Julia Klöckner in dem kritisierten Video mit Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch. | Bildquelle: Screenshot/Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Bundesagrarministerin Video mit Nestlé - Kritik an Klöckner

Stand: 05.06.2019 18:03 Uhr

Ein gemeinsames Video mit einem Nestlé-Manager hat Agrarministerin Klöckner viel Kritik eingebracht: Sie mache Werbung für den Lebensmittelkonzern, werfen ihr Bundespolitiker vor. Klöckner weist das vehement zurück.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner steht seit Monaten in der Kritik: Viele sind der Ansicht, sie stehe der Agrarindustrie zu nahe. Nun hat ein Video, das ihr Ministerium auf Twitter veröffentlichte, weitere Empörung ausgelöst.

In dem knapp eine Minute langen Video stehen sich Klöckner und Marc-Aurel Boersch, Deutschland-Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé, gegenüber. Sie freue sich, dass sie sich mit Boersch "über die Philosophie von Nestlé" unterhalten habe, sagt die Ministerin und setzt hinzu: "Ich habe heute viel Neues erfahren und freue mich, dass wir Unterstützung haben für unsere Innovations- und Reduktionsstrategie. Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett in den Produkten, die die Bürger gerne mögen."

Mit einem Lächeln übergibt sie das Wort an den Nestlé-Chef, der zusichert: "Wir unterstützen die Reformulierungsstrategie der Ministerin sehr, sehr gerne." Klöckner nickt erfreut, während er erklärt, dass Nestle den Zucker-, Salz- und Fettgehalt seiner Produkte um zehn Prozent gesenkt habe. Als Boersch sagt: "Sind wir damit zufrieden? Nein", lächelt die Ministerin zufrieden.

Bundespolitiker kritisieren Video scharf

Das Video hat den Unmut Tausender Twitter-User entfacht: Sie werfen Klöckner unter dem Hashtag #Nestle vor, sich vom Nestlé-Konzern für PR-Zwecke ausnutzen zu lassen. Andere spotten über die unkritische Haltung zu Nestlé, die sie Klöckner in dem Video unterstellen.

Auch etliche Bundespolitiker kritisierten den Beitrag heftig. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte dazu: "Vorgang ist peinlich, ja bitter". Klöckner habe sich von Nestlé-Lobbyisten "erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln" lassen und trete nun bei einem PR-Event auf, monierte er.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schimpfte, Klöckner habe ein "Werbevideo" für Nestlé gedreht, statt klare Regeln für die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln einzuführen. Ricarda Lang, die Bundessprecherin der Grünen Jugend, bemerkte hämisch, das Video sei wohl der Beitrag des Bundesagrarministeriums zum Weltumwelttag.

Ministerin sperrt sich gegen die Kritik

Klöckner selbst wiegelte zunächst ab. "An die Hatespeaker, weil ich mit Nestlé gesprochen habe: Mal eigene Forderungen #Zuckerreduktion nachlesen!", twitterte sie. "Dass Unternehmen unsere Ziele für bessere Nahrungsmittel umsetzen, ist ein Erfolg. Erst unterstellen, dass nichts geschieht. Dann durchdrehen, wenn man was erreicht."

Auf die Anmerkung eines Users, von ihr keine kritische Auseinandersetzung erkennen zu können, antwortete sie in einem anderen Tweet: "Herrje, es ist ja auch zu schön und einfach, Politiker als die letzten Deppen hinzustellen und Forderungen rauszuhauen, ohne sich wirklich ernsthaft differenziert mit dem Thema beschäftigt zu haben. Leute, Demokratie funktioniert so nicht". In weiteren Antwort-Tweets schlägt sie eine ähnliche Tonart an.

Ihr Ressort antwortet diplomatischer: "Wir verstehen eure Argumente", verlautbarte der offizielle Account des Agrarministeriums. "Und gleichzeitig liegt es uns am Herzen, dass es vorangeht mit gesünderen Lebensmitteln - weniger #Zucker, #Fette, #Salz. Dabei sehen wir gerade auch die ganz Großen in der Verantwortung!"

Dem Großkonzern Nestlé werden teils fragwürdige Geschäfte vorgeworfen - etwa die Privatisierung von Trinkwasser in Entwicklungsländern. Die Umweltorganisation Greenpeace prangerte 2010 in einer Kampagne an, dass das Unternehmen mit der Verwendung von Palmöl in seinen Produkten die Zerstörung des Regenwalds beschleunige. Nestlé hat inzwischen zugesichert, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juni 2019 um 10:00 Uhr.

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