Annegret Kramp-Karrenbauer

Bundeswehr in Kabul Kramp-Karrenbauer will "Kopf hinhalten"

Stand: 23.08.2021 12:53 Uhr

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer will die politische Verantwortung für den Evakuierungseinsatz in Kabul übernehmen. Wenn die Mission beendet sei, werde sie Bilanz ziehen. "Ich halte den Kopf hin", sagte sie in einem Interview.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihre politische Zukunft mit dem Verlauf des derzeitigen Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr verknüpft. "Was immer da vor Ort passiert: Ich halte den Kopf hin", sagte sie bei "Bild TV".

Die Ministerin kündigte in dem Interview an, nach Ende der Evakuierungsmission eine Bilanz zu ziehen und über persönliche Konsequenzen nachzudenken:

Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe, welcher Verantwortung ich gerecht geworden bin, wo vielleicht auch nicht - und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss.

Zunächst auf Evakuierungsmission konzentrieren

Sie machte aber deutlich, dass sie sich nun zunächst auf die Evakuierungsmission konzentrieren wolle: "Ich bin die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt, und die muss vorne an Bord stehen in dem Moment, wo eine so gefährliche militärische Mission läuft, in die ich die Leute ja auch geschickt habe."

Auch außerhalb des Flughafens im Einsatz

Die Bundeswehr fliegt seit mehr als einer Woche Tag für Tag Menschen aus Afghanistan aus - heute Vormittag bislang mehr als 2700. Die Bundesregierung steht in der Kritik, weil sie afghanische Ortshelfer und andere gefährdete Afghanen nicht schon vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban ausgeflogen hat.

Heute startete ein weiteres Militärflugzeug der Bundeswehr von Kabul aus in Richtung Usbekistan. An Bord waren nach Angaben des Einsatzführungskommandos 198 "schutzbedürftige Personen".

Wegen der dramatischen Situation am Flughafen Kabul und der teils blockierten Zugänge ist die Bundeswehr nun auch außerhalb des geschützten Airports im Einsatz, um Menschen sicher zu den Evakuierungsflügen zu bringen.

"Verpflichtung gegenüber diesen Ortskräften"

Kramp-Karrenbauer sagte, sie wolle jede einzelne Ortskraft aus Afghanistan rausholen. Aber es gebe noch Ortskräfte, die nicht in der Hauptstadt Kabul seien. Es stelle sich deshalb die Frage, wie man sicherstellen könne, dass man diese Menschen sicher nach Deutschland holen könne - in einem Monat, in einem halben Jahr oder vielleicht in einem Jahr. Darüber rede man derzeit, erklärte die CDU-Politikerin. "Wenn ich mich dazu mit Taliban an den Tisch setzen muss - auch als Regierung - dann tue ich das, weil das unsere Verpflichtung ist auch gegenüber diesen Ortskräften."

Fehleinschätzungen bereits eingeräumt

Die Ministerin hatte zuvor bereits - wie auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas - Fehleinschätzungen der Lage in Afghanistan eingeräumt. "Noch zu Beginn der letzten Woche hat niemand in der internationalen Gemeinschaft damit gerechnet, dass Kabul bereits am Ende der Woche kampflos fallen würde", schrieb sie in einem Brief an Abgeordnete des Bundestags, der am Wochenende bekannt wurde. "Unsere Lageeinschätzung war falsch, unsere Annahmen über die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum afghanischen Widerstand gegen die Taliban zu optimistisch."

Bei einem Krisengespräch im Kanzleramt unter Leitung von Merkel sei es am Sonntagabend aber nicht um Personalfragen gegangen: "Es ging genau um die Frage: Wo stehen wir mit der Evakuierung, was machen die politischen Bemühungen." Außerdem sei es um die Verlängerung des Evakuierungseinsatzes gegangen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. August 2021 um 12:00 Uhr.