Chipkarten von Krankenkassen | Bildquelle: dpa

Techniker Krankenkasse Zusatzbeiträge können drastisch steigen

Stand: 21.11.2020 13:03 Uhr

Die Kosten der Corona-Krise belasten die Krankenversicherungen. Die Techniker Krankenkasse warnt vor einer drastischen Erhöhung der Zusatzbeiträge und fordert ein Gegensteuern des Staates. Auch bei den privaten Kassen wird es wohl teurer.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, warnt vor steigenden Zusatzbeiträgen bei den gesetzlichen Krankenkassen. "Im nächsten Jahr fehlen dem Gesundheitsfonds über 16 Milliarden Euro, nicht nur, aber auch durch die Pandemie", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Vom Bund gebe es 2021 nur einen Zuschuss von fünf Milliarden Euro, so dass die Kassen die Lücke schließen müssten. Dadurch würden die Zusatzbeiträge bei allen gesetzlichen Krankenkassen steigen, die Frage sei nur wann und wie stark. Schon 2021 würden die Kassen die Zusatzbeiträge erhöhen, auch die Techniker Kasse, sagte Baas weiter. Das Jahr 2022 werde "ein hartes Jahr für Kassen und Mitglieder", betonte er. "Ohne Gegensteuern durch den Staat droht eine Verdoppelung des Zusatzbeitrags."

"Entweder der nächste Gesundheitsminister erhöht den Zuschuss an den Gesundheitsfonds gewaltig, oder er wird 2022 deutlich Leistungen kürzen müssen", betonte der TK-Chef. Vorstellbar sei auch, die Pharmaindustrie zu höheren Rabatten zu verpflichten oder höhere Zuzahlungen von Patienten zu nehmen.

Kosten durch Rettungsschirme

Baas erklärte, dass die eigentlichen Behandlungskosten von Covid-19-Patienten für die Kassen finanzierbar seien, da das auch ihre Aufgabe sei. "Anders sieht es bei den Kosten aus, die beispielsweise durch die Rettungsschirme entstehen", sagte er der "Rheinischen Post". "Breit angelegte Corona-Tests, der Aufbau von Intensivbetten und der Kauf von Schutzausrüstung - das darf nicht einseitig bei den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen hängen bleiben."

Zudem schwäche die Pandemie die Konjunktur, weswegen Beitragseinnahmen sänken. Die Lage in den Krankenhäusern bezeichnete der Krankenkassenchef als angespannt, aber als "derzeit nicht am Limit". "Nicht Betten oder Geräte sind das Problem, sondern fehlendes Personal", betonte er. In den vergangenen Jahrzehnten sei die Zahl der Ärztinnen und Ärzte gestiegen, während die Zahl der Pflegekräfte konstant geblieben sei.

Krankenhausreform nötig

"Resultierend daraus, dass Ärzte als Umsatzbringer, Pflegekräfte jedoch oft eher als Kostenfaktor betrachtet werden", erklärte Baas: Das sei eine "Fehlentwicklung in Richtung eines profitgetriebenen Krankenhausmanagements". Kurzfristig sei wenig zu machen, langfristig brauche es eine Krankenhausreform zur Konzentration und Spezialisierung von Krankenhäusern. "Akut ist es wichtig, dass die auf Beatmung spezialisierten Kräfte dort eingesetzt werden, wo Covid-Patienten zentral behandelt werden", sagte er.

Private Krankenkassen: Tariferhöhung von 8,1 Prozent

Auch bei den privaten Krankenkassen werden die Prämien im kommenden Jahr wohl deutlich steigen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, erwartet der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) im Schnitt einen Anstieg bei den Tarifen von 8,1 Prozent. Einer der größten Anbieter, die Debeka, peilt ab Januar sogar eine Erhöhung von 17,6 Prozent an.

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