Ein Krankenpfleger schiebt ein Bett | Bildquelle: dpa

Kritik an Studie Ärzte warnen vor Klinikschließungen

Stand: 15.07.2019 13:12 Uhr

Eine Studie empfiehlt die Zusammenlegung von Krankenhäusern - doch Ärzte, Verbände und die Kliniken selbst üben massive Kritik. Eine wohnortnahe Versorgung sei wichtig - gerade auf dem Land.

Ärzte und Krankenhäuser in Deutschland haben eine Bertelsmann-Studie kritisiert, die eine deutliche Reduzierung der Zahl der Kliniken vorschlägt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht von einer "absolut unbelegten" Einschätzung.

Wer vorschlage, von den bestehenden Akutkrankenhäusern "1000 platt zu machen und die verbleibenden 600 Kliniken zu Großkliniken auszubauen, propagiert die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß", erklärte DKG-Präsident Gerald Gaß. Solche Vorschläge seien das exakte Gegenteil dessen, was die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" für die ländlichen Räume gefordert habe.

Studie empfiehlt Schließung von Krankenhäusern für bessere Versorgung
tagesschau 12:00 Uhr, 15.07.2019, Jens Eberl, WDR

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Krankenhäuser nah am Wohnort

Die Krankenhausgesellschaft widerspricht der Einschätzung der Studie, wonach durch eine Bündelung von Kliniken, Personal und medizinischen Geräten eine qualitativ bessere Versorgung erreicht werden könne. "Mit wenigen Ausnahmen wird jedes Jahr allen beteiligten Kliniken ein hohes Niveau bestätigt", erklärte Gaß.

Außerdem handele es sich bei einem Großteil der Versorgung in den Krankenhäusern um medizinische Grundversorgung wie Geburten oder altersbedingte Krankheitsbilder der Inneren Medizin. "Das sind Behandlungen, die möglichst familien- und wohnortnah in erreichbaren Krankenhäusern auch in Zukunft erbracht werden müssen."

Politik fördert kleinere Kliniken

Auch Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt verwies auf die wohnortnahe Versorgung: "Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission hat gerade erst die Bedeutung der Daseinsvorsorge und Sicherung einer gut erreichbaren Gesundheitsinfrastruktur herausgestellt."

Außerdem habe das Bundesgesundheitsministerium beschlossen, 120 kleinere Kliniken bundesweit zu fördern. "Da ist es schon mehr als befremdlich, wenn die Bertelsmann-Stiftung jetzt pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern fordert." Möglich ist laut Reinhardt aber, dass in Ballungsräumen mit erhöhter Krankenhausdichte Ärzte und Pflegepersonal Patienten "in größeren Strukturen" behandeln könnten.

Patientenschützer warnen vor "Kahlschlag"

Kritik kam auch von Patientenschützern: Die in der Bertelsmann-Studie empfohlene Schließung von Kliniken wäre ein "Kahlschlag", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Nachrichtenagentur AFP. "Das mag wissenschaftlich begründet sein, wäre für die Menschen aber verheerend." Es gehe nicht immer nur um komplizierte Operationen mit Maximalversorgung, sagte Brysch. Vor allem alte, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen bräuchten keine Maximaltherapie, gingen aber dennoch ins Krankenhaus.

Bund verweist auf die Länder

Das Bundesgesundheitsministerium reagierte zurückhaltend auf die Studie. Man habe sie "zur Kenntnis genommen", sagte eine Sprecherin. Sie verwies darauf, dass die einzelnen Bundesländern für die Krankenhausplanung verantwortlich seien. Diese müssten eine "bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung" sicherstellen.

Im internationalen Vergleich habe Deutschland grundsätzlich überdurchschnittlich viele Krankenhausbetten und Kliniken. Es gehe aber nicht nur "um die schiere Anzahl von Häusern", sondern um eine erreichbare und qualitativ hochwertige Versorgung.

Bessere Versorgung mit weniger Kliniken?

Die Bertelsmann-Stiftung hatte in einer Studie die Schließung Hunderter Kliniken vorgeschlagen. Danach würden 600 statt 1750 Krankenhäuser in Deutschland ausreichen. Begründet wurde dies damit, dass viele Krankenhäuser zu klein seien und nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügten. Viele könnten lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall nicht angemessen behandeln.

Kein Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft - Kritik an Bertelsmann Studie
Bettina Meier, ARD Berlin
15.07.2019 17:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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