauen. Denn Zwangsehe und die Heirat von Minderjährigen sei in Clans nichts Ungewöhnliches.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Mai 2019 um 22:30 Uhr.

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