Ein Windrad steht auf einem von Nebel überzogenen Feld.

Laut Studie Klimaneutralität schon 2045 möglich

Stand: 26.04.2021 18:44 Uhr

Einer Studie zufolge könnte Deutschland schon fünf Jahre früher klimaneutral sein als geplant. Dafür sei aber mehr Tempo beim Klimaschutz nötig - etwa ein früherer Kohleausstieg, mehr E-Autos und schnellerer Ökostrom-Ausbau.

Klimaneutralität ist in Deutschland einer Studie zufolge schon im Jahr 2045 möglich - fünf Jahre früher als es sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt hat. Dies würde die Einsparung von knapp einer Milliarde Tonnen an Kohlendioxid-Emissionen bedeuten, heißt es in dem Gutachten der Organisationen Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende. Das wäre eine Reduktion um 15 Prozent im Vergleich zum jetzigen Ziel, im Jahr 2050 klimaneutral zu werden.

Um das schnellere Ziel zu erreichen, müsste aber nach Angaben der Fachleute der Klimaschutz beschleunigt werden. Technologien wie Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Wasserstoff müssten noch schneller hochgefahren werden. Damit Deutschland bereits 2045 treibhausgasneutral wird, ist es laut Szenario konkret notwendig, dass Deutschland bis zum Jahr 2030 aus der Kohleverstromung aussteigt - bisher ist das Ziel spätestens 2038.

Ziel: Schnellere Elektrifizierung im Verkehr

Für die Windkraft sowie die Photovoltaik halten die Studienautoren deutlich höhere Ausbaumengen für nötig. Wasserstoff solle zunehmend an Bedeutung gewinnen und nach 2040 Erdgas als wichtigsten Energieträger für die regelbare Stromerzeugung ablösen - in Zeiten, wo weder ausreichend Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung stehe. Auch die Ausstattung von Gebäuden mit Wärmepumpen müsse stärker angegangen werden. Nach Ansicht der Experten könnte man zum Beispiel Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland bis 2045 komplett mit Wärmepumpen versorgen.

Zudem müsste den Autoren zufolge im Verkehrsbereich die Elektrifizierung deutlich schneller vorangehen. Bereits ab dem Jahr 2032 sollten demnach keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Im Jahr 2030 sollten bereits 14 Millionen Elektro-Pkw im Bestand sein. Bis zum Jahr 2045 müssten im Pkw-Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Autos ersetzt werden. Güter sollen verstärkt auf der Schiene transportiert werden. Die persönliche Mobilität werde sich verändern, heißt es: "Die Menschen fahren deutlich mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Rad, und sie gehen mehr zu Fuß."

Die Studie geht außerdem davon aus, dass sich der Trend einer steigenden Nachfrage nach pflanzlichen und synthetischen Ersatzprodukten für Fleisch und Milch fortsetzt. Geringere Tierbestände sollen bei der Klimaneutralität der Landwirtschaft helfen. 

Wandel im "Mobilitätsverständnis" gefordert

"Klimaneutralität ist ein Rennen gegen die Zeit", sagte der Direktor der Stiftung Klimaneutralität, Rainer Baake. Er wies auf den "einschneidenden Kurswechsel in den Vereinigten Staaten" unter Präsident Joe Biden hin und betonte, auch Deutschland könne beim Klimaschutz schneller werden. "Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, das auch umzusetzen."

Der Direktor von Agora Verkehrswende, Christian Hochfeld, räumte ein, insbesondere die Verkehrswende sei "eine große Herausforderung, wenn der dafür nötige Strukturwandel ökonomisch und sozial gelingen soll". Der technologische Wandel müsse mit einem Wandel im "Mobilitätsverständnis" einhergehen, hin zu weniger privaten Pkw und mehr öffentlichen und geteilten Verkehrsmitteln.

Um den Klimaschutz zu beschleunigen, müsse mehr investiert werden, sagt Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende. Das Problem sei, dass Genehmigungsverfahren von beispielsweise Windkraftanlagen zu lange dauerten - das müsse in Zukunft schneller gehen. Konkrete Vorschläge zu klimapolitischen Maßnahmen wollen die Klimaorganisationen in den kommenden Wochen unterbreiten.

Mit Informationen von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 26. April 2021 um 16:09 Uhr.