Jens Spahn | Bildquelle: dpa

Gesetzentwurf verschärft Keine Ausnahmen für "Konversionstherapien"

Stand: 18.12.2019 09:22 Uhr

Sogenannte Konversionstherapien von Homosexualität sollen bald verboten sein. Vor dem Kabinettsbeschluss verschärft Gesundheitsminister Spahn den Gesetzentwurf: Auch für Heranwachsende soll es keine "Graubereiche" geben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seinen Gesetzentwurf für das Verbot sogenannter Konversionstherapien kurz vor dem geplanten Beschluss noch einmal verschärft: Ausnahmen für Heranwachsende seien gestrichen worden, sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Gerade in dieser Altersphase fänden die meisten Versuche statt, mit Pseudo-Therapien gegen Homosexualität oder die Geschlechtsidentität vorzugehen - daher sollen sie auch bei 16- bis 18-Jährigen künftig verboten sein. "Diese angebliche Therapie ist viel zu gefährlich für Leib und Seele, als dass man Graubereiche zulassen dürfte", sagte Spahn. Auch jegliches Bewerben, Anbieten oder Vermitteln solcher Behandlungen an Personen unter 18 Jahren soll künftig nicht mehr erlaubt sein. Bei Volljährigen werden nur die öffentliche Reklame, das Anbieten und die Vermittlung verboten.

Auch Werbung künftig unter Strafe

Spahn plant zudem, das Verbot im Strafrecht zu verankern. "Verstöße werden wie bei anderen Strafrechtsdelikten auch je nach Schwere der Tat von Ordnungsämtern oder von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt", kündigte er an. Auf das unerlaubte Bewerben sogenannter Konversionstherapien sei dann ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro vorgesehen. Er setze mit der Strafe bewusst auf den "Abschreckungseffekt", erklärte Spahn.

"Diese angebliche Therapie macht krank"

Nach Angaben des Gesundheitsministers werden in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 2000 Pseudotherapien durchgeführt, die die Homosexualität oder Geschlechtsidentität eines Menschen ändern sollen. Als "Heiler" treten in diesem Zusammenhang oft Seelsorger, Psychotherapeuten oder Laienprediger christlicher Glaubensgemeinschaften auf. Spahn sagte dazu, schon der Begriff sei irreführend: "Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund."

Die Mehrheit der Mediziner ist sich einig, dass die Unterdrückung der sexuellen Identität Depressionen, Angsterkrankungen oder ein erhöhtes Suizidrisiko hervorrufen kann. Dem Gesetzentwurf war eine Bestandsaufnahme vorausgegangen, die das Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld vorgenommen hatte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Dezember 2019 um 09:00 Uhr.

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