Klimaaktivisten von "Fridays for Future" legen Klima-Forderungen vor. | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

"Fridays for Future" Streikende Schüler nennen ihre Forderungen

Stand: 08.04.2019 13:58 Uhr

Vertreter der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" haben sich erstmals mit konkreten Forderungen an die deutsche Politik gewandt. Darin fordern sie das Ende der Kohlesubventionen noch in diesem Jahr.

Zum ersten Mal hat die Schüler- und Studentenbewegung "Fridays for Future" ein Forderungspapier vorgestellt. Das enthalte bewusst nur Ziele, sagte Klimaaktivist Linus Steinmetz. Die politischen Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele seien nun Aufgabe der Politik.

In dem Papier fordern die Vertreter von "Fridays for Future" unter anderem ein "Ende der Subventionen für fossile Energieträger", wie Kohle, Öl und Gas bis Ende des Jahres. Ein Viertel der Kohlekraftwerke müsse bis Ende des Jahres abgeschaltet werden und der CO2-Ausstoß durch eine Besteuerung stark verteuert werden.

"Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen", sagte Steinmetz. Laut Umweltbundesamt seien dies pro Tonne 180 Euro.

Um das sogenannte Nettonull-Ziel zu erreichen, müsse bis Ende 2035 die Energieversorgung vollständig durch erneuerbare Energien erfolgen, heißt es in dem Papier. Zudem hält "Fridays for Future" an der Forderung nach einem Kohleausstieg bis 2030 fest. Der Kompromiss der Kohlekommission sieht einen Ausstieg aus der Kohle erst bis 2038 vor.

''Fridays for Future''-Demo in Duisburg | Bildquelle: dpa
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Seit Wochen demonstrieren weltweit Schüler für mehr Klimaschutz.

Abstimmung in bundesweiten Arbeitsgruppen

Den Angaben der Klimaaktivisten zufolge war der Forderungskatalog in bundesweiten Arbeitsgruppen in Abstimmung mit Wissenschaftlern ausgearbeitet worden. Ziel sei es, mit dem gewachsenen Einfluss der Bewegung die Politik zum Handeln zu drängen.

"Wir haben gesellschaftlichen und politischen Einfluss", sagte Steinmetz. Die Bewegung habe eine unvorstellbare Größe erreicht. Ziel sei es, Politik "bis zur höchsten Ebene" zu beeinflussen.

Mit dem eine Seite umfassenden Papier reagierte die Bewegung auf die wiederholte Forderung aus der Politik, konkrete Maßnahmen zu fordern.

Klimaaktivistin Svenja Kannt warnte vor weitaus größeren Folgekosten für die Steuerzahler durch die Klimaveränderung sollten bestimmte "Kipp-Punkte" überschritten und die Erderwärmung nicht mehr eingedämmt werden können.

Gleichzeitig müssten die Maßnahmen gegen den Klimawandel sozialverträglich umgesetzt werden. Schließlich sei der ökologische Fußabdruck, also die Beanspruchung des Ökosystems, umso größer, je höher das Einkommen, sagte Aktivistin Sana Strahinjic. Nach dem Verursacherprinzip müsse Deutschland als Industrienation Nettonull deutlich früher erreichen als andere Staaten, hieß es weiter: "Ein Verfehlen dieses Ziels hat weitreichende, untragbare Folgen."

Ins Leben gerufen von Greta Thunberg

Schüler und Studenten boykottieren seit Wochen in Deutschland und etlichen anderen Ländern weltweit einmal pro Woche den Unterricht, um gegen ausbleibende Klimaschutzmaßnahmen zu protestieren.

Ins Leben gerufen wurde "Fridays for Future" von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, die im Sommer 2018 mit ihrem Schulstreik für den Klimaschutz begann. Seitdem gibt es solche Freitags-Demonstrationen in aller Welt.

Steinmetz kündigte an, dass die Klimastreiks weitergehen werden, bis ersichtlich sei, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens tatsächlich angestrebt werden. Das Abkommen setzt das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad Celcius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Es sei ihnen bewusst, dass die Forderungen ambitioniert seien, heißt es in dem Papier. Würde man jetzt aber nicht entschlossen handeln, werde man das 1,5-Grad-Ziel verfehlen. Die dadurch entstehenden Schäden würden nicht reparabel sein.

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Fridays for Future: Forderungen und Vorwürfe
Evi Seibert, ARD Berlin
08.04.2019 14:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. April 2019 um 12:40 Uhr.

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