Landschaft der Hallig Hooge | Bildquelle: Karin Bensch/WDR

Steigender Meeresspiegel Hallig Hooge trotzt dem Klimawandel

Stand: 29.08.2019 12:31 Uhr

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Halligen im Wattenmeer. Schleswig-Holstein hat rund 30 Millionen Euro für ihre Rettung bereitgestellt. Auf Hooge wird bereits einiges getan, damit der Lebensraum nicht verschwindet.

Von Karin Bensch, WDR

Flaches Land, weiter Blick. Kreischende Möwen und Ringelgänse vor klarem Himmel. Auf den Salzwiesen weiden Schafe und Kühe. In der Ferne ist etwas zu sehen, das aussieht wie kleine Burgen: die Warften. Künstlich aufgeworfene Erdhügel, auf denen sich ein paar Meter über dem Meeresspiegel einige Häuser zusammenducken.

Kühe weiden auf den Salzwiesen der Hallig Hooge. | Bildquelle: Karin Bensch/WDR
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Kühe weiden auf den Salzwiesen der Hallig Hooge.

Auf Hooge, der wohl bekanntesten Hallig, gibt es zehn bewohnte Warften. Das Zentrum ist die Hanswarft mit einem Restaurant, Café, Sturmflutkino und Gemeindebüro. Hier sind Bagger und Baumaschinen im Einsatz. Sie verstärken die Warft mit Erde, und mit Sand, den ein Schiff über kilometerlange Rohrleitungen aus der Nordsee heran gepumpt hat.

Die Kosten von fast vier Millionen Euro übernehme das Land Schleswig-Holstein, erklärt Bürgermeisterin Katja Just:

"Das ist unsere Antwort auf den Klimawandel beziehungsweise den Anstieg des Meeresspiegels."

Halligen gehen zuerst unter

Laut UN-Weltklimabericht steigt der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 50 bis 80 Zentimeter. Die Umweltschutzorganisation WWF gehe von höheren Zahlen aus, betont Umweltwissenschaftler Jannes Fröhlich:

"Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen wir derzeit mit einem Anstieg von ungefähr bis zu einem Meter im Vergleich zu 2000."

Die Halligen wären damit in Deutschland das erste Land, das aufgrund des Meeresspiegelanstiegs verschwinden würde. Viele Bewohner bemerkten den Klimawandel bereits jetzt, erzählt Bürgermeisterin Just.

Katja Just, Bürgermeisterin auf der Hallig Hooge, steht vor einer Baustelle.
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Katja Just ist Bürgermeisterin auf Hallig Hooge.

Die Münchnerin lebt seit knapp 20 Jahren auf Hooge:

"Mir ist auch schon aufgefallen, dass die Herbststürme, die eigentlich im Oktober, November anfangen, jetzt schon im August und September auftreten."

Hooge wird besonders geschützt: Mithilfe eines Sommerdeichs, der die Hallig umschließt und Fluten bis zu 1,40 Meter abhält. Auf anderen Halligen, zum Beispiel auf Langeneß oder Gröde, ist bereits früher "Land unter".

Salzwiesen versüßen

Doch der Sommerdeich hat auch eine Kehrseite. Durch ihn wird Hallig Hooge nur noch drei bis fünf Mal pro Jahr überflutet. Das hat zur Folge, dass die Salzwiesen versüßen. Auch mit Blick auf den steigenden Meeresspiegel müssten die Halligen regelmäßig überspült werden, fordert Jannes Fröhlich vom WWF.

"Mit jeder Überflutung werden Sedimente, Sand, Muschelschalen auf die Hallig geschwemmt. Das trägt dazu bei, dass diese Salzwiesen jedes Jahr ein, zwei Millimeter aufwachsen."

Auf Hallig Hooge wird tatsächlich über mehr "Land unter" in den Wintermonaten nachgedacht, bestätigt Bürgermeisterin Just. Indem zum Beispiel die Schleusentore häufiger und länger geöffnet werden.

Baustelle für einen Schutzwall an der Hauswarft auf der Hallig Hooge. | Bildquelle: Karin Bensch/WDR
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Der Bagger auf der Hanswarft gräbt nahezu unablässig, um mit den Bauarbeiten vor der ersten Sturmflut im Herbst fertig zu werden.

Für die rund 100 Bewohner von Hallig Hooge wäre das allerdings mit zusätzlichen Einschränkungen verbunden. Mehr Tage, an denen sie in ihren Häusern auf den Warften festsitzen würden, weil um sie herum alles überflutet wäre. Mehr Tage, an denen sie nicht zur Arbeit fahren oder ihr Vieh auf die Weiden treiben könnten.

Dennoch ist die Bürgermeisterin von diesem Schritt überzeugt:

"Wer nicht bereit ist, fünf bis zehn Mal im Jahr 'Land unter' in Kauf zu nehmen, sollte dringend darüber nachdenken, ob die Hallig für ihn der richtige Wohnort ist."

Hohe Investitionen

Der Bagger auf der Hanswarft gräbt, staubt und lärmt, um vor der ersten Sturmflut im Herbst fertig zu werden. Ein Geräusch, an das sich Bewohner und Urlauber wohl gewöhnen müssen. Denn irgendwann könnte es sein, dass auch die Häuser auf den Warften angehoben werden müssen. Es braucht also viel Geld und Aufwand, damit Menschen und Tiere weiterhin dort leben können und die Halligen nicht in der Nordsee versinken.

Klimawandel - Versinken die Halligen in der Nordsee?
Karin Bensch, WDR
29.08.2019 11:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im "Morgenecho" am 29. August 2019 um 09:36 Uhr.

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