Hubertus Knabe | Bildquelle: dpa

Sexismus-Vorwürfe Stasi-Gedenkstättenleiter muss gehen

Stand: 25.09.2018 21:16 Uhr

Die Affäre um sexueller Belästigung von Frauen in der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hat auch Konsequenzen für deren Chef. Der Stiftungsrat beschloss die Entlassung von Direktor Knabe.

Nach Vorwürfen sexueller Belästigung gegen einen leitenden Mitarbeiter der Berliner Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen muss deren Leiter Hubertus Knabe seinen Posten räumen. Wie die Senatsverwaltung für Kultur in Berlin mitteilte, hat der Stiftungsrat beschlossen, Knabe ordentlich zu kündigen. Wegen interner Ermittlungen werde er vorläufig von seinen Dienstpflichten freigestellt. Knabe ist seit 2001 Direktor der Gedenkstätte.

Dem stellvertretenden Gedenkstättenleiter, Helmuth Frauendorfer, gegen den sich in erster Linie die Vorwürfe richten, soll zum "nächstzulässigen" Termin gekündigt werden. Er war von Knabe bereits am Montag wegen der Vorwürfe beurlaubt worden.

Dass auch Knabe die Gedenkstätte verlassen muss, begründete der Stiftungsrat mit mangelndem Vertrauen darin, dass er "den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann". Die Beschlüsse wurden den Angaben zufolge einstimmig gefasst. Dem Stiftungsrat gehören unter anderem Berlins Kultursenator Klaus Lederer und der brandenburgische Vize-Landtagspräsident Dieter Dombrowski an.

Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen | Bildquelle: dpa
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Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen erinnert an die politische Willkür in der DDR.

Ein Brief mit massiven Vorwürfen

Ehemalige Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte sowie Volontärinnen und Praktikantinnen hatten sich Anfang Juni in einem Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Kultursenator Lederer gewandt. In dem Schreiben sprachen sie von einer "erschreckenden Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster", von verbalen Belästigungen mit sexuellem Charakter, von "Berichten über private Aktivitäten wie Puff und Swinger-Club" und von "enger, fast intimer körperlicher Nähe und Berührung wie Streichen über die Arme, enger Umarmungen", aufdringlichen Einladungen, nächtlichen SMS sowie Mobbing.

Die Verfasserinnen des Briefes arbeiteten Medienberichten zufolge zwischen 2011 und 2018 in verschiedenen Funktionen und Positionen in der Gedenkstätte.

Fehlerhaftes Verhalten schon länger bekannt

Der Vize-Direktor, gegen den sich die Vorwürfe vor allem richten, äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. In einer früheren Erklärung hatte die Gedenkstätte aber mitgeteilt, sein Anwalt habe Fehlverhalten und Mangel an Sensibilität eingeräumt. Die Gedenkstätte bezog sich dabei auf rbb-Informationen. Zugleich sei betont worden, das fehlerhafte Verhalten sei abgestellt worden, nachdem der Mitarbeiter vor gut zwei Jahren vom Direktor der Gedenkstätte darauf angesprochen worden sei.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen war aus dem früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit hervorgegangen. Sie erinnert an politische Willkür und Unrecht. Die Einrichtung wird von Bund und Land finanziert.

Stasi-Gedenkstättenleiter Knabe entlassen
Sebastian Schöbel, RBB Brüssel
26.09.2018 06:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2018 um 21:00 Uhr.

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