Tod eines 22-Jährigen Aufruf zur Besonnenheit in Köthen

Stand: 09.09.2018 19:24 Uhr

Vor einem Baum brennen Kerzen und es liegen mehrere Blumensträuße.
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An einem Spielplatz am Karslplatz in Köthen haben Menschen Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. Hier soll sich die Tat ereignet haben. | Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

In Köthen ist in der Nacht zu Sonntag ein 22-Jähriger ums Leben gekommen. Zwei junge Erwachsene aus Afghanistan wurden vorläufig festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Das Opfer starb an den Folgen eines Herzversagens. Innenminister Stahlknecht rief zur Besonnenheit auf. Zu einer Andacht in die Kirche St. Jakob kamen am Nachmittag 300 Menschen.

22-Jähriger zu Tode gekommen

In Köthen ist in der Nacht zu Sonntag ein 22-jähriger Deutscher offenbar bei einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen ums Leben gekommen. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in einer Pressemitteilung erklärt. Demnach sind zwei tatverdächtige Männer aus Afghanistan vorläufig festgenommen worden.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist der junge Mann an einem Herzinfarkt gestorben. Das bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagabend in einer gemeinsamen Mitteilung. Darin heißt es, das aktute Herzversagen stehe nicht im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen des 22-Jährigen. Gegen den 18-jährigen Tatverdächtigen werde nunmehr wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Auch liefen Ermittlungen gegen einen 20-jährigen Afghanen – wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Entsprechende Haftanträge seien gestellt worden.

Wie der Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU), MDR SACHSEN-ANHALT sagte, handelt es sich bei den zwei Tatverdächtigen um Flüchtlinge. Einer sei als Flüchtling anerkannt, der andere habe abgeschoben werden sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittele aber noch gegen ihn. Warum, dazu konnte Schulze keine Angaben machen. Der Landrat sagte, er trauere um das Opfer und spreche den Angehörigen sein Beleid und Mitgefühl aus.

Aktuelle Informationen: Was wir über die Tat in Köthen wissen
mdr
09.09.2018 22:49 Uhr

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Innenminister Stahlknecht mahnt zu Besonnenheit

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sich zu den Ereignissen in Köthen geäußert. Er ließ mitteilen, sein aufrichtiges Beileid gelte den Hinterbliebenen. Die Ermittlungen zu den Geschehnissen liefen in enger Abstimmung mit Polizei und Justiz.

Ich habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dennoch bitte ich um Besonnenheit. Wir werden alle Mittel des Staates konsequent einsetzen.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU)

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor einer Instrumentalisierung des Falls. "Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen", sagte der Regierungschef der Nachrichtenagentur dpa.

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Sonntagmittag, er sei betroffen und sprachlos. Er kenne noch nicht alle Umstände der Tat. "Dass etwas geschehen ist, ist aber schlimm genug." Hauschild erklärte, er setze auf die Besonnenheit der Menschen in Köthen. Schon seinem "kleinen Aufruf" am Mittag seien viele Köthener gefolgt, um des Opfers zu gedenken.

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Tod eines 22-Jährigen: Trauer und Bestürzung in Köthen

Spielplatz in Köthen, im Hintergrund Kerzen

Auf diesem Spielplatz am Karlsplatz in Köthen soll es in der Nacht zu Sonntag zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei starb ein 22-jähriger Deutscher. | Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Staatsanwaltschaft: Zeugen werden vernommen

Unterdessen dauert die Befragung der beiden Tatverdächtigen laut Polizei und Staatsanwaltschaft an. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt. Zum Anlass des Streits und zu den konkreten Umständen seien bisher keine Details bekannt. Staatsanwaltschaft Olaf Braun sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Sonntagnachmittag, aktuell würden noch Zeugen vernommen. Wenn Ermittlungsergebnisse vorlägen, würden weitere Angaben gemacht. Bis dahin beteilige man sich nicht an Spekulationen über das Opfer. Anwohner hatten zuvor berichtet, das 22-jährige Todesopfer sei bei der Lebenshilfe beschäftigt gewesen.

Ich bin sehr betroffen und sprachlos.

Bernd Hauschild (SPD), Oberbürgermeister von Köthen

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen auf dem Spielplatz am Karlsplatz drei aus Afghanistan stammende Männer mit einer Frau darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann sollen die beiden Deutschen hinzugekommen sein.

Blumen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
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Auf diesem Spielplatz soll die Tat sich ereignet haben. | Bildrechte: dpa

Auf Twitter schrieb SPD-Landespolitikerin Katja Pähle am Mittag, der gewaltsame Tod eines Menschen sei immer zu verurteilen. Köthen brauche nun Besonnenheit, die "Angehörigen unser Mitgefühl". Es dürfe jetzt keine "Gewaltspirale" geben. Sachsen-Anhalts früherer AfD-Landeschef André Poggenburg sprach am Rande des AfD-Parteitags von einem "schrecklichen Ereignis", das kein Einzelfall sei.

Der Fraktionschef der Linken im Landtag, Thomas Lippmann, sagte, es müsse Konsens sein, dass Gewalt durch nichts und niemanden legitimiert werden könne. Es brauche nun eine "schnelle, vorurteilsfreie und lückenlose Aufklärung der Todesumstände". Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man spüre, dass Sachsen-Anhalts Innenministerium auf mögliche Demonstrationen vorbereitet sei. "Ich kann nur an alle appellieren, das nicht zu instrumentalisieren – schon gar nicht, bevor wir den genauen Tathergang kennen", sagte Lüddemann.

Kirche ruft zur Umsicht auf – 300 Menschen bei Andacht

Ein Pfarrer spricht in einer Kirche.
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Kirchenpräsident Joachim Liebig bei der Trauerandacht in der Kirche | Bildrechte: MDR/André Damm

Auch der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, rief zu Umsicht auf: "Jede politische Instrumentalisierung ist abzulehnen und würde zu einer Eskalation führen, die schreckliche Folgen haben könnte", teilte er in einer Erklärung mit. MDR SACHSEN-ANHALT sagte Liebig, Kirche könne nun ein Ort sein, in dem Menschen ihre Betroffenheit zum Ausdruck brächten. Und: "Kirche kann zur Belassenheit und zur Besonnenheit aufrufen." Er vertraue dem Rechtstaat und der Polizei, sagte Liebig.

Zu einer Andacht in der Kirche St. Jakob kamen am Sonntagnachmittag rund 300 Menschen. Außerdem sammelt die Kirche Spenden für die Familie des Opfers.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm:

MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. September 2018 | 12:00 Uhr

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