Schüler aus Sydney nehmen am weltweiten Klimaprotest "Friday for Future" von Schülern und Studenten teil. | Bildquelle: dpa

"Fridays for Future"-Bewegung Protest für Klimaschutz - heute weltweit

Stand: 15.03.2019 08:54 Uhr

Klimakonferenzen, Arbeitskreise - vielen Schülern geht das alles viel zu langsam: Weltweit - von Australien bis in die USA - wollen sie heute von ihren Regierungen wirksamere Schritte gegen den Klimawandel verlangen.

Es ist eine Protestwelle für mehr Klimaschutz, und das rund um den Erdball: Hunderttausende Jugendliche demonstrieren heute in mehr als 100 Staaten unter dem Motto "Fridays for Future" für drastische Schritte gegen die Erderwärmung. Weltweit sind 1700 Kundgebungen und Schülerstreiks angekündigt, in Deutschland rund 200. Auch in Hamburg, wo derzeit Schulferien sind.

Schüler aus Sydney nehmen am weltweiten Klimaprotest "Friday for Future" von Schülern und Studenten teil. | Bildquelle: dpa
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Schüler aus Sydney nehmen am weltweiten Klimaprotest "Friday for Future" von Schülern und Studenten teil.

Inspiriert sind die Schulstreiks von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, die im vergangenen Jahr allein vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren begonnen hatte - inzwischen ist sie sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Die allwöchentlichen Proteste weiten sich immer mehr aus. Mahnungen von Politikern, die Schüler sollten lieber lernen und den Kampf gegen den Klimawandel den Profis überlassen, kommen bei ihnen nicht gut an. Eine der Organisatorinnen in Berlin, Luisa Neubauer, mahnte die Politiker, auf die Jugendlichen zu hören. Bei der Europawahl im Mai müsse sich jeder überlegen, ob er noch für eine Partei stimmen könne, die keinen Plan für die Zukunft und das Klima habe.

Wissenschaftler und Eltern schließen sich an

Unterstützung bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch aus anderen Generationen. So haben rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen - Stichwort: "Scientists for future". Auch Eltern stellen sich mit "Parents for Future" an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf Schulverweise oder andere disziplinarische Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben.

Nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sollten die Proteste erst nach dem Unterrichtsende beginnen. "Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen", sagte der 26-Jährige der "Heilbronner Stimme".

Vergangene Woche hatte nach Kanzlerin Angela Merkel auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste begrüßt. Viele der Erwachsenen hätten noch nicht gemerkt, "dass es fünf vor zwölf ist", sagte Steinmeier in Neumünster zu Schülern einer "Fridays For Future"-Mahnwache: "Wir brauchen junge Menschen wie euch, die sich einmischen."

Koalition streitet über Klimaschutzgesetz

Die SPD erhofft sich von den Schülerprotesten auch Rückenwind für das umstrittene Klimaschutzgesetz. Die Bewegung "Fridays for Future" sei "gerade angesichts der Bremser in Politik und Wirtschaft eine ganz wichtige Stimme für wirkungsvollen Klimaschutz und damit für ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz in Deutschland", sagte Bundestags-Fraktionsvize Matthias Miersch der Deutschen Presse-Agentur. Die jungen Demonstranten wollten, dass Klimaschutz jetzt beginne. "Das will ich auch", sagte Miersch.

Die Regierungsparteien wollen mit einem neu gebildetes Klimakabinett die rechtlich verbindliche Umsetzung der Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorbereiten. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, reagierte mit Kritik auf den Beschluss: "Hochtrabende Namen können nicht darüber hinwegtäuschen: Die Bundesregierung weiß beim Klimaschutz nicht weiter und gründet einen Arbeitskreis." Die Pariser Klimaziele erlaubten keinen Aufschub beim Kampf gegen die Klimakrise. Daher müsse endlich ein wirksames Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht werden, forderte der Oppositionspolitiker.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2019 um 09:00 Uhr.

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