Wilfried Kretschmann | Bildquelle: dpa

Kretschmann tritt wieder an Die Grünen-Spitze freut's

Stand: 12.09.2019 16:56 Uhr

Winfried Kretschmann ist ein Zugpferd der Grünen. Entsprechend gelegen kommt der Partei, dass der bei den Wählern sehr beliebte Ministerpräsident von Baden-Württemberg noch einmal antritt.

Von Julia Henninger, SWR

Schon vor der offiziellen Verkündung konnten sich die Grünen nicht zurückhalten und gaben auf Twitter bekannt, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der kommenden Landtagswahl noch einmal antreten werde. Beim anschließenden Pressetermin war ihnen die Erleichterung anzumerken, als Kretschmann erklärt, aus der Partei habe er ausschließlich den Wunsch gehört, dass er weitermachen solle - und auch seine Frau habe gesagt: "Mach es noch mal."

Wenn Kretschmann wieder antritt, ist er allerdings fast 73 Jahre alt - dazu kämen im Falle des Erfolgs nochmal fünf Jahre Amtszeit. Die will er durchziehen: Es gebe keinen Plan, zur Mitte der nächsten Legislaturperiode abzutreten, macht Kretschmann klar. Entscheidend sei, dass man dem Amt körperlich und geistig gewachsen ist. "Den Eindruck habe ich von mir selber, dass das so ist", so der Ministerpräsident.

"Klimawandel in der Natur und der Politik"

Die Debatte um den Klimawandel spielt derzeit den Grünen bundesweit in die Hände. Und auch Kretschmann setzt das Thema ganz oben auf seine Agenda. "Wir leben in dramatischen Zeiten. Vor allem der Klimawandel - der in der Natur und der in der Politik - sind die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen."

Er wolle in dieser Zeit Orientierung bieten, nennt den Klimaschutz und den Wandel in der Automobilindustrie als Motivation, weiter zu machen. Wichtig sei, wie man den Transformationsprozess in der Wirtschaft gestalten werde. Er sei überzeugt, dass das gelingen könne - es werde aber nicht ohne Zumutungen gehen.

Kretschmann mit Vorständen von Daimler, Porsche und Audi | Bildquelle: dpa
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Grüner mit Nähe zur Autoindustrie: Kretschmann und der damalige Daimler-Chef Zetsche

Kretschmann will sich voll einbringen. In seiner Stuttgarter grün-schwarzen Koalition knirschte es allerdings immer wieder. Lange hat es gedauert bis sich die Koalition beim Thema Klimaschutz oder Wohnungsbau auf eine gemeinsame Linie geeinigt hat, zudem der Dauerstreit um Fahrverbote.

Grünes Zugpferd

Die Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck sind mit Kretschmanns Entscheidung zufrieden. Er genieße hohes Ansehen und Vertrauen. "Gerade in Zeiten, in denen nationalistische und populistische Tendenzen in ganz Deutschland einen Aufschwung erfahren, schafft er mit seinem klaren Wertekompass Orientierung und Halt", so ihre gemeinsame Reaktion. Klimaschutz und der Umbau der Industrie hin zu einer fossilfreien, wettbewerbsfähigen Wirtschaft seien für Deutschland und gerade für Baden-Württemberg eine drängende Aufgabe.

Annalena Baerbock und Robert Habeck sitzen an einem Tisch. | Bildquelle: AP
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Das Zugpferd Kretschmann kandidiert noch einmal - die Grünen-Spitze freut's

Kein Nachfolger in Sicht

Kretschmann will es also nochmal machen. Die Frage ist aber auch: Wer hätte es denn sonst machen sollen? Wer hat sonst einen Namen - auch auf Bundesebene? Cem Özdemir als baden-württembergischer Grüner mit großem Bekanntheitsgrad sagt: "Ich habe zu denen gehört, die ihn gebeten haben, dass er noch mal antritt und freue mich jetzt so wie wahrscheinlich ganz viele Leute." Einen Nachfolger brauche es nicht, so Özdemir. "Der beste Nachfolger von Kretschmann ist Kretschmann." Özdemir hatte zuletzt seine eigene Kandidatur für den Fraktionsvorsitz im Bund angekündigt.

Erneute Kandidatur war keine Überraschung

Die baden-württembergische CDU wird mit Kultusministerin Susanne Eisenmann bei der Landtagswahl ins Rennen gehen. Sie hatte mit Kretschmanns erneuter Kandidatur fest gerechnet. Sie freue sich auf einen fairen und in der Sache harten Wettbewerb, sagt sie.

Für die AfD als stärkste Oppositionspartei sei ebenfalls klar gewesen, dass Kretschmann noch einmal antritt, so AfD-Fraktionschef Bernd Gögel. Und fügt hinzu: Wer die aus ihrer Sicht falsche Politik anführe, spiele für die AfD keine Rolle.

Und der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch kritisierte in Richtung Kretschmann, es genüge nicht, "die weltpolitischen Herausforderungen zu beschwören", dann aber im eigenen Land die Antworten darauf schuldig zu bleiben.

Beliebtes Zugpferd der Grünen

Seit 2011 ist Winfried Kretschmann der erste und der bislang einzige grüne Ministerpräsident eines Bundeslandes. In der Bevölkerung ist er sehr beliebt. Mit ihm an der Spitze waren die Grünen 2016 als stärkste Kraft aus der vergangenen Landtagswahl hervorgegangen. Sie holten 30,3 Prozent. Die CDU landete mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz. Kretschmann regiert derzeit mit einer grün-schwarzen Koalition - davor gab es ein grün-rotes Bündnis.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. September 2019 um 15:00 Uhr.

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