Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch | Bildquelle: dpa

Studie zu Krankenkassen Milliarden-Minus statt Milliarden-Plus?

Stand: 09.10.2019 09:02 Uhr

Derzeit nehmen die gesetzlichen Kassen deutlich mehr ein als sie ausgeben. Das könnte sich schon bald ändern, warnt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. 2040 könnte das Defizit fast 50 Milliarden Euro betragen.

Nach Jahren mit Milliarden-Überschüssen drohen den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) einer Prognose zufolge in einigen Jahren wieder Defizite. Ab Mitte der 2020er-Jahre würden die GKV-Ausgaben die Beitragseinnahmen wieder übersteigen, prognostiziert eine Studie des Berliner IGES Institutes im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Im Jahr 2040 könnte das Minus dann fast 50 Milliarden Euro betragen.

Ältere Menschen nehmen mehr Leistungen in Anspruch

Ein wesentlicher Treiber sei die demografische Entwicklung - mit einem steigenden Anteil älterer Menschen, die eher Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Um die prognostizierten Ausgabensteigerungen abzudecken, müsse der GKV-Beitragssatz bis 2040 von derzeit 14,6 Prozent schrittweise auf 16,9 Prozent angehoben werden, schreiben die Autoren der Studie.

Sie geben auch Empfehlungen an die Gesundheitspolitik. So könnten etwa Überkapazitäten im Klinikbereich abgebaut werden, um Kosten zu sparen. Zugleich müssten steigende Beitragssätze dadurch abgemildert werden, dass der Bund seinen Zuschuss schrittweise anhebt.

"Tabulose" Debatte über GKV-Finanzierung

Bertelsmann-Vorstandsmitglied Brigitte Mohn forderte, die Debatte über die Finanzierung der gesetzlichen Kassen möglichst tabulos zu führen - auch im Verhältnis zur privaten Krankenversicherung. "Gesellschaftliche Verantwortungsübernahme beinhaltet auch, dass die besser gestellten und im Durchschnitt gesünderen Teile der Bevölkerung sich nicht aus dem Solidarausgleich verabschieden dürfen."

Die Bertelsmann Stiftung beschreibt sich selbst als gemeinnützige Einrichtung, die "einen Beitrag zur Gesellschaftsreform" leisten möchte. Gegründet wurde sie in den 1970-Jahren durch den damaligen Chef des Medienkonzerns Bertelsmann, Reinhard Mohn. Kritiker werfen ihr vor, vor allem Wirtschaftsinteressen zu vertreten.

2018 ein Überschuss von zwei Milliarden Euro

Die gesetzlichen Krankenkassen nehmen derzeit - vor allem wegen der guten Konjunktur - deutlich mehr Geld ein als sie ausgeben. Für 2017 hatte das Bundesgesundheitsministerium einen GKV-Überschuss von drei Milliarden Euro gemeldet, 2018 waren es zwei Milliarden gewesen. Ende 2018 betrugen die Rücklagen der Kassen 21 Milliarden Euro.

Der GKV-Spitzenverband erwartete zuletzt trotz schwächerer Konjunkturaussichten vorerst weiter robuste Einnahmen, warnte im Sommer aber auch vor deutlichen Ausgabenrisiken.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Oktober 2019 um 09:30 Uhr.

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