Eine Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Corona-Intensivstation in Dresden im April  (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Mehr Covid-19-Intensivfälle Kliniken verschärfen Besuchsregeln

Stand: 28.10.2020 04:27 Uhr

Mit den steigenden Corona-Zahlen kehren viele Krankenhäuser zu Besuchsverboten zurück. Von Patientenschützern kommt Kritik: Die Bundesländer dürften diese Entscheidung nicht den Kliniken überlassen.

Von Alexander Moskovic, SWR

Seit Wochen steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Das ist auch in den Krankenhäusern spürbar. Zwar sind nur die wenigsten Corona-Infizierten so krank, dass sie stationär behandelt werden müssen, die Intensivstationen der deutschen Krankenhäuser verzeichnen aber immer mehr Covid-19-Fälle.

Am Mittwoch waren es laut dem Deutschen Intensivregister 1470 Patienten, die wegen des Coronavirus auf Intensivstationen behandelt wurden. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, hält diesen Anstieg für besorgniserregend: "Wir erleben eine Verdoppelung dieser Zahlen innerhalb von zehn Tagen", sagt er. "Wir müssen mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass wir in drei Wochen die Höhe haben, die wir als Maximalzahl im Frühjahr hatten."

Besucherstopp wie zu Pandemiebeginn

Vielerorts verschärfen Kliniken jetzt ihre Besuchsregelungen. Am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern gilt neuerdings wieder ein generelles Besuchsverbot. "Wir sehen eine steigende Anzahl an infizierten Patienten und Mitarbeitern", sagt der Klinik-Chefarzt Christian Mönch. Der Besucher-Stopp sein deshalb sinnvoll, um keine Infektionen von außen ins Krankenhaus zu tragen.

Ausgenommen von den Einschränkungen seien Angehörige von minderjährigen Patienten und schwerstkranken Menschen. Auch Partner von werdenden Müttern dürften bei der Geburt dabei sein.

"Wir haben keine Kapazitäten, alle Besucher zu testen, bevor wir sie hier reinlassen", sagt der Klinik-Chefarzt. Deshalb ist das Besuchsverbot aus seiner Sicht eine effektive Maßnahme. Gleichzeitig fordert er von der Politik mehr Einheitlichkeit bei dieser Regelung. "Ich fände zumindest eine bundeseinheitliche Empfehlung hinsichtlich des Umgangs mit Besuchern wünschenswert."

Kritik von Patientenschützern

In eine ähnliche Richtung geht die Kritik der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Die Bundesländer dürfen die Einschränkung von Freiheits- und Grundrechten nicht den Heimen und Krankenhäusern überlassen", sagt Vorstand Eugen Brysch. "Die Entscheidung über freiheitsentziehende Maßnahmen liegt allein bei Behörden und muss von Gerichten bestätigt werden. Das wird in der Corona-Krise gerade massenhaft ignoriert."

Krankenhäuser sowie Pflegeheime dürften für Besucher nicht dicht machen. "Monatelang reden Bund und Länder von einer zweiten Welle. Doch es bleibt weiterhin ungeklärt, wie die Freiheitsrechte der 900.000 Heimbewohner und der Hunderttausenden Krankenhauspatienten auch in der Pandemie gewahrt werden können", sagt Brysch.

Dafür sollten nach Ansicht der Stiftung Patientenschutz neben dem Infektionsgrundschutz, einer lückenlosen Kontaktdokumentation sowie regelmäßigen PCR-Tests auch zusätzliche Schnelltests bei den Krankenhaus-Besuchern eingesetzt werden.

Vorbereitungen für Krisenmodus

Gleichzeitig bereiten sich viele Krankenhäuser darauf vor, dass die Anzahl der Corona-Intensivpatienten weiter steigen könnte. Operationen, die medizinisch nicht dringend notwendig sind, werden vielerorts verschoben.

Auch an der Universitätsklinik Mainz wäre das der nächste Schritt, sagt Christian Werner. Sollte es noch deutlich mehr Covid-19-Patienten geben, könnte auch die Zahl der Intensivbetten erweitert sowie mehr Personal auf die Intensivstation verlegt werden. "Dann wäre das erreicht, was wir zu Höhepunkt des Lockdowns im Frühjahr verwirklicht hatten", sagt er.

Andere Situation als im Frühjahr

Trotzdem sei man auf den erneuten Anstieg besser vorbereitet als zu Beginn der Pandemie, meint Werner. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir im Moment noch eine Asymmetrie haben zwischen vielen Infizierten und nicht so vielen Kranken, weil wir vielleicht auch gelernt haben, die Risiko-Gruppen zu schulen und zu schützen."

Sollten die Intensivbetten sich aber füllen, könne man schnell und gezielt reagieren. "Wir sind viel positiver als im Frühjahr. Es wäre schlimm, wenn wir keine Lernkurve entwickelt hätten."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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