Auto auf einer Autobahn | Bildquelle: dpa

Deutsche Umweltbilanz Klimaziel erreichbar - wegen Corona

Stand: 18.08.2020 21:08 Uhr

Weniger Autoverkehr, weniger Flüge, weniger CO2-Emissionen. Wegen der Corona-Krise könnte Deutschland das Klimaziel für 2020 doch noch erreichen. Für die Grünen-Chefin Baerbock kein Grund zur Freude.

Der aktuelle Klimabericht für das vergangene Jahr zeigt einen deutlichen Rückgang der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium sank der CO2-Ausstoß 2019 um 35,7 Prozent verglichen mit 1990. Eine positive Entwicklung, die aber zu langsam kommt. Lange Zeit glaubte die Regierung daher nicht daran, das große CO2-Etappenziel für 2020 noch erreichen zu können. Nun könnte der zwischenzeitliche Corona-Lockdown helfen.

Das Ziel für 2020 sieht vor, die Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 zu verringern. Es gilt als wichtige Etappe des europäischen Klimaschutzplans, an dessen Ende im Jahr 2050 eine Reduktion der Treibhausgase um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 steht.

Emissionen müssen 2020 um weitere zehn Prozent sinken

Die konkrete Auswirkung der Corona-Krise auf die deutsche Klimabilanz sei laut der Bundesregierung zwar noch nicht im Detail absehbar. Um wie viel der Treibhausgas-Ausstoß zurückgegangen ist, sei "derzeit noch mit Unsicherheiten behaftet und lässt sich noch nicht genau vorhersagen", heißt es im Klimaschutzbericht. Wenn die Emissionen im aktuellen Jahr "voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen", könne das Ziel für 2020 aber noch erreicht werden.

Dafür müssten die Emissionen im Jahr 2020 noch einmal um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken. "Diese Verringerung ist unter normalen Bedingungen unwahrscheinlich, doch in der aktuellen Situation in Folge der Kontakteinschränkungen aufgrund der Corona-Krise nicht ausgeschlossen", so ein Ministeriumssprecher.

"Darüber kann sich niemand freuen"

Ohne Schützenhilfe durch den Corona-Lockdown würde das Ziel dagegen verfehlt, obwohl es im vergangenen Jahr in vielen Bereichen einen Rückgang der Emissionen gab. Der Sektor Energiewirtschaft war demnach mit einem Rückgang von fast 51 Millionen Tonnen CO2 für den überwiegenden Teil der Emissionsminderung verantwortlich. Auch im Industriebereich gab es Einsparungen, ebenso in der Landwirtschaft. In den Bereichen Gebäudeheizung und Verkehr gab es dagegen einen Anstieg der Emissionen.

Für die Grünen ist die mögliche Erreichung des Ziels kein Grund zur Freude. "Die Bundesregierung muss offen eingestehen, dass sie ihr Klimaschutzziel 2020 aus eigener Kraft nicht erreicht", sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock. "Einzig und allein durch die Corona-Krise könnte sie dieses eventuell noch erreichen - und darüber kann sich nun wirklich niemand freuen." Deutschland erlebe mit der Trockenheit und Hitze erneut, dass die Klimakrise nicht Halt macht, bloß weil die Corona-Krise da ist, mahnte Baerbock. Es brauche nun eine Offensive der erneuerbaren Energien.

Sollte die Bundesregierung das Ziel erreichen, kommt sie zudem um millionenschwere Klimaschutz-Strafzahlungen herum. Seit Jahren überschreitet Deutschland die festgelegten EU-Budgets für den Treibhausgasausstoß. Als Ausgleich dafür muss die Bundesregierung zusätzliche Verschmutzungsrechte bei anderen Staaten kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpfen. 300 Millionen Euro waren dafür schon im Haushalt eingeplant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. August 2020 um 11:36 Uhr.

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