Dunkle Wolken ziehen über ein Feld mit jungen Pflanzen. | dpa

Risikoanalyse des Bundes Deutschland von Extremwetter bedroht

Stand: 14.06.2021 13:04 Uhr

Hitze, Trockenheit, Starkregen - das Risiko für extreme Wetterphänomene in Deutschland ist stark gestiegen. Laut einer Analyse des Bundes sind immer mehr Regionen und Lebensbereiche vom Klimawandel bedroht.

Mit dem Klimawandel drohen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zunehmend mehr Schäden in den Kreisläufen der Natur, aber auch an der Infrastruktur und für das Wirtschaftssystem. Zu diesem Ergebnis kommt die Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland.

Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 2015 seien die Klimarisiken gestiegen, wobei sich in "weiten Teilen die Ergebnisse der Vulnerabilitätsanalyse des Bundes" bestätigt hätten, schreiben die Experten aus 25 Bundesbehörden und -institutionen sowie aus neun Ressorts, die im Behördennetzwerks "Klimawandel und Anpassung" zusammenarbeiten.

Zwei Szenarien bis 2100

In der alle sechs Jahre im Auftrag der Bundesregierung erstellten Klimawirkungs- und Risikoanalyse wurden zwei Szenarien für die Zeit bis zum Jahr 2100 entworfen. Ein pessimistischer Fall geht von einem starken Klimawandel aus: plus 3 Grad Celsius zur Mitte des Jahrhunderts als Jahresmittelwert und gegenüber der frühindustriellen Zeit. Ein optimistischer Fall beschreibt einen schwächeren Klimawandel mit einem Anstieg der Temperatur um 2,4 Grad.

Außerdem wurden 100 Wirkungen des Klimawandels in Deutschland und deren Wechselwirkungen untersucht. Die Studie sieht bei 31 davon dringenden Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse der Analyse sind eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel.

Hitze, Trockenheit und Starkregen

Die Analyse benennt beispielsweise tödliche Hitzebelastung besonders in Städten, Wassermangel in Böden und schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, etwa durch sogenannte Extremwetterereignisse. Bisher seien nur wenige Regionen in Deutschland sehr intensiv von Hitze, Trockenheit oder Starkregen betroffen, heißt es. Bei einem starken Klimawandel würden bis Mitte des Jahrhunderts sehr viel mehr Regionen damit konfrontiert sein.

So würde sich das Klima im Westen und Süden Deutschlands im Vergleich zu heute am stärksten verändern. Im Südwesten und Osten würden klimatische Extreme am häufigsten vorkommen. An der Küste stiegen die Gefahren durch den Meeresspiegelanstieg in der zweiten Jahrhunderthälfte deutlich an.

Die Schäden wirken sich laut der Analyse in einem Dominoeffekt von bereits heute stark belasteten Ökosystemen wie Böden, Wäldern und Gewässern hin zum Menschen und seiner Gesundheit aus. "Am Anfang der Wirkungsketten stehen dabei fast immer Veränderungen der natürlichen Systeme und Ressourcen und am Ende vieler Wirkungsketten oft die menschliche Gesundheit", heißt es in der Studie.

Hitzetage haben sich verdreifacht

Der Vorstand Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes, Tobias Fuchs, sagte, dass die Durchschnittstemperatur seit 1881 bereits um 1,6 Grad gestiegen sei. Die Zahl der Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad Celsius habe sich fast verdreifacht. Das Jahr 2020 sei das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Zudem sei ein weiterer Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur in Deutschland zu erwarten, so Fuchs.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze mahnte, es müsse rasch gehandelt werden. Viele Maßnahmen, wie die Pflanzung von Stadtbäumen, bräuchten lange, ehe sie wirkten. Für die bereits nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels seien Anpassungsmaßnahmen notwendig. So brauche Deutschland mehr Bäume in den Städten, mehr Grün auf den Dächern und mehr Raum für die Flüsse.

Über dieses Thema berichtete am 14. Juni 2021 B5 aktuell um 11:30 Uhr und Deutschlandfunk um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 14.06.2021 • 19:50 Uhr

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