Radfahrer auf einem der "Pop-up-Radwege" in Berlin. | Bildquelle: dpa

Umweltbundesamt Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger gefordert

Stand: 19.09.2020 16:07 Uhr

Die Corona-Krise hat es gezeigt: Weniger Verkehr in den Städten tut gut. Viele sind aufs Fahrrad umgestiegen. Angesichts der Klimakrise fordert das Umweltbundesamt, weiter in diese Richtung zu gehen.

Die Städte in Deutschland sollen den Radfahrer und Fußgängern aus Sicht des Umweltbundesamtes mehr Platz auf den Straßen verschaffen. Vor allem mit Blick auf die Klimakrise müsse der Umstieg vom Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel gefördert werden. Dabei könne die Corona-Krise als "Gelgenheitsfenster" genzutzt werden, erklärte die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Als weitere Maßnahme schlägt das Umweltbundesamt vor, Parkgebühren und Anwohnerparkausweise teurer zu machen. "Während man in Kopenhagen über 200 Euro und und in Amsterdam über 500 Euro für das Bewohnerparken zahlt, liegen die Gebühren in Deutschland derzeit weit darunter", erklärte die Behörde. In Millionenstädte wie Berlin zahle man pro Jahr nur rund zehn Euro, vielerorts sei Parken sogar noch kostenfrei.

Mit dem Fahrrad oft schneller als mit dem Auto

Die sogenannten "Pop-up-Radwege", wie sie in Berlin und Hamburg im Frühjahr und Sommer eingerichtet wurden, begrüßte die Behörde. "Pop-up-Fußgängerzonen wären ebenfalls wünschenswert, hieß es.

Den größten Teil des Straßenraums beansprucht derzeit das Auto. Laut Umweltbundesamt ist der Bestand an Kraftfahrzeugen zwischen 2009 und 2019 um 16 Prozent gestiegen. Dabei sei fast die Hälfte der innerstädtischen Autofahrten kürzer als fünf Kilometer. Damit lägen sie in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad häufig das schnellste Verkehrsmittel ist. Um mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen, müsse es aber sicherer und einfacher werden.

Parken muss bezahlbar bleiben

Politiker und Verkehrsexperten reagierten auf die Forderung eher verhalten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alois Rainer sagte, eine Verteuerung der Anwohnerparkausweise sei durchaus denkbar, aber mehrere Hundert Euro pro Jahr halte er für zu viel. ADAC-Präsident Gerhard Hillebrand gab zu bedenken, dass es weiterhin möglich sein müsse, in Innenstadtgebieten zu leben und wohnortnah zu parken. Der Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar sagte, derzeit sei es kaum möglich, Parkgebühren einzuführen und sie mit verkehrspolitischen, umwelt- und klimapolitischen Lenkungswirkungen zu verbinden. Das müsse sich ändern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. September 2020 um 11:03 Uhr.

Darstellung: