Völlig ausgetrocknet ist der Boden des Edersees nahe der Aseler Brücke | Bildquelle: dpa

Klimarisiko-Index Wetterextreme treffen Deutschland hart

Stand: 04.12.2019 11:35 Uhr

Weltweit war Deutschland 2018 am drittstärksten von Wetterextremen betroffen. Das geht aus dem Klimarisiko-Index von Germanwatch hervor. Die Folgen des Klimawandels kosten Milliarden - und Menschenleben.

Von Jakob Mayr, BR

Extremwetter treffen nicht nur Entwicklungsländer: 2018 waren Japan, die Philippinen und Deutschland am stärksten von Hitze, Stürmen und Überschwemmungen geplagt. Das zeigt der Klimarisiko-Index, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf dem Klimagipfel in Madrid vorstellte. Dabei sei eines neu, sagt Laura Schäfer, eine der Autorinnen des Berichts:

"Wir sehen in diesem Index zum ersten Mal in seiner 15-jährigen Geschichte, dass zwei Industrieländer in den Top 3 gelandet sind. Und es wird deutlich, dass weltweit alle Länder betroffen sind. Außerdem liegt mit den Philippinen ein Entwicklungsland auf Platz 2. Solche Länder sind viel existentieller von den Schäden durch Extremwetterereignisse betroffen."

Ein Transportschiff fährt auf dem Rhein | Bildquelle: dpa
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Wegen der langen Trockenheit 2018 war der Rhein nur noch eingeschränkt schiffbar.

Schäden in Milliardenhöhe

Ein Beispiel ist der Taifun "Mangkhut", der 2018 den nördlichen Teil der Philippinen mit voller Wucht traf. Mindestens 59 Menschen wurden getötet. Über Japan wütete ebenfalls ein Wirbelsturm, der große Schäden anrichtete. Dazu kamen schwere Regenfälle und eine Hitzewelle.

Rekordtemperaturen gab es 2018 aber auch in Deutschland. Es war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, erklärt Germanwatch-Expertin Schäfer: "In Deutschland gab es eine starke Hitzewelle im Sommer, die mehr als 1200 Todesopfer gefordert hat. Außerdem sind durch Stürme ökonomische Schäden in Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro entstanden."

Hitzewellen werden wahrscheinlicher

Nach Angaben von Germanwatch werden Hitzewellen laut den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen wegen des Klimawandels immer häufiger und heftiger. In Europa werden sie nach Berechnungen zwischen 10- und 100-mal wahrscheinlicher auftreten als vor einem Jahrhundert. Auf lange Sicht trifft Extremwetter aber Entwicklungsländer besonders hart. In den vergangenen 20 Jahre kamen sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder aus dieser Gruppe - darunter Pakistan, Vietnam, Myanmar, Haiti und die Philippinen.

"Länder wie die Philippinen sind immer wieder von schweren Stürmen betroffen. Die Menschen dort haben dann kaum Zeit für den Wiederaufbau, bevor das nächste Ereignis kommt", so Schäfer. Am schlimmsten hat es über die vergangenen 20 Jahre gesehen aber Puerto Rico erwischt - vor allem wegen der Schäden, die Hurrikan "Maria" 2017 anrichtete.

Fast 500.000 Tote

Insgesamt verzeichnet der Klimarisiko-Index für die vergangenen 20 Jahre 12.000 Extremwetterereignisse. Fast eine halbe Million Menschen wurden getötet. Die wirtschaftlichen Schäden: umgerechnet etwa 3,2 Billionen Euro. Schäden und Verluste, die arme Länder alleine kaum bewältigen können.

Ihnen dabei zu helfen, darüber wird auch beim Klimagipfel in Madrid gestritten. Vera Künzel hat an dem Index mitgearbeitet und sieht den Bericht als Diskussionsgrundlage.

"Wir hoffen, dass dadurch deutlich wird, dass die Länder, die am stärksten betroffen sind, unterstützt werden beim Umgang mit Schäden und Verlusten. Die wissenschaftliche Grundlage macht immer deutlicher, dass Extremwetterereignisse und der Klimawandel eng miteinander zusammenhängen. Die Häufigkeit und die Intensität von Extremwettern wird schlimmer durch den Klimawandel und das sollten nicht die Länder bezahlen müssen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben."

Breite Datengrundlage

Ein Zusammenhang besteht also - aber wie groß der Einfluss des Klimawandels auf Schäden und Verluste durch Stürme oder Hitzewellen exakt ist, lässt sich nicht sagen. Allerdings zeigt der Index laut Germanwatch, wie verwundbar einzelne Länder sind und welche von ihnen sich besonders auf extreme Wetterereignisse vorbereiten müssen. Grundlage des Berichts sind Daten des weltgrößten Rückversicherers MunichRe und des Internationalen Währungsfonds.

Klima-Risiko-Index: Deutschland stark von Extremwetter betroffen
Jacob Mayer, BR, zzt. Madrid
04.12.2019 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2019 um 11:00 Uhr.

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Jakob Mayr | Bildquelle: BR/Julia Müller Logo BR

Jakob Mayr, BR

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