Ein Zahnarzt mit Mund-Nasen-Schutz und Schutzvisier versorgt eine Patientin in einer Praxis | dpa

Zahnreport der BEK Antibiotika könnten "Kreidezähne" verursachen

Stand: 01.06.2021 14:54 Uhr

Die Zähne sind porös, verfärbt oder schmerzen beim Putzen - mindestens 450.000 Kinder in Deutschland haben sogenannte Kreidezähne. Die Ursachen dafür sind unklar. Jetzt haben Experten einen möglichen Grund gefunden.

Mindestens 450.000 Kinder in Deutschland haben sogenannte Kreidezähne. Damit sind rund acht Prozent aller Sechs- bis Zwölfjährigen von dieser Störung im Zahnschmelz betroffen, heißt es im Zahnreport der Barmer-Ersatzkasse.

Neben Karies gilt die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) - umgangssprachlich "Kreidezähne" - als zweite schwerwiegende Zahnerkrankung bei Heranwachsenden. Es handelt sich um eine Mineralisationsstörung während der Zahnentwicklung, die sich unter anderem durch weiß-gelbliche oder gelb-braune Verfärbungen an den Kauflächen oder Zahnhöckern zeigt. In schweren Fällen kann der Zahnschmelz absplittern. Solche "Kreidezähne" sind äußerst schmerzempfindlich und reagieren sehr sensibel auf Hitze, Kälte und Zähneputzen.

Bestimmte Antibiotika in den ersten vier Jahren

Nun haben Experten einen erkennbaren Zusammenhang zwischen der Einnahme bestimmter Antibiotika und der Zahnerkrankung nachgewiesen. "Kinder haben häufiger Kreidezähne, wenn sie in den ersten vier Lebensjahren bestimmte Antibiotika erhalten haben", erklärte Barmer-Chef Christoph Sraub.

Der Report habe Medikamentenvergaben bei Kindern mit und ohne "Kreidezähnen" untersucht. Dabei seien auch verschiedene Antibiotika geprüft worden, die zum Beispiel bei Atem- oder Harnwegsinfekten eingesetzt werden.

Kinder mit geschädigten Zähnen haben demnach in den ersten vier Lebensjahren etwa zehn Prozent mehr häufig angewendete Antibiotika verschrieben bekommen als Kinder ohne Kreidezähne. "Die Verordnung von Antibiotika steht in einem erkennbaren Zusammenhang mit dem Auftreten von Kreidezähnen", sagte Straub weiter.

Weiterhin einige Fragezeichen

Es sei noch unklar, wie dieses Zusammenwirken genau funktioniert. Ernährung und regelmäßiges Putzen haben auf die Erkrankung laut Straub aber keinen erkennbaren Einfluss. "Somit ist die Prävention nahezu unmöglich." Für die Eltern betroffener Kinder sei das jedoch eine wichtige Botschaft, denn sie wüssten nun, dass sie beim Putzen und der Ernährung der Kinder nichts falsch gemacht haben.

Die Studienmacher stützen sich bei dem Report auf ausgewertete Patientendaten. Mädchen sollen etwas häufiger betroffen sein als Jungen. Auch regional gebe es in Deutschland große Schwankungen beim Auftreten von "Kreidezähnen". Plausible Erklärungen gibt es laut Barmer dafür nicht.

Bislang vermuteten Experten neben der Antibiotikagabe Weichmacher aus Kunststoffen, die mit der Nahrung aufgenommen werden, als eine Ursache. Zudem wurden als mögliche Auslöser auch Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege genannt.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung "Visite" am 08. September 2020 um 20:15 Uhr.