Ein Mann hält eine Gesundheitskarte der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in der Hand, während er am Telefon eine Nummer wählt. | dpa

Bei Erkältungssymptomen Krankschreibung wieder per Telefon möglich

Stand: 19.10.2020 10:12 Uhr

Die Corona-Infektionszahlen steigen - gleichzeitig beginnt die Grippe- und Erkältungssaison. Um das Ansteckungsrisiko zu mindern, wurde jetzt eine Sonderregelung wieder eingeführt, die sich schon zu Beginn der Pandemie bewährt hat.

Angesichts bundesweit steigender Corona-Infektionszahlen ist in den kommenden Monaten erneut eine telefonische Krankschreibung möglich. Ab diesem Montag können Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen telefonisch bis zu sieben Kalendertage krankgeschrieben werden. Die Sonderregelung gilt vorerst bis zum Jahresende - das hatte der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen (G-BA) am Donnerstag beschlossen.

Die niedergelassenen Ärzte müssen sich dabei persönlich vom Zustand der Patienten durch eine eingehende telefonische Befragung überzeugen. Eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung kann telefonisch für weitere sieben Tage erfolgen.

Patienten mit Erkältungssymptomen müssen so nicht in eine Praxis gehen, nur weil sie eine Krankschreibung benötigen. Das soll helfen, volle Wartezimmer und Ansteckungsrisiken zu vermeiden.

Corona-Infektionszahlen steigen

"Wir haben aktuell eine sich beschleunigende Infektionsdynamik mit dem Covid-19-Virus, zeitgleich aber auch vermehrt grippale Infekte", erklärte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA. Diese parallele Entwicklung sei besorgniserregend. "Wenn wir in dieser ernsten Situation eines nicht brauchen, sind es volle Wartezimmer", erklärte Hecken. Allein durch mögliche Kontakte auf dem Weg in die Praxis oder beim Warten in geschlossenen Räumen steige das Ansteckungsrisiko.

Am Samstag hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen mit 7830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert erreicht. Am Montagmorgen meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts 4325 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Der Wert ist vergleichsweise niedrig, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten übermitteln. Gemessen an den 2467 gemeldeten Infektionen vom Montag vergangener Woche ist der aktuelle Wert aber deutlich erhöht. Die Zahl der Todesfälle stieg um zwölf auf insgesamt 9789.

Bewährtes System

Eine telefonische Krankschreibung war bundesweit bereits von März bis Ende Mai möglich. Später war entschieden worden, diese nur noch abhängig vom Infektionsgeschehen auf Antrag regional und zeitlich befristet per Ausnahmeregelung zuzulassen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte sich zuletzt dafür stark gemacht, die Regelung angesichts steigender Corona-Infektionszahlen im Herbst und Winter wieder auszudehnen. Das Instrument habe die Praxen bereits im März und April erheblich entlastet.

Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen will rechtzeitig vor Jahresende über eine mögliche weitere Verlängerung der Sonderregelung beraten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.